KI-Entwicklung · Modul 1: KI-Grundlagen

Lektion 4 von 6Text 14 Min.

Sprachmodelle: vom Wort zur Antwort

Lernziele
  • erklären, wie ein Sprachmodell Text in Tokens und Vektoren übersetzt
  • das Prinzip der Aufmerksamkeit (Attention) im Transformer verstehen
  • die Trainingsphasen Vortraining und Feinabstimmung unterscheiden
  • Kontextfenster und Temperatur einordnen

Große Sprachmodelle – englisch Large Language Models, kurz LLMs – haben KI in den Alltag gebracht. Ihre Funktionsweise lässt sich auf wenige Grundideen zurückführen. Diese Lektion geht einen Schritt tiefer als ein Überblick und zeigt die technischen Stationen vom Wort bis zur Antwort.

1. Das Grundprinzip: das nächste Token

Definition 4.1
Sprachmodell
Ein Modell, das für eine Textfolge berechnet, wie wahrscheinlich jedes mögliche nächste Textstück ist. Längere Antworten entstehen, indem es dieses Stück für Stück wiederholt.
Abb. 4.1Vom Text zur Vorhersage
Abb. 4.1: Vom Text zur Vorhersage. Verarbeitung in einem Sprachmodell: Text wird in Tokens zerlegt, Tokens werden in Vektoren umgewandelt, Transformer-Schichten verarbeiten sie, am Ende steht eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für das nächste Token.
Abb. 4.1Text wird in Tokens zerlegt und in Zahlenvektoren übersetzt. Transformer-Schichten verrechnen den Kontext, am Ende steht eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über mögliche nächste Tokens. Werte schematisch.

Wie die Temperatur diese Auswahl beeinflusst, können Sie im Nächstes-Wort-Labor ausprobieren.

2. Tokens und Embeddings

Tokens sind die Einheiten, mit denen ein Modell rechnet – oft ganze Wörter, bei seltenen Wörtern auch Wortteile. Ein Wort wie „Rechnungsstellung“ kann in mehrere Tokens zerfallen. Das erklärt auch, warum Modelle beim Zählen von Buchstaben oft danebenliegen: Sie sehen keine einzelnen Buchstaben.

Jedes Token wird in ein Embedding übersetzt – einen Vektor aus Hunderten oder Tausenden Zahlen. Ähnliche Bedeutungen liegen in diesem Raum nah beieinander, und Beziehungen werden zu Richtungen.

Abb. 4.2Bedeutung als Geometrie
Abb. 4.2: Bedeutung als Geometrie. Schematischer Bedeutungsraum: Die Abstände zwischen Mann und Frau sowie König und Königin sind gleich gerichtet. Begriffe aus der Buchhaltung wie Rechnung, Mahnung und Angebot liegen nah beieinander.
Abb. 4.2Schematische zweidimensionale Projektion. Die Richtung von „Mann“ zu „Frau“ ähnelt der von „König“ zu „Königin“ – ein bekanntes Ergebnis aus der Forschung zu Wortvektoren.Quelle: nach Mikolov et al. (2013)

3. Aufmerksamkeit: der Kern des Transformers

Die Architektur heutiger Sprachmodelle heißt Transformer. Ihr zentraler Mechanismus ist die Aufmerksamkeit: Bei der Verarbeitung eines Wortes gewichtet das Modell, welche anderen Wörter im Text dafür relevant sind. So erkennt es etwa, worauf sich ein Pronomen bezieht.

Labor 4.1Worauf achtet das Modell?

Wählen Sie ein hervorgehobenes Wort. Die Einfärbung zeigt, wie stark es bei seiner Verarbeitung die anderen Wörter „beachtet“.

Anlage58%
Techniker12%
sie10%
prüfte5%
Schematische Werte zur Veranschaulichung – echte Modelle verwenden viele Aufmerksamkeitsköpfe parallel, deren Muster sich unterscheiden.

4. Wie Sprachmodelle trainiert werden

Tab. 4.1 Trainingsphasen großer Sprachmodelle
PhaseDatenZielErgebnis
Vortrainingsehr große Textmengennächstes Token vorhersagenbreites Sprach- und Weltwissen, aber kein Assistentenverhalten
Instruktions-FeinabstimmungBeispiele aus Anweisung und guter AntwortAufgaben befolgenModell reagiert auf Anweisungen
Feedback-Training (z. B. RLHF)menschliche Bewertungen von Antwortenhilfreich, ehrlich, harmlos antwortenAssistent mit gewünschtem Verhalten

RLHF = Reinforcement Learning from Human Feedback. Anbieter kombinieren und variieren diese Verfahren.

5. Kontextfenster und Einstellungen

  • Kontextfenster: die maximale Menge an Tokens, die ein Modell gleichzeitig berücksichtigt – Eingabe und Antwort zusammen. Was außerhalb liegt, „sieht“ das Modell nicht.
  • Temperatur: steuert, wie stark bei der Auswahl des nächsten Tokens gestreut wird. Niedrig: vorhersehbar. Hoch: vielfältiger, aber fehleranfälliger.
  • Wissensstand: Ein Modell kennt nur Informationen bis zum Ende seiner Trainingsdaten, sofern es nicht über Werkzeuge wie eine Suche aktuelle Quellen erhält.
Ein Sprachmodell beantwortet nicht die Frage „Was ist wahr?“, sondern „Welche Fortsetzung ist wahrscheinlich?“. Beides fällt oft zusammen – aber nicht immer.

Übung

  1. Warum kann ein Sprachmodell Schwierigkeiten haben, die Buchstaben in einem Wort zu zählen?
  2. Welche Trainingsphase macht aus einem reinen Textvervollständiger einen Assistenten?
Lösungshinweise
  1. Weil es nicht mit einzelnen Buchstaben arbeitet, sondern mit Tokens, die mehrere Buchstaben oder ganze Wörter umfassen.
  2. Die Feinabstimmung mit Anweisungen und menschlichem Feedback.
Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Mikolov, T. et al. (2013): Efficient Estimation of Word Representations in Vector Space. arXiv:1301.3781.
  2. [2]Vaswani, A. et al. (2017): Attention Is All You Need. NeurIPS.
  3. [3]Brown, T. et al. (2020): Language Models are Few-Shot Learners. NeurIPS.
  4. [4]Ouyang, L. et al. (2022): Training Language Models to Follow Instructions with Human Feedback. NeurIPS.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – Abbildungen sind vereinfachte, schematische Darstellungen.

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