EU AI Act verstehen und umsetzen · Modul 1: KI verstehen

Lektion 1 von 3Übung 12 Min.

Was ist künstliche Intelligenz?

Worum es geht: Bevor es um Pflichten geht, braucht es ein gemeinsames Verständnis: Was ist eigentlich KI – und was nicht? Diese Frage ist nicht akademisch. Ob ein Werkzeug als KI-System gilt, entscheidet darüber, ob der AI Act überhaupt greift.

1. KI in einem Satz

Klassische Software folgt Regeln, die ein Mensch aufgeschrieben hat. KI leitet aus Beispielen selbst ab, wie sie mit neuen Eingaben umgeht.
Klassische SoftwareMachine Learning (KI)
Woher kommt das Verhalten?Regeln, von Menschen programmiertMuster, aus Daten gelernt
Beispiel Spam„Betreff enthält GRATIS → Spam“Lernt aus Tausenden markierten Mails
Neue SituationNur, was vorgesehen istKann verallgemeinern – und sich irren
NachvollziehbarkeitRegel ist lesbarOft schwer erklärbar

2. Die wichtigsten Arten von KI im Unternehmen

  • Generative KI: erzeugt Texte, Bilder, Audio, Video oder Code – z. B. ChatGPT, Copilot, Bildgeneratoren.
  • Sprachmodelle (LLMs): die Technik hinter den meisten Textassistenten.
  • Vorhersagemodelle: schätzen Nachfrage, Ausfallrisiken oder Kaufwahrscheinlichkeiten.
  • Empfehlungssysteme: „Kunden kauften auch …“ im Shop oder personalisierte Inhalte.
  • Bild- und Spracherkennung: Belege auslesen, Qualität prüfen, Gespräche transkribieren.
  • KI-Agenten: erledigen mehrstufige Aufgaben selbstständig und nutzen dabei Werkzeuge.

3. Was der AI Act unter einem KI-System versteht

Die Verordnung beschreibt ein KI-System vereinfacht als maschinengestütztes System, das mit unterschiedlichem Grad an Autonomie arbeitet, sich nach dem Einsatz anpassen kann und aus Eingaben ableitet, wie es Ausgaben erzeugt – etwa Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen, die die physische oder digitale Umgebung beeinflussen können (Art. 3 Nr. 1).

Das entscheidende Merkmal ist das Ableiten. Die Leitlinien der EU-Kommission zur Definition machen deutlich: Systeme, die nur einfache Datenverarbeitung leisten oder ausschließlich von Menschen festgelegten Regeln folgen, sind in der Regel keine KI-Systeme.

4. Übung: KI-System oder nicht?

Entscheiden Sie bei jedem Fall – die Auflösung erscheint sofort.

Übung: KI-System oder nicht?0 / 0 richtig
  1. 01Eine Excel-Formel addiert Umsätze und färbt Werte unter 1.000 € rot.

  2. 02Ein Spamfilter, der aus markierten E-Mails lernt, was Spam ist.

  3. 03ChatGPT, Copilot oder Claude formulieren eine Kundenantwort.

  4. 04Ein Website-Chat mit festem Klick-Menü: „Öffnungszeiten“ → feste Antwort.

  5. 05Eine Software sortiert Bewerbungen nach einem gelernten Eignungs-Score.

  6. 06Der Shop gibt automatisch 10 % Rabatt ab 100 € Warenwert.

  7. 07Ein Modell sagt den Lagerbedarf voraus und verbessert sich mit neuen Verkaufsdaten.

  8. 08Ein Bildgenerator erstellt ein Produktfoto aus einer Textbeschreibung.

Im Zweifel hilft die Frage: Hat hier ein Mensch jede Regel festgelegt – oder hat das System aus Daten gelernt, wie es entscheidet? Grenzfälle klären Sie in Modul 3 „Rollen & Anwendungsbereich“.

Übung zur Vertiefung

  1. Nennen Sie drei Werkzeuge aus Ihrem Arbeitsalltag, die KI enthalten.
  2. Warum ist ein reiner Klick-Menü-Chatbot meist kein KI-System – und was ändert sich, wenn ein Sprachmodell antwortet?
Lösungshinweise
  1. Typisch: Textassistent (ChatGPT, Copilot), Übersetzung (DeepL), Transkription in Videokonferenzen, Spamfilter, Belegerkennung in der Buchhaltung.
  2. Das Klick-Menü folgt vollständig vorgegebenen Pfaden. Ein Sprachmodell leitet Antworten aus der Eingabe ab – dann ist es ein KI-System, und die Transparenzpflicht für Chatbots greift.

Stand: September 2026. Kein Rechtsrat.

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