- Halluzinationen definieren und ihre technischen Ursachen erklären
- weitere systematische Grenzen von Sprachmodellen kennen
- Gegenmaßnahmen auf mehreren Ebenen zuordnen
- die Zuverlässigkeit einer KI-Anwendung realistisch einschätzen
Sprachmodelle sind leistungsfähig – und machen dennoch Fehler, die für Menschen ungewohnt sind: Sie erfinden Quellen, verrechnen sich bei einfachen Aufgaben oder widersprechen sich. Wer die Ursachen kennt, kann diese Grenzen gezielt abfangen.
1. Was eine Halluzination ist

2. Die technischen Ursachen
| Ursache | Erklärung |
|---|---|
| Trainingsziel | Das Modell wird darauf trainiert, wahrscheinliche Fortsetzungen zu erzeugen – nicht darauf, Wahrheit zu prüfen. |
| Kein Faktenspeicher | Wissen liegt verteilt in Milliarden Parametern vor, nicht als nachschlagbare Einträge. |
| Lücken und Wissensstand | Zu seltenen oder neuen Themen fehlen Trainingsdaten – das Modell füllt die Lücke mit Plausiblem. |
| Druck zur Antwort | Modelle sind darauf trainiert, hilfreich zu antworten, und geben Unsicherheit oft nicht von sich aus zu. |
| Fehlerfortpflanzung | Ein früh erzeugter Fehler wird Teil des Kontexts und in den folgenden Tokens weitergeführt. |
3. Weitere systematische Grenzen
- Rechnen und Zählen: Durch die Verarbeitung in Tokens fallen exakte Rechen- und Zählaufgaben schwer – Werkzeuge wie ein Taschenrechner lösen das zuverlässig.
- Kontextfenster: Sehr lange Dokumente werden nur teilweise oder ungleichmäßig berücksichtigt.
- Nicht deterministisch: Dieselbe Frage kann unterschiedliche Antworten erzeugen.
- Korrelation statt Kausalität: Modelle geben statistische Zusammenhänge wieder, ohne Ursache und Wirkung sicher zu unterscheiden.
- Manipulierbarkeit: Versteckte Anweisungen in Texten – sogenannte Prompt Injection – können das Verhalten verändern.
4. Gegenmaßnahmen auf mehreren Ebenen
Keine einzelne Maßnahme beseitigt Halluzinationen vollständig. Zuverlässige Anwendungen kombinieren deshalb mehrere Schutzschichten:

Wie man diese Schichten in eigenen Anwendungen umsetzt – mit Tests, Evals und klaren Leitplanken –, lernen Sie im Modul Harness Engineering des Kurses Full Stack mit KI. Einen praxisnahen Einstieg gibt auch der Beitrag Vibe Coding.
Übung
- Ein Chatbot soll Kunden die aktuellen Lieferzeiten nennen. Welche Schutzschicht verhindert am wirksamsten erfundene Angaben?
- Warum ist eine selbstbewusst formulierte falsche Antwort problematischer als eine unsichere?
Lösungshinweise
- Kontext bzw. Werkzeuge: Die Lieferzeiten sollten aus einer Datenbank oder einem angebundenen System kommen, statt vom Modell „erinnert“ zu werden.
- Weil Menschen sie seltener hinterfragen – der Fehler wird übernommen, statt geprüft.
- [1]Ji, Z. et al. (2023): Survey of Hallucination in Natural Language Generation. ACM Computing Surveys, 55(12).
- [2]Lewis, P. et al. (2020): Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks. NeurIPS.
- [3]Greshake, K. et al. (2023): Not What You’ve Signed Up For – Compromising Real-World LLM-Integrated Applications with Indirect Prompt Injection. ACM AISec Workshop.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – Abbildungen sind vereinfachte, schematische Darstellungen.