Design-Grundlagen · Modul 6: Design in der Praxis

Lektion 4 von 5Text 14 Min.

KI im Design

Lernziele
  • einschätzen, wo KI-Werkzeuge im Gestaltungsprozess helfen und wo nicht
  • typische Einsatzfelder wie Ideenfindung, Bildgenerierung und Prototyping kennen
  • rechtliche Grenzen bei KI-generierten Bildern und Logos beachten
  • KI so einsetzen, dass Qualität und Markenidentität gewahrt bleiben

Kaum ein Bereich wurde von generativer KI so schnell verändert wie die Gestaltung. Bildgeneratoren erzeugen in Sekunden Motive, für die früher ein Fotoshooting nötig war. Sprachmodelle schreiben Überschriften und Texte in jedem gewünschten Ton. Gestaltungsprogramme schlagen Layouts vor, entfernen Hintergründe und erweitern Bilder über ihren Rand hinaus. Und aus einer groben Beschreibung entsteht in wenigen Minuten ein klickbarer Prototyp. Das eröffnet große Chancen – gerade für kleinere Unternehmen ohne eigene Designabteilung. Es birgt aber auch Risiken für Qualität, Recht und Glaubwürdigkeit.

1. Wo KI im Prozess hilft

Abb. 4.1KI entlang des Gestaltungsprozesses
Abb. 4.1: KI entlang des Gestaltungsprozesses. Der Beitrag von KI in den Phasen eines Gestaltungsprojekts: stark bei Recherche und Ideenfindung, hilfreich im Entwurf, unterstützend in der Ausarbeitung. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.
Abb. 4.1KI ist am stärksten in frühen Phasen, in denen viele Möglichkeiten erkundet werden. Je näher ein Projekt an der Entscheidung ist, desto wichtiger werden menschliches Urteil, Markenwissen und Verantwortung.

In der Recherche hilft KI, Wettbewerber zu analysieren, Trends zusammenzufassen und Fragen zur Zielgruppe zu strukturieren. In der Ideenfindung liefert sie in kurzer Zeit viele Varianten – Überschriften, Bildideen, Farbstimmungen, Layoutrichtungen. Hier liegt ihr größter Wert: Sie macht es günstig, viele Möglichkeiten anzuschauen, bevor man sich festlegt. Im Entwurf helfen KI-Funktionen in Gestaltungsprogrammen bei Routinearbeiten wie Freistellen, Retuschieren oder dem Erzeugen von Varianten. In der Ausarbeitung unterstützt KI etwa beim Schreiben von Alternativtexten oder beim Umsetzen von Entwürfen in Code. Die Entscheidung darüber, was zur Marke passt, was die Zielgruppe überzeugt und was veröffentlicht wird, bleibt beim Menschen.

ErkundenKI im Gestaltungsalltag
Ideen sammeln: Schnelle Varianten für Aufbau und Bildidee – gut für den Einstieg, selten direkt verwendbar.

2. Typische Einsatzfelder

Tab. 4.1KI-Werkzeuge im Designalltag
AufgabeNutzenWorauf achten
Moodboards und Stilrichtungenschnelle Visualisierung von Ideennur als Richtung, nicht als fertiges Ergebnis
BildbearbeitungFreistellen, Retusche, Erweiternechte Produkte nicht verfälschen
Illustrationen und Symbolbildergünstige Motive für abstrakte ThemenStil konsistent halten, Rechte prüfen
Texte und Überschriftenviele Varianten, Tonalität testenFakten und Aussagen prüfen, Markensprache wahren
Prototypen und Codeschnelle Klickdummys, erste UmsetzungBarrierefreiheit, Designsystem, Sicherheit prüfen
Alternativtexte und ÜbersetzungenZeitersparnis bei großen MengenKontext und Zweck ergänzen

Ein Muster zieht sich durch alle Einsatzfelder: KI liefert schnell ein brauchbares Ergebnis, aber selten ein fertiges. Der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem guten Auftritt liegt in der Auswahl, der Anpassung an die Marke und der Prüfung. Wer KI-Ergebnisse ungeprüft übernimmt, bekommt einen Auftritt, der austauschbar wirkt – denn dieselben Werkzeuge stehen allen Wettbewerbern zur Verfügung.

