KI-Entwicklung · Modul 1: KI-Grundlagen

Lektion 2 von 6Übung 14 Min.

Wie Maschinen aus Daten lernen

Lernziele
  • die drei Lernparadigmen des Machine Learning unterscheiden
  • den Ablauf eines Trainings von den Daten bis zur Bewertung beschreiben
  • erklären, warum Daten in Trainings-, Validierungs- und Testdaten aufgeteilt werden
  • Unter- und Überanpassung erkennen

Klassische Software folgt Anweisungen, die ein Mensch Schritt für Schritt aufgeschrieben hat. Machine Learning kehrt dieses Prinzip um: Man gibt Beispiele vor, und das System leitet die Regeln selbst ab. Diese Lektion zeigt, wie das technisch funktioniert.

1. Lernen als Optimierung

Definition 2.1
Machine Learning
Ein Verfahren, bei dem ein Modell seine Parameter anhand von Daten so anpasst, dass ein festgelegtes Fehlermaß – die Verlustfunktion – möglichst klein wird.

Das klingt abstrakt, lässt sich aber an einem Alltagsbeispiel greifen: Ein Modell soll den Preis einer Wohnung schätzen. Anfangs rät es. Jede falsche Schätzung erzeugt einen Fehler. Ein Optimierungsverfahren verändert die Parameter des Modells ein kleines Stück in die Richtung, in der der Fehler sinkt – und wiederholt das tausendfach.

Abb. 2.1Der Trainingsablauf
Abb. 2.1: Der Trainingsablauf. Lernschleife: Daten, Merkmale, Modell, Verlustfunktion, Optimierung – die Optimierung passt die Modellparameter an und wiederholt den Vorgang, danach folgt die Bewertung mit Testdaten.
Abb. 2.1Die Optimierung – meist ein Gradientenverfahren – passt die Parameter des Modells schrittweise an. Erst nach dem Training wird das Modell mit Daten bewertet, die es noch nie gesehen hat.

Wie das Anpassen mathematisch funktioniert, erleben Sie interaktiv in den Lektionen Lineare Regression und Ableitung als Steigung des Moduls Mathe für KI.

2. Drei Arten zu lernen

Tab. 2.1 Lernparadigmen im Überblick
ParadigmaWas das Modell bekommtTypische AufgabeBeispiel aus der Praxis
Überwachtes LernenBeispiele mit richtiger Antwort (Label)Klassifikation, VorhersageE-Mail ist Spam oder kein Spam
Unüberwachtes LernenDaten ohne LabelGruppen und Strukturen findenKundensegmente im Shop entdecken
Bestärkendes LernenBelohnung oder Strafe für AktionenStrategien in UmgebungenSpiele, Robotik, Feinabstimmung von Sprachmodellen

Große Sprachmodelle kombinieren mehrere Paradigmen – dazu mehr in Lektion 4.

3. Trainieren, prüfen, testen

Ein Modell, das seine Trainingsbeispiele perfekt beherrscht, ist nicht automatisch gut. Entscheidend ist, wie es mit neuen Daten umgeht – die sogenannte Generalisierung. Deshalb werden Daten vorab aufgeteilt:

Tab. 2.2 Aufteilung der Daten
TeilÜbliche GrößeZweck
Trainingsdatenca. 70–80 %Das Modell lernt daraus seine Parameter.
Validierungsdatenca. 10–15 %Einstellungen vergleichen und Training rechtzeitig stoppen.
Testdatenca. 10–15 %Einmalige, ehrliche Schlussbewertung mit unbekannten Daten.

Die Anteile sind Richtwerte; bei sehr großen Datenmengen genügen oft kleinere Validierungs- und Testanteile.

4. Unter- und Überanpassung

Ist ein Modell zu einfach, erfasst es die