- die KI-Funktionen der Werbeplattformen für Texte, Bilder und Videos kennen
- mit gezielten Prompts brauchbare Anzeigentexte erzeugen
- KI-generierte Motive markengerecht und rechtssicher einsetzen
- einen Prüfprozess für KI-Anzeigen etablieren
Generative KI hat die Produktion von Werbemitteln in kurzer Zeit verändert. Anzeigentexte in zwanzig Varianten entstehen in Sekunden, Bilder lassen sich erweitern, in andere Formate bringen oder ganz neu erzeugen, und aus einigen Fotos wird ein kurzes Video. Google und Meta haben solche Funktionen direkt in ihre Werbesysteme eingebaut. Für Unternehmen ohne eigene Kreativabteilung ist das eine große Chance: Die Hürde, viele unterschiedliche Anzeigen zu testen, sinkt erheblich. Gleichzeitig entstehen neue Risiken – von austauschbaren Texten über erfundene Behauptungen bis zu rechtlichen Problemen mit generierten Bildern.
1. KI-Funktionen in den Werbeplattformen
| Funktion | Was sie tut | Worauf achten |
|---|---|---|
| Automatisch erstellte Assets | Google erzeugt Titel und Beschreibungen aus der Website | Aussagen prüfen, gegebenenfalls deaktivieren |
| Textvarianten | Meta formuliert Haupttext und Überschriften um | Ton und Versprechen kontrollieren |
| Hintergrund erweitern | Bilder werden für andere Formate ergänzt | auf seltsame Details achten |
| Bildgenerierung | neue Motive aus einer Beschreibung | Rechte, Irreführung, Markenstil |
| Videos aus Bildern | kurze Animationen aus vorhandenen Fotos | wirkt oft generisch – eigenes Video ist besser |
| Konversationelle Einrichtung | Kampagne im Dialog mit der KI anlegen | Einstellungen danach vollständig prüfen |
Funktionsumfang und Namen ändern sich laufend. Viele Funktionen sind standardmäßig aktiviert und sollten bewusst ein- oder ausgeschaltet werden.
Diese Funktionen sind nützlich, aber sie haben eine gemeinsame Schwäche: Sie kennen Ihr Unternehmen nur aus den Daten, die sie finden. Automatisch erzeugte Texte greifen Formulierungen von der Website auf, kombinieren sie neu und fügen manchmal Aussagen hinzu, die so nicht stimmen. Automatisch erweiterte Bilder erfinden Details, die es nicht gibt. Deshalb gilt: Jede KI-Funktion, die Inhalte erzeugt, sollte bewusst aktiviert und ihre Ergebnisse sollten regelmäßig geprüft werden.
2. Texte mit KI schreiben
Die Qualität von KI-Texten hängt stark von der Anweisung ab. „Schreib mir eine Anzeige für meine Fahrradwerkstatt“ liefert austauschbare Floskeln. Ein Prompt mit konkreten Fakten, einer beschriebenen Zielgruppe, einer Tonalität und klaren Grenzen liefert brauchbare Entwürfe. Bauen Sie sich einen solchen Prompt zusammen:
Du bist ein erfahrener Werbetexter. Schreibe eine Google-Suchanzeige. Angebot: Fahrradwerkstatt in Leipzig, Inspektion ab 59 €, Reparatur meist in 48 Stunden. Zielgruppe: Berufspendler, die ihr Rad täglich brauchen. Tonalität: freundlich, direkt, ohne Übertreibungen. Format: 15 Anzeigentitel mit höchstens 30 Zeichen und 4 Beschreibungen mit höchstens 90 Zeichen. Zähle die Zeichen und halte die Grenzen ein. Liefere unterschiedliche Ansätze: Nutzen, Preis, Schnelligkeit, Vertrauen und Handlungsaufforderung. Verwende keine Superlative wie „der beste“, keine erfundenen Zahlen, Bewertungen oder Testsiegel und keine Versprechen, die im Angebot nicht stehen. Schreibe auf Deutsch, in der Sie-Form, ohne Gendersternchen.
Besonders wichtig sind die Grenzen. Sprachmodelle neigen dazu, Texte mit Superlativen, erfundenen Zahlen und Versprechen aufzuwerten, weil das in vielen Werbetexten so üblich ist. „Die schnellste Werkstatt der Stadt“ oder „über 10.000 zufriedene Kunden“ klingt gut – wenn es nicht stimmt, ist es aber irreführende Werbung. Wer diese Grenzen ausdrücklich in den Prompt schreibt, bekommt deutlich weniger Probleme. Trotzdem muss jede Aussage vor der Veröffentlichung geprüft werden.
3. Bilder und Videos
Bei Bildern ist die Lage anspruchsvoller als bei Texten. Generierte Bilder können für abstrakte Themen, Hintergründe oder Stimmungen gut funktionieren. Problematisch werden sie, wenn sie etwas zeigen, das es nicht gibt: ein Produkt, das in Wirklichkeit anders aussieht, einen Laden, der nicht existiert, zufriedene Kunden, die nie Kunden waren. Solche Bilder täuschen und können nach dem Wettbewerbsrecht unzulässig sein, unabhängig davon, ob sie als KI-generiert gekennzeichnet sind. Wie im Kurs Design-Grundlagen beschrieben, wirken echte Fotos zudem meist glaubwürdiger als generierte.
Hinzu kommt das Urheberrecht. Unverändert übernommene KI-Bilder sind in der Regel nicht geschützt – andere dürfen sie also ebenfalls verwenden. Und wenn ein generiertes Bild einem geschützten Werk, einer bekannten Figur oder einer realen Person ähnelt, kann die Verwendung Rechte verletzen. Für Werbung heißt das: KI-Bilder eignen sich gut als Ergänzung, für Hintergründe, Varianten und schnelle Tests. Für die Kernmotive – Produkte, Team, Standort, Referenzen – bleiben echte Aufnahmen die bessere Wahl.
4. Varianten und Tests
Der größte Nutzen von KI liegt in der Menge. Früher war es aufwendig, zehn unterschiedliche Anzeigenansätze zu entwickeln; heute dauert es Minuten. Das erlaubt systematisches Testen: verschiedene Einstiege, verschiedene Nutzenversprechen, verschiedene Handlungsaufforderungen. Die Plattformen spielen die Varianten aus und zeigen, welche besser funktionieren. So entsteht Wissen darüber, welche Botschaften bei der eigenen Zielgruppe ankommen – Wissen, das auch für Website, Prospekte und Verkaufsgespräche wertvoll ist.
Damit dieses Testen funktioniert, sollten sich die Varianten deutlich unterscheiden. Zehn Umformulierungen desselben Satzes liefern wenig Erkenntnis. Zehn unterschiedliche Ansätze – Preis, Geschwindigkeit, Qualität, Bequemlichkeit, Vertrauen – liefern viel. Ein guter Arbeitsablauf beginnt deshalb mit einer menschlichen Entscheidung über die Ansätze, die getestet werden sollen, und nutzt KI, um jeden Ansatz in mehreren Formulierungen umzusetzen.
5. Ein Prüfprozess für KI-Anzeigen
| Prüfpunkt | Frage |
|---|---|
| Fakten | Stimmen alle Zahlen, Preise, Fristen und Eigenschaften? |
| Versprechen | Können wir halten, was die Anzeige verspricht? |
| Marke | Passt der Ton zu uns? Würden wir so mit Kunden sprechen? |
| Bilder | Zeigen sie etwas Echtes oder täuschen sie etwas vor? |
| Rechte | Ähnelt etwas geschützten Werken, Figuren, Marken oder realen Personen? |
| Kennzeichnung | Ist eine Offenlegung nötig, etwa bei realistisch wirkenden Personen? |
| Plattformregeln | Entspricht die Anzeige den Werberichtlinien von Google oder Meta? |
Diese Prüfung kostet für eine Anzeigengruppe wenige Minuten und verhindert die meisten Probleme. In größeren Teams lohnt es sich, sie als festen Schritt vor jeder Freigabe zu verankern, zusammen mit einer kurzen Liste freigegebener Werkzeuge und Regeln, welche Daten in KI-Werkzeuge eingegeben werden dürfen. Das entspricht auch den Anforderungen an KI-Kompetenz, die der AI Act seit Februar 2025 an Unternehmen stellt, die KI einsetzen.
Mit einem solchen Prozess wird KI zu einem echten Gewinn: Anzeigen entstehen schneller, es wird mehr getestet, und die Qualität steigt, weil Menschen ihre Zeit in Strategie und Prüfung statt in das Formulieren von Varianten investieren. Die nächste Lektion blickt auf eine Entwicklung, die die Werbung in den kommenden Jahren noch stärker verändern könnte: Werbung in KI-Suchen und Assistenten.
6. Die eigene Stimme bewahren
Eine oft unterschätzte Gefahr von KI-Texten ist die Gleichförmigkeit. Wenn viele Unternehmen dieselben Werkzeuge mit ähnlichen Anweisungen nutzen, klingen ihre Anzeigen irgendwann gleich: dieselben Formulierungen, dieselben Versprechen, derselbe Ton. Für die Zielgruppe verschwimmen die Anbieter, und die Anzeigen verlieren an Wirkung. Die Lösung liegt darin, der KI das mitzugeben, was nur das eigene Unternehmen hat: echte Kundenzitate, konkrete Erfahrungen, typische Formulierungen aus Gesprächen, Besonderheiten des Angebots.
Hilfreich ist ein kurzer Leitfaden zur eigenen Sprache, der jedem Prompt beigefügt wird: Wie sprechen wir unsere Kunden an? Welche Wörter benutzen wir, welche nicht? Welche Beispiele zeigen unseren Ton? Mit einem solchen Leitfaden werden KI-Entwürfe deutlich näher an der eigenen Marke liegen. Und am Ende lohnt ein letzter menschlicher Blick: Klingt das nach uns? Würden wir das einem Kunden am Telefon so sagen? Wenn nicht, wird überarbeitet. Diese kleine Prüfung macht den Unterschied zwischen austauschbarer und unverwechselbarer Werbung.
Ein weiterer Tipp betrifft die Organisation. Speichern Sie bewährte Prompts in einer gemeinsamen Sammlung, zusammen mit Beispielen guter Ergebnisse. So muss nicht jede Person im Team bei null anfangen, die Qualität der Entwürfe wird gleichmäßiger, und neue Kollegen lernen schneller, wie gute Anzeigen im eigenen Unternehmen klingen. Diese Sammlung wächst mit jeder Kampagne und wird mit der Zeit zu einem echten Wissensschatz. Ergänzen Sie zu jedem Prompt kurz, für welches Format und welche Zielgruppe er sich bewährt hat und welche Anzeige daraus die besten Ergebnisse erzielt hat. So wird aus einzelnen Versuchen nach und nach ein verlässliches System, das die Arbeit an neuen Kampagnen spürbar und dauerhaft beschleunigt.
- [1]Google (2026): Google Ads Hilfe – Automatisch erstellte Assets; generative KI in Google Ads.
- [2]Meta (2026): Meta Business Hilfebereich – Generative KI-Funktionen im Werbeanzeigenmanager.
- [3]Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), §§ 5, 5a.
- [4]Urheberrechtsgesetz (UrhG), § 2 Abs. 2.
- [5]Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 4, 50.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Plattformfunktionen und Preise ändern sich häufig – maßgeblich sind die aktuellen Angaben der Anbieter.