- additive und subtraktive Farbmischung unterscheiden
- Farbangaben in HEX, RGB, HSL und CMYK lesen und umrechnen
- wissen, wann Pantone und RAL gebraucht werden
- typische Probleme zwischen Bildschirm und Druck vermeiden
Wer mit Farben arbeitet, begegnet einem Durcheinander von Kürzeln: #4F5BFF, RGB 79 91 255, CMYK 69 64 0 0, Pantone 2726 C, RAL 5002. Alle beschreiben Farben, aber in unterschiedlichen Systemen, für unterschiedliche Medien und mit unterschiedlichen Stärken. Wer die Systeme kennt, kann Farben sicher zwischen Website, Drucksachen, Fahrzeugbeschriftung und Messestand übertragen – und vermeidet die klassische Enttäuschung, dass die Markenfarbe auf dem gedruckten Flyer plötzlich ganz anders aussieht als auf dem Bildschirm.
1. Licht und Pigment
Grundsätzlich gibt es zwei Arten, Farben zu erzeugen. Bildschirme erzeugen Farbe mit Licht. Sie mischen rotes, grünes und blaues Licht in unterschiedlicher Stärke; alle drei zusammen ergeben Weiß. Man spricht von additiver Farbmischung. Drucker erzeugen Farbe mit Pigmenten auf Papier. Jede Druckfarbe schluckt einen Teil des Lichts, das auf das Papier fällt; je mehr Farben übereinanderliegen, desto dunkler wird es. Das ist subtraktive Farbmischung mit den Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb, ergänzt um Schwarz.

2. Die Schreibweisen am Bildschirm
Für Websites und digitale Medien gibt es mehrere gleichwertige Schreibweisen derselben Farbe. RGB gibt die Anteile von Rot, Grün und Blau jeweils von 0 bis 255 an. HEX ist dieselbe Information in hexadezimaler Schreibweise, zwei Zeichen pro Kanal – #4F5BFF bedeutet Rot 79, Grün 91, Blau 255. HSL beschreibt die Farbe dagegen so, wie Menschen über Farben denken: als Farbton auf dem Farbkreis in Grad, Sättigung in Prozent und Helligkeit in Prozent. Probieren Sie es aus:
- HEX
- #4d61ff
- RGB
- 77, 97, 255
- HSL
- 233°, 100%, 65%
- CMYK ≈
- 70, 62, 0, 0
HSL ist für die Gestaltung besonders praktisch. Will man eine hellere Variante einer Farbe, erhöht man die Helligkeit; will man eine gedecktere, senkt man die Sättigung. In RGB oder HEX wäre dafür eine Umrechnung aller drei Werte nötig. Moderne Gestaltungswerkzeuge und CSS unterstützen zudem neuere Farbräume wie OKLCH, bei denen gleiche Zahlenschritte auch als gleich große Helligkeitsschritte wahrgenommen werden – ein Vorteil beim Aufbau von Farbskalen, wie die nächste Lektion zeigt.
3. Druck: CMYK, Pantone, RAL
| System | Medium | Schreibweise | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| RGB / HEX | Bildschirm, Web, Apps | #4F5BFF, rgb(79 91 255) | additiv, großer Farbraum |
| HSL / OKLCH | Bildschirm, Gestaltung | hsl(233 100% 65%) | intuitiv zu verändern |
| CMYK | Offset- und Digitaldruck | C69 M64 Y0 K0 | subtraktiv, abhängig von Papier und Profil |
| Pantone (PMS) | Sonderfarben im Druck | Pantone 2726 C | exakt gemischte Farbe, verlässlich, teurer |
| RAL | Lacke, Fahrzeuge, Fassaden, Möbel | RAL 5002 Ultramarinblau | Standard für Industrie und Bau |
| HKS | Druck im deutschsprachigen Raum | HKS 43 K | Alternative zu Pantone |
Im CMYK-Druck entstehen Farben durch feine Raster aus vier Grundfarben. Wie das Ergebnis aussieht, hängt vom Papier ab: Auf gestrichenem, glattem Papier wirken Farben brillanter als auf ungestrichenem Naturpapier, wo sie matter und dunkler erscheinen. Deshalb gibt es für jede Papierart eigene Farbprofile. Pantone und HKS sind Sonderfarben, die vorab exakt gemischt und als eigene Farbe gedruckt werden. Sie sind verlässlicher als CMYK und für Markenfarben ideal, verursachen aber zusätzliche Kosten. RAL schließlich ist das Farbsystem für Lacke und Beschichtungen – wichtig, sobald die Markenfarbe auf Fahrzeuge, Tore, Fassaden oder Maschinen kommt.
