Wer einen Produktkonfigurator plant, steht früh vor einer Grundsatzfrage: eine fertige Konfigurator-Software einrichten oder eine Lösung individuell entwickeln lassen? Beide Wege haben ihre Berechtigung, und die richtige Wahl hängt von Ihrem Produkt, Ihren Regeln und Ihren Plänen ab. Dieser Beitrag vergleicht beide Ansätze ehrlich – auch dort, wo die Standardlösung die bessere ist.
Zwei Wege zum Konfigurator
Konfigurator-Software wird von einem Anbieter als Produkt verkauft, meist als Abonnement. Sie richten Ihre Produkte in einem Baukasten ein, laden Modelle hoch und binden das Ergebnis in Ihre Website ein. Die Software entwickelt der Anbieter weiter, Updates kommen automatisch.
Eine individuelle Entwicklung entsteht dagegen für genau Ihr Produkt. Oberfläche, Regeln, 3D-Darstellung und Anfrage werden nach Ihren Anforderungen gebaut. Das Ergebnis gehört Ihnen – Quellcode, 3D-Daten und Zugänge.
Was für Standardsoftware spricht
Der größte Vorteil einer fertigen Lösung ist der schnelle Start. Wenn Ihr Produkt in das Schema der Software passt, lässt sich ein Konfigurator in kurzer Zeit einrichten. Viele Funktionen sind bereits vorhanden und erprobt, und um Wartung und Weiterentwicklung kümmert sich der Anbieter.
Standardsoftware passt besonders gut, wenn Ihr Produkt klar strukturiert ist, die Regeln einfach sind und die Darstellung nicht ins letzte Detail gehen muss. Auch wer zunächst testen will, ob Kunden einen Konfigurator überhaupt nutzen, kann mit einer Standardlösung klein anfangen.
Wo Standardsoftware an Grenzen stößt
Schwierig wird es, sobald Ihre Anforderungen nicht mehr in das vorgesehene Schema passen. Die häufigsten Grenzen:
- Spezielle Regeln: Abhängigkeiten, die über „Option A schließt Option B aus“ hinausgehen, lassen sich im Baukasten oft nur umständlich oder gar nicht abbilden.
- Detailgenaue Darstellung: Wenn das 3D-Modell Ihr Produkt exakt zeigen soll – mit echten Profilen, Materialien und Bauteilen – reichen vorgefertigte Bausteine selten.
- Enge Integration: Anbindungen an CRM, Warenwirtschaft oder eigene Preislogik sind je nach Software eingeschränkt oder kosten extra.
- Abhängigkeit: Mit der Lizenz endet der Konfigurator. Preiserhöhungen, geänderte Funktionen oder die Einstellung des Produkts betreffen Sie direkt.
Was für eine individuelle Entwicklung spricht
Eine individuelle Lösung passt sich an Ihr Produkt an statt umgekehrt. Regeln werden so abgebildet, wie Ihr Vertrieb sie heute anwendet. Die Darstellung zeigt Ihr Produkt, nicht ein ähnliches. Und die Anfrage enthält genau die Angaben, die Ihr Team braucht – in dem Format, das in Ihre Abläufe passt.
Dazu kommt das Eigentum: Quellcode und 3D-Daten gehören Ihnen, ohne Lizenz und ohne Umsatzbeteiligung. Die Modelle lassen sich auch außerhalb des Konfigurators nutzen, etwa für Kataloge, Präsentationen oder die Messe.
Der Preis dafür ist ein höherer Aufwand am Anfang und die Verantwortung für die Pflege. Wer individuell entwickeln lässt, sollte klären, wer später neue Varianten ergänzt – ob das eigene Team, der Entwickler über einen Wartungsvertrag oder beides.
Beide Wege im Überblick
| Kriterium | Konfigurator-Software | Individuelle Entwicklung |
|---|---|---|
| Start | schnell, wenn das Produkt ins Schema passt | mit Prototyp nach wenigen Wochen, fertig nach mehreren Monaten |
| Laufende Kosten | Lizenz, oft nach Nutzung gestaffelt | keine Lizenz, optional Wartungsvertrag |
| Regeln | im Rahmen des Baukastens | so, wie Ihr Produkt sie braucht |
| 3D-Darstellung | vorgefertigte Bausteine | Ihr Produkt im Detail |
| Integration | je nach Anbieter | nach Ihren Systemen |
| Eigentum | beim Anbieter | bei Ihnen |
- Ihre Regeln und Abhängigkeiten sind speziell und passen in kein Standardschema.
- Das 3D-Modell soll Ihr Produkt im Detail zeigen, nicht nur ähnlich.
- Laufende Lizenzkosten pro Monat oder pro Nutzer wollen Sie vermeiden.
