Full Stack mit KI · Modul 6: Harness Engineering

Lektion 6 von 7Text 15 Min.

Code-Review und Evals: KI-Ergebnisse prüfen

Worum es geht: Wenn Code schneller entsteht, wird das Prüfen zum Engpass. Diese Lektion zeigt zwei Antworten darauf: eine feste Durchsichtsliste für Code – und Evals, also automatische Prüfungen für die Qualität von Modellausgaben.

1. Sieben Fragen bei der Durchsicht

PrüflisteWas man bei KI-Code zuerst ansieht

Erfüllt der Code die Aufgabe – und nur die Aufgabe? Agenten neigen dazu, nebenbei mehr zu bauen als gefordert. Alles, was nicht in der Beschreibung stand, ist ein Kandidat zum Streichen.

In dieser Reihenfolge durchgehen. Die ersten drei finden erfahrungsgemäß die schwerwiegendsten Probleme.

2. Wie man effizient durchsieht

Nicht Zeile für Zeile von oben. Beginnen Sie mit der Liste der geänderten Dateien: Passt die Auswahl zur Aufgabe? Eine geänderte Datei, die nicht dazugehört, ist ein Warnzeichen. Dann die Schnittstellen und Datenmodelle, weil dort die Entscheidungen stecken. Dann die Fehlerbehandlung. Die eigentliche Logik zuletzt – sie ist meist der unproblematischste Teil.

Wenn ein Durchgang mehr als zwanzig Minuten dauert, war die Aufgabe zu groß geschnitten. Teilen Sie sie beim nächsten Mal.

Die erste Frage lautet nicht „ist der Code gut?“, sondern „ist es das Richtige?“. Perfekt gebauter Code für die falsche Aufgabe ist der teuerste Ausgang.

3. Was Evals sind

Eine Eval ist ein Test für die Ausgabe eines Sprachmodells. Da dieselbe Frage nie exakt dieselbe Antwort liefert, lässt sich nicht auf Gleichheit prüfen – geprüft werden Eigenschaften: Enthält die Antwort die erwarteten Felder? Liegt sie im erlaubten Format? Steht die richtige Zahl darin? Enthält sie etwas, das nicht vorkommen darf?

PrüfartBeispiel
FormatAntwort ist gültiges JSON mit den Feldern status und begruendung
InhaltDie genannte Preisspanne entspricht der Angabe im Quelldokument
VerbotenesKeine erfundenen Referenzen, keine Zusagen zu Lieferzeiten
QuellenangabeJede Aussage nennt die Fundstelle, aus der sie stammt
Länge und TonHöchstens 120 Wörter, Sie-Ansprache, keine Ausrufezeichen

4. Eine Eval-Sammlung aufbauen

Beginnen Sie mit zwanzig echten Fällen aus dem Alltag – echte Kundenanfragen, echte Dokumente, echte Fragen. Halten Sie zu jedem fest, was eine gute Antwort ausmacht. Diese zwanzig Fälle laufen nach jeder Änderung an Anweisung, Modell oder Kontext durch.

Der Wert entsteht beim Ändern. Ohne Evals ist jede Anpassung ein Blindflug: Man verbessert einen Fall und verschlechtert drei andere, ohne es zu merken. Mit Evals sieht man sofort, was besser und was schlechter wurde.

5. Wenn ein Modell prüft

Für Eigenschaften, die sich nicht mechanisch prüfen lassen – etwa „ist die Antwort höflich und sachlich?“ –, kann ein zweites Modell als Prüfer eingesetzt werden. Das funktioniert brauchbar, wenn die Prüffrage eng gestellt ist und nur mit Ja oder Nein beantwortet werden soll. Es ersetzt keine mechanische Prüfung dort, wo eine möglich ist – und es ersetzt keine Stichprobe durch Menschen.

6. Häufige Fragen

Wie viele Fälle braucht eine Eval-Sammlung? Zwanzig für den Anfang, fünfzig für ein System im Betrieb. Wichtiger als die Zahl ist, dass die schwierigen Fälle dabei sind – nicht nur die einfachen.

Wann läuft die Sammlung? Bei jeder Änderung an Anweisung, Kontext oder Modell, und zusätzlich regelmäßig im Betrieb: Modelle werden aktualisiert, und die Qualität kann sich dabei verschieben.

Ersetzt das die menschliche Prüfung? Nein. Evals fangen Rückschritte ab. Ob das System das Richtige tut, beurteilt weiterhin ein Mensch – regelmäßig und stichprobenartig.

Stand: September 2026. Die Übungen laufen vollständig in Ihrem Browser – es wird nichts gespeichert oder übertragen.

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