4. Typische Probleme
Das häufigste Problem ist die Umrechnung per Knopfdruck. Wer ein leuchtendes Bildschirmblau automatisch in CMYK umwandelt, erhält oft ein stumpfes Violettblau, weil der Druck diesen Ton nicht erreicht. Die Lösung ist, von Anfang an eine Markenfarbe zu wählen, die in allen Medien gut funktioniert, oder für den Druck bewusst eine eigene, visuell passende Variante festzulegen. Ein zweites Problem sind unkalibrierte Bildschirme: Dieselbe Farbe sieht auf dem Laptop des Geschäftsführers, dem Monitor der Agentur und dem Handy des Kunden unterschiedlich aus. Für verbindliche Farbabstimmungen braucht es deshalb einen kalibrierten Bildschirm oder, besser noch, einen gedruckten Proof.
Ein drittes Problem betrifft Bilder. Fotos für das Web werden im sRGB-Farbraum gespeichert, Fotos für den Druck in einem CMYK-Profil. Wer ein Webbild ohne Umwandlung an die Druckerei schickt oder umgekehrt ein Druckbild auf die Website stellt, erhält verfälschte Farben. Die meisten Druckereien geben genaue Vorgaben, welches Profil sie erwarten.
5. Die Farbangaben dokumentieren
Die Ergebnisse gehören in ein kurzes Farbdokument, das alle Beteiligten nutzen: Agentur, Druckerei, Werbetechnik, Messebauer. Für jede Farbe stehen dort der Name, die Rolle, die HEX- und RGB-Werte, CMYK für die gängigen Papiere, die Sonderfarbe und bei Bedarf der RAL-Ton. Ergänzt wird es um einen Hinweis, welche Kombinationen erlaubt sind und welche nicht. Dieses Dokument ist schnell erstellt und erspart unzählige Rückfragen und Fehldrucke. Es bildet zugleich die Grundlage für das Farbsystem, das in der nächsten Lektion aufgebaut wird.
6. Ein Beispiel für eine vollständige Farbangabe
Wie sieht eine solche Dokumentation konkret aus? Für eine Markenfarbe in einem mittleren Blau könnte der Eintrag lauten: Name „Klarwerk-Blau“, Rolle „Primär“, HEX #4F5BFF, RGB 79 91 255, CMYK gestrichen 72 62 0 0, CMYK ungestrichen 68 55 0 0, Pantone 2726 C, RAL 5002 als nächstliegender Lackton. Ergänzt wird ein Hinweis, dass die Farbe als Text auf Weiß nur ab 18 Pixeln fett verwendet werden darf und für kleinere Schrift eine dunklere Variante gilt. Für jede Farbe der Palette entsteht so eine kurze Karte, die alle Beteiligten ohne Rückfrage nutzen können.
In der Zusammenarbeit mit Druckereien lohnt es sich, vor großen Auflagen einen Andruck oder Proof anzufordern. Dabei wird die Farbe unter Normlicht mit dem Original verglichen. Kleine Abweichungen lassen sich so vor dem Druck korrigieren, statt hinterher tausend Broschüren in der falschen Farbe zu haben. Auch bei Werbetechnik lohnt ein Muster: Folien, Lacke und Textildruck haben jeweils eigene Farbfächer, aus denen der passende Ton gewählt wird. Wer diese Abstimmung einmal sorgfältig macht, hat eine Markenfarbe, die überall gleich aussieht – auf der Website, dem Briefbogen, dem Firmenwagen und dem Messestand.
Übrigens: Auch Bildschirme selbst unterscheiden sich. Moderne Geräte beherrschen oft größere Farbräume wie Display P3, in denen noch leuchtendere Töne möglich sind. Für eine Markenfarbe ist das selten nötig; sRGB bleibt der sichere Standard, der auf allen Geräten gleich aussieht und in allen Programmen unterstützt wird.
Kurz gesagt: Jedes Medium hat sein System, und die Markenfarbe muss in jedem davon sorgfältig übersetzt werden.
- [1]International Color Consortium (2022): Specification ICC.1:2022 – Image technology colour management.
- [2]W3C (2024): CSS Color Module Level 4 (u. a. hsl(), oklch()).
- [3]Ottosson, B. (2020): A perceptual color space for image processing (Oklab).
- [4]RAL gGmbH: RAL CLASSIC Farbsammlung; Pantone LLC: Pantone Matching System.
- [5]ISO 12647-2:2013 Graphic technology – Process control for the production of half-tone colour separations, proof and production prints – Offset lithographic processes.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie.