EU AI Act verstehen und umsetzen · Modul 6: KI-Kompetenz & Schulung

Lektion 1 von 2Text 14 Min.

KI-Kompetenz dokumentieren (Art. 4)

Fünf Bausteine zur Dokumentation der Maßnahmen zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 EU AI Act: Inventur, Rollenpfade, Teilnahme, Richtlinie, Wiederholung
KI-Kompetenz nach Art. 4 dokumentieren · Grafik: Klarwerk Digital

Artikel 4 ist der Teil des AI Act, der jedes Unternehmen trifft, das KI anbietet oder betreibt. Seit dem AI Omnibus (Juli 2026) lautet die Pflicht: Anbieter und Betreiber müssen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung ausreichender KI-Kompetenz der Personen zu unterstützen, die mit KI-Systemen arbeiten. In Kraft seit Februar 2025, beaufsichtigt durch die nationalen Marktüberwachungsbehörden seit August 2026.

Was verlangt wird – und was nicht

Art. 4 verlangt Maßnahmen, kein Ergebnis. Die geänderte Fassung stellt ausdrücklich klar, dass Unternehmen kein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Personen garantieren müssen. Es gibt kein vorgeschriebenes Curriculum, keine Mindeststunden und kein Pflichtzertifikat. Wer Ihnen ein „gesetzlich vorgeschriebenes Zertifikat“ verkauft, verspricht etwas, das im Gesetz nicht steht. Die Maßnahmen sollten passen:

  • zum technischen Wissen und der Erfahrung der Mitarbeitenden,
  • zum Kontext und den Systemen, mit denen gearbeitet wird,
  • zu den Risiken und den Personen, die von der KI betroffen sind.

Daraus folgt: rollenspezifisch statt ein Kurs für alle. Die Geschäftsführung braucht anderes Wissen als das Marketing, die Entwicklung anderes als der Vertrieb.

Was eine belastbare Dokumentation enthält

Das Gesetz schreibt keine bestimmte Form vor. Damit Sie Ihre Maßnahmen gegenüber einer Behörde oder im Streitfall belegen können, haben sich fünf Bausteine bewährt:

  1. KI-Inventur (aus Lektion 3): welche Systeme, welche Risikoklasse, wer verantwortlich.
  2. Rollenpfade: welche Gruppe welche Inhalte lernt – kurz begründet.
  3. Teilnahmedokumentation: wer wann welche Lektion absolviert hat. Diese Übersicht erzeugt die Klarwerk Akademie automatisch.
  4. KI-Richtlinie: erlaubte Werkzeuge, verbotene Daten, Kennzeichnung, Ansprechperson.
  5. Wiederholungsrhythmus: Empfehlung: mindestens jährlich und bei jedem neuen System.

Warum sich das trotzdem lohnt

Verursacht jemand einen Schaden, weil ihm das Wissen fehlte – etwa durch einen KI-generierten Vertrag mit falschen Klauseln oder Bewerberdaten im Chatfenster –, stellt sich die Frage, ob das Unternehmen angemessene Vorkehrungen getroffen hat. Eine nachvollziehbare Dokumentation Ihrer Maßnahmen ist dann Ihr wichtigstes Argument.

Abschluss-Check

Beantworten Sie die fünf Fragen für sich. Wenn Sie alle sicher beantworten können, haben Sie das Modul verstanden.

  1. Welche drei Themen aus dem AI Act betreffen heute fast jedes mittelständische Unternehmen?
  2. Nennen Sie je ein Beispiel für verbotene, Hochrisiko- und Transparenz-KI.
  3. Wann wird ein Betreiber zum Anbieter?
  4. Muss ein KI-geschriebener Blogbeitrag über Ihr Produkt gekennzeichnet werden?
  5. Was hat der AI Omnibus an Art. 4 geändert?

Lösungshinweise: 1) KI-Kompetenz, Transparenz, Inventur. 2) Emotionserkennung am Arbeitsplatz / Bewerber-Ranking (Pflichten ab Dezember 2027) / Website-Chatbot. 3) Bei wesentlicher Veränderung oder Weitergabe unter eigenem Namen. 4) In der Regel nein – wenn ein Mensch verantwortet und es kein Thema von öffentlichem Interesse ist. 5) Statt „ausreichende Kompetenz sicherstellen“ heißt es nun „Maßnahmen zur Unterstützung ergreifen“ – ein bestimmtes Niveau muss nicht garantiert werden.

Stand: September 2026. Kein Rechtsrat.

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