WordPress: vom Einstieg bis zur Entwicklung · Modul 6: REST API und Headless

Lektion 1 von 5Übung 14 Min.

Die REST API verstehen

Lernziele
  • Aufbau und Zweck der WordPress REST API verstehen
  • Routen, Methoden und Statuscodes lesen
  • Antworten mit Parametern gezielt eingrenzen
  • erkennen, wo die REST API in WordPress überall im Einsatz ist

Die REST API ist die Schnittstelle, über die andere Programme mit WordPress sprechen: der Block-Editor, eine App, ein Shop-System, ein Newsletter-Dienst, ein Automatisierungsdienst wie n8n – und seit Kurzem auch KI-Agenten. Sie liefert Inhalte als JSON statt als fertige HTML-Seite und nimmt Änderungen entgegen. Wer sie versteht, kann WordPress mit fast allem verbinden. Diese Lektion erklärt den Aufbau, die wichtigsten Begriffe und wie Sie Anfragen so stellen, dass sie schnell und sparsam sind.

1. Was eine REST API ist

Definition 1.1
REST API
Eine Schnittstelle, bei der jede Ressource – Beitrag, Seite, Medium, Nutzer – eine eigene Adresse (Route) hat und über HTTP-Methoden angesprochen wird: GET zum Lesen, POST zum Anlegen, PUT zum Ändern, DELETE zum Löschen. Die Antwort kommt als JSON, einem Format, das jede Programmiersprache versteht.
Abb. 1.1Der Weg einer REST-Anfrage
Abb. 1.1: Der Weg einer REST-Anfrage. Aufbau einer REST-Anfrage: Client sendet Methode und Route an wp-json, WordPress prüft Rechte über permission_callback, führt den Callback aus und antwortet mit JSON und einem Statuscode.
Abb. 1.1Methode und Route bestimmen, was passiert. Vor der Ausführung prüft WordPress die Rechte; die Antwort besteht aus JSON und einem Statuscode.

Jede WordPress-Website hat die Schnittstelle bereits eingebaut, erreichbar unter /wp-json/. Rufen Sie diese Adresse einmal im Browser auf: Sie sehen eine Übersicht aller verfügbaren Routen – das ist die Selbstbeschreibung der Schnittstelle. Die Standardrouten liegen unter /wp-json/wp/v2/, eigene Erweiterungen bekommen einen eigenen Namensraum, etwa /wp-json/radwerk/v1/.

ÜbungWelche Methode ist richtig?
  1. Die letzten zehn Blogbeiträge für eine App abrufen

  2. Einen neuen Beitrag anlegen

  3. Den Titel eines vorhandenen Beitrags ändern

  4. Einen Beitrag in den Papierkorb legen

0 von 4 eingeschätzt

2. Anfragen gezielt stellen

Eine unbedachte Anfrage holt alle Felder aller Beiträge – bei großen Websites Megabyte an Daten, von denen ein Bruchteil gebraucht wird. Mit Parametern lässt sich das genau steuern. Besonders wirkungsvoll sind _fields, das die Antwort auf die gewünschten Felder beschränkt, und _embed, das Verknüpftes wie Autor und Beitragsbild gleich mitliefert und so weitere Anfragen erspart. Stellen Sie eine Anfrage zusammen:

BaukastenEine Anfrage zusammenstellen

https://beispiel.de/wp-json/wp/v2/posts?per_page=5&_fields=id,title,link

Antwort (JSON)
1[
2 {
3 "id": 42,
4 "title": { "rendered": "Frühjahrscheck fürs Fahrrad" },
5 "link": "https://beispiel.de/fruehjahrscheck/"
6 }
7]
Mit _fields kommen nur die gewünschten Felder zurück – bei 100 Beiträgen macht das schnell den Unterschied zwischen 40 KB und 900 KB.
Tab. 1.1Wichtige Statuscodes
CodeBedeutungTypische Ursache
200 OKAnfrage erfolgreich
201 CreatedRessource angelegterfolgreicher POST
400 Bad RequestAnfrage fehlerhaftPflichtfeld fehlt, falscher Typ
401 Unauthorizednicht angemeldetZugangsdaten fehlen oder sind falsch
403 Forbiddenangemeldet, aber ohne RechtRolle reicht nicht, Nonce fehlt
404 Not FoundRoute oder Eintrag unbekanntTippfehler, Beitrag nicht öffentlich
VorhersageWas liefert diese Anfrage?
Browser-Adresszeile
1GET https://beispiel.de/wp-json/wp/v2/posts?per_page=3&_fields=id,title
2
3# Die Website hat 120 veröffentlichte Beiträge.
Was gibt dieser Code aus? Wählen Sie eine Antwort.

3. Wo die REST API überall steckt

ErkundenNutzer der Schnittstelle
Block-EditorApps und FrontendsDienste und AutomatisierungShop und KasseKI-AgentenEigene Skripte
Block-Editor: Speichert Beiträge, lädt Medien, holt Kategorien – der Editor ist eine React-Anwendung, die ausschließlich über die REST API arbeitet. (1/6 erkundet)

4. Grenzen und Stolpersteine

Drei Dinge überraschen Einsteiger regelmäßig. Erstens: Nicht alles ist öffentlich. Entwürfe, private Seiten, Nutzerdaten und eigene Inhaltstypen ohne show_in_rest erscheinen nur nach Anmeldung oder gar nicht. Zweitens: Metafelder sind nur sichtbar, wenn sie mit register_post_meta und show_in_rest registriert wurden – sonst fehlen sie in der Antwort, obwohl sie in der Datenbank stehen. Drittens: per_page ist auf 100 begrenzt. Wer 5.000 Beiträge holen will, muss seitenweise abfragen und dabei den Kopf X-WP-TotalPages auswerten.

Seitenweise abfragen (JavaScript)
1const alle = [];
2let seite = 1, seiten = 1;
3
4do {
5 const antwort = await fetch(
6 `https://beispiel.de/wp-json/wp/v2/posts?per_page=100&page=${seite}&_fields=id,title`
7 );
8 seiten = Number( antwort.headers.get( 'X-WP-TotalPages' ) ) || 1;
9 alle.push( ...await antwort.json() );
10 seite++;
11} while ( seite <= seiten );
Die REST API ist kein Zusatz, sondern das Rückgrat des modernen WordPress. Fragen Sie sparsam ab: nur die nötigen Felder, nur die nötigen Einträge – und rechnen Sie immer damit, dass eine Anfrage scheitern kann.

Werkzeuge und Selbstbeschreibung

Eine Stärke der REST API ist, dass sie sich selbst beschreibt. Unter /wp-json/ listet WordPress alle Namensräume, unter /wp-json/wp/v2 alle Routen mit ihren Parametern, Typen und Voreinstellungen. Wer eine Schnittstelle kennenlernen will, liest dort nach, statt zu raten. Praktisch ist dabei eine Browser-Erweiterung, die JSON übersichtlich darstellt; ohne sie ist die Antwort eine einzige lange Zeile. Für Anfragen mit Anmeldung oder anderen Methoden als GET eignen sich Werkzeuge wie Hoppscotch, Insomnia oder curl auf der Kommandozeile – dort lassen sich Kopfzeilen setzen und Antworten samt Statuscode betrachten.

Im Browser selbst hilft der Netzwerk-Tab der Entwicklerwerkzeuge enorm: Öffnen Sie ihn und bearbeiten Sie einen Beitrag im Block-Editor. Sie sehen jede Anfrage, die der Editor stellt – Speichern, Medien laden, Kategorien holen. Das ist die beste Einführung in die Schnittstelle, die es gibt, weil sie zeigt, wie ein echtes Programm damit arbeitet. Wer verstehen will, wie eine eigene Anbindung aussehen müsste, schaut dem Editor einfach über die Schulter.

5. Ein Beispiel

Ein Fahrradladen betreibt neben der Website einen Bildschirm im Schaufenster, der aktuelle Angebote zeigt. Statt einer zweiten Pflegeoberfläche liest die Anzeige einfach die Website aus: eine Anfrage an /wp-json/wp/v2/angebot mit _fields und _embed für das Bild, alle fünf Minuten. Gepflegt wird alles im gewohnten Backend. Als später eine Facebook-Seite dazukam, nutzte der Automatisierungsdienst dieselbe Schnittstelle. Die Inhalte entstehen an einer Stelle und erscheinen an dreien – das ist der eigentliche Gewinn einer Schnittstelle.

6. Häufige Fragen

Kann jeder meine REST API abfragen? Öffentliche Inhalte ja – was auf der Website sichtbar ist, ist auch über die Schnittstelle lesbar. Die Route /wp-json/wp/v2/users zeigt zusätzlich Namen von Nutzern, die Beiträge veröffentlicht haben; sie lässt sich einschränken. Alles Nichtöffentliche verlangt eine Anmeldung, wie Lektion 2 zeigt.

Soll ich die REST API abschalten? Nein. Der Block-Editor und viele Plugins brauchen sie; ein vollständiges Abschalten legt das Backend lahm. Sinnvoll ist, nicht benötigte Routen zu beschränken und den Zugriff zu begrenzen.

Was ist der Unterschied zu GraphQL? Die REST API liefert feste Antworten je Route, GraphQL erlaubt, die gewünschte Struktur in der Anfrage zu beschreiben. Für WordPress gibt es GraphQL als Plugin; für die meisten Projekte genügt REST, zumal es ohne Zusatzsoftware vorhanden ist.

7. Übung zum Selbermachen

Öffnen Sie /wp-json/wp/v2/posts einer beliebigen WordPress-Website im Browser – viele Nachrichtenseiten laufen mit WordPress. Hängen Sie ?per_page=2&_fields=id,title,link an und vergleichen Sie die Antwort mit der ursprünglichen. Suchen Sie dann mit ?search= nach einem Begriff und prüfen Sie, wie viele Treffer im Kopf X-WP-Total stehen; die Kopfzeilen zeigt Ihnen der Netzwerk-Tab der Entwicklerwerkzeuge. Notieren Sie sich, welche Felder Sie für eine eigene Anzeige tatsächlich bräuchten.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]WordPress.org (2026): REST API Handbook – Using the REST API, Global Parameters, Pagination.
  2. [2]WordPress.org (2026): REST API Reference – Posts, Pages, Media, Users.
  3. [3]MDN (2026): HTTP-Statuscodes.

Stand: September 2026, WordPress 7.1, PHP 8.3. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. WordPress entwickelt sich schnell – maßgeblich ist die aktuelle Dokumentation auf developer.wordpress.org.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Unter welcher Adresse liegt die Schnittstelle?