3. Wofür eignet sich KI?

Schätzen Sie ein, wie sinnvoll der KI-Einsatz in diesen Fällen ist:

ÜbungKI einsetzen – ja, mit Prüfung oder lieber nicht?
  1. Zwanzig Varianten für die Überschrift einer Landingpage entwerfen

  2. Ein Moodboard für die Bildstimmung eines Relaunchs erstellen

  3. Das neue Firmenlogo vollständig von einem Bildgenerator erzeugen lassen

  4. Alternativtexte für 200 Produktbilder vorschlagen lassen

  5. Ein Titelbild erzeugen, das ein echtes Referenzprojekt zeigen soll

  6. Aus einer Skizze einen ersten klickbaren Prototyp bauen

0 von 6 eingeschätzt

4. Rechtliche Grenzen

Drei rechtliche Fragen begleiten den Einsatz von KI in der Gestaltung. Die erste betrifft das Urheberrecht am Ergebnis. Nach deutschem Recht setzt urheberrechtlicher Schutz eine persönliche geistige Schöpfung eines Menschen voraus. Ein unverändert übernommenes KI-Bild ist deshalb in der Regel nicht geschützt – andere dürfen es ebenfalls verwenden. Für ein Logo oder zentrale Markenelemente ist das ein ernstes Problem. Sie sollten von Menschen gestaltet oder zumindest so wesentlich bearbeitet werden, dass eine eigene Schöpfung entsteht, und als Marke angemeldet werden.

Die zweite Frage betrifft die Rechte Dritter. Erzeugt eine KI ein Bild, das einem geschützten Werk, einer bekannten Figur oder einer Marke erkennbar ähnelt, kann die Veröffentlichung Rechte verletzen – unabhängig davon, dass eine Maschine es erzeugt hat. Die dritte Frage betrifft die Kennzeichnung und Irreführung. Der EU AI Act verlangt die Kennzeichnung bestimmter KI-Inhalte, insbesondere von Deepfakes, und das Wettbewerbsrecht verbietet es, Kunden zu täuschen – etwa mit generierten Bildern, die echte Projekte, Produkte oder Kunden vortäuschen. Einzelheiten dazu behandeln die Kurse EU AI Act und Website-Recht.

KI ist ein hervorragendes Werkzeug für Ideen und Routinearbeit – aber kein Ersatz für Markenidentität. Was Ihr Unternehmen unverwechselbar macht, sollte von Menschen entschieden und verantwortet werden.

5. KI sinnvoll einführen

Wie gelingt ein guter Einsatz im Alltag? Bewährt haben sich einige Grundregeln. Erstens: KI-Werkzeuge werden an das Designsystem gebunden, etwa indem Farben, Schriften und Tonalität in Vorlagen und Anweisungen hinterlegt werden. So bleiben die Ergebnisse näher an der Marke. Zweitens: Jedes veröffentlichte Ergebnis wird von einem Menschen geprüft – auf Inhalt, Marke, Barrierefreiheit und Rechte. Drittens: Es wird festgehalten, welche Werkzeuge im Unternehmen freigegeben sind und welche Daten dort eingegeben werden dürfen, wie es der Kurs EU AI Act im Detail beschreibt. Und viertens: Die gewonnene Zeit wird bewusst in das investiert, was KI nicht kann – echte Fotos, echte Kundenstimmen, durchdachte Strategien.

Für Gestalter und Agenturen verschiebt sich dadurch die Rolle. Weniger Zeit fließt in handwerkliche Routine, mehr in Konzept, Auswahl und Qualitätssicherung. Für Auftraggeber bedeutet das: Die Fähigkeit, Entwürfe fundiert zu beurteilen, gute Briefings zu schreiben und hilfreiches Feedback zu geben, wird wichtiger, nicht unwichtiger. Genau diese Fähigkeiten hat dieser Kurs vermittelt. Wer sie beherrscht, kann KI-Werkzeuge nutzen, ohne sich von ihnen leiten zu lassen, und bekommt in kürzerer Zeit bessere Ergebnisse.

Ein Blick nach vorn: Die Werkzeuge entwickeln sich rasant, und viele Aufgaben, die heute noch Handarbeit sind, werden in den nächsten Jahren weitgehend automatisiert. Die Grundlagen aus diesem Kurs – Wahrnehmung, Hierarchie, Typografie, Farbe, Layout und Marke – verändern sich dagegen kaum. Sie beschreiben, wie Menschen sehen und verstehen, und bleiben der Maßstab, an dem sich auch KI-generierte Gestaltung messen lassen muss. Mit dem folgenden Abschlusstest können Sie prüfen, wie sicher Sie diese Grundlagen beherrschen.

6. Ein Beispiel aus dem Alltag

Wie ein sinnvoller Einsatz aussehen kann, zeigt ein typischer Ablauf bei einer neuen Landingpage. Zu Beginn lässt der Marketingverantwortliche sich von einem Sprachmodell die häufigsten Fragen der Zielgruppe zusammenstellen und prüft sie mit dem Vertrieb. Daraus entstehen zwanzig Überschriftenvarianten, von denen drei in die engere Wahl kommen. Ein Bildgenerator liefert einige Stimmungsbilder als Grundlage für das Gespräch mit dem Fotografen, der dann echte Aufnahmen im Betrieb macht. Ein KI-Werkzeug baut aus der Skizze einen ersten Prototyp, den die Agentur mit den Komponenten des Designsystems sauber umsetzt. Vor der Veröffentlichung prüft ein Mensch alle Texte, Bilder und Alternativtexte.

Das Ergebnis ist schneller fertig als früher, wirkt aber trotzdem eigenständig, weil die entscheidenden Elemente – echte Fotos, geprüfte Aussagen, Markengestaltung – von Menschen stammen. KI hat die Arbeit beschleunigt, nicht ersetzt. Genau diese Arbeitsteilung ist der Kern eines verantwortungsvollen Einsatzes: Die Maschine liefert Menge und Tempo, der Mensch liefert Urteil, Verantwortung und das, was ein Unternehmen unverwechselbar macht.

Wichtig ist zudem, die eingesetzten Werkzeuge regelmäßig zu überprüfen. Viele KI-Funktionen kommen per Update in bestehende Programme, ohne dass jemand eine bewusste Entscheidung getroffen hat. Eine kurze Übersicht, welche Funktionen genutzt werden und welche Daten dabei das Unternehmen verlassen, gehört deshalb zu jeder ernsthaften Designarbeit – ebenso wie die Frage, ob die Nutzungsbedingungen eine kommerzielle Verwendung der Ergebnisse erlauben.

Wer unsicher ist, beginnt am besten klein: mit einem freigegebenen Werkzeug, einer klar umrissenen Aufgabe wie der Ideenfindung für Überschriften und einer festen Regel, dass nichts ungeprüft veröffentlicht wird. Aus diesen Erfahrungen entsteht nach und nach ein sicherer Umgang, der zur eigenen Arbeitsweise passt. Tauschen Sie die Erfahrungen im Team aus: Welche Aufgaben gelingen gut, wo liefert die KI regelmäßig Unbrauchbares? Aus diesen Beobachtungen entstehen mit der Zeit klare, praxistaugliche Regeln für alle Beteiligten im Team.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 50 Transparenzpflichten.
  2. [2]Urheberrechtsgesetz (UrhG), § 2 Abs. 2 persönliche geistige Schöpfung.
  3. [3]Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), §§ 5, 5a Irreführung.
  4. [4]Adobe (2024): Content Credentials and the Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA).

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

In welchen Phasen hilft KI im Designprozess am meisten?