- Der Konfigurator soll eng mit Website, CRM oder Warenwirtschaft verbunden sein.
- Sie wollen Quellcode und 3D-Daten selbst besitzen.
Noch 5 Aussagen offen.
Mischformen und der pragmatische Weg
Die Entscheidung muss nicht endgültig sein. Manche Hersteller starten mit einer Standardlösung für ein einfaches Produkt und lassen später für das Kernprodukt individuell entwickeln. Andere beginnen mit einem individuellen Prototyp für ein einziges Produkt und entscheiden danach, wie weit sie ausbauen.
Wichtig ist, die Entscheidung an den eigenen Anforderungen festzumachen und nicht an der Technik. Schreiben Sie auf, welche Regeln und Angaben Ihr Konfigurator unbedingt braucht – unser Beitrag zum Pflichtenheft hilft dabei – und prüfen Sie jede Lösung genau an diesen Punkten.
Bei Klarwerk entwickeln wir individuell. Wir sagen Ihnen aber im Erstgespräch ehrlich, wenn eine Standardlösung besser zu Ihnen passt. Wie individuelle Konfiguratoren aussehen, zeigen unser Hallenkonfigurator und der Hauskonfigurator mit Baureise.
Sechs Fragen an jeden Anbieter
Ob Standardsoftware oder individuelle Entwicklung: Diese Fragen helfen, Angebote vergleichbar zu machen.
- Lassen sich unsere wichtigsten Regeln abbilden? Lassen Sie sich an zwei oder drei echten Beispielen aus Ihrem Sortiment zeigen, wie das aussieht.
- Wie genau wird unser Produkt dargestellt? Fragen Sie nach Referenzen mit vergleichbarer Detailtiefe und prüfen Sie sie auf dem Handy.
- Wie kommen Anfragen bei uns an? Per Mail, im CRM, mit Ansichten und Link – oder nur als Liste von Optionen?
- Wem gehören Modelle und Daten? Klären Sie, ob Sie 3D-Daten und Konfigurationen mitnehmen können, wenn Sie wechseln.
- Wer pflegt neue Varianten? Und wie schnell und zu welchen Bedingungen passiert das?
- Wie barrierefrei ist die Lösung? Seit Juni 2025 gilt für viele Anbieter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – eine Alternative zur 3D-Bedienung gehört dazu.
Wer diese Fragen für jede Lösung schriftlich beantworten lässt, vergleicht nicht mehr Versprechen, sondern Fakten. Oft zeigt sich schon an den Antworten, welcher Weg zu Ihnen passt.
Hosting und Datenschutz
Ein weiterer Punkt wird gern übersehen: Wo läuft der Konfigurator, und wo landen die Daten? Standardsoftware wird meist beim Anbieter betrieben, Anfragen und Nutzungsdaten liegen dann auf dessen Servern. Bei einer individuellen Lösung entscheiden Sie selbst, ob sie bei Ihnen oder bei Ihrem Dienstleister läuft. Beides ist möglich, sollte aber in der Datenschutzerklärung und gegebenenfalls in einem Vertrag zur Auftragsverarbeitung festgehalten sein.
Was eine individuelle Lösung im Alltag bedeutet
Eine individuelle Entwicklung endet nicht mit dem Livegang. Neue Produkte, geänderte Farben oder zusätzliche Optionen müssen eingepflegt werden, und von Zeit zu Zeit lohnt es sich, den Konfigurator anhand der Nutzungsdaten zu verbessern. Das klingt nach Aufwand, hat aber einen Vorteil: Jede Änderung folgt Ihren Prioritäten und nicht dem Fahrplan eines Softwareanbieters. Wer dafür einen festen Ansprechpartner und klare Abläufe hat, erlebt die Pflege als Routine statt als Projekt.
Häufige Fragen
Ist individuelle Entwicklung immer teurer?
Am Anfang meist ja. Über die Jahre können laufende Lizenzkosten den Unterschied verringern oder umkehren. Entscheidend ist der Vergleich über den gesamten Zeitraum, den Sie den Konfigurator nutzen wollen.
Können wir später von Software auf individuell wechseln?
Ja. Produktdaten, Regeln und Erfahrungen aus der Standardlösung sind dann ein guter Ausgangspunkt. Die 3D-Modelle müssen je nach Software neu aufbereitet werden.
Wer pflegt einen individuellen Konfigurator?
Das legen Sie fest: Ihr Team, der Entwickler über einen Wartungsvertrag oder beide gemeinsam. Wichtig ist, das vor dem Start zu klären.
Welche Lösung ist schneller online?
Wenn Ihr Produkt ins Schema passt, meist die Standardsoftware. Ein individueller Prototyp zeigt aber ebenfalls früh, wie der Konfigurator aussehen wird – und ob er zu Ihrem Produkt passt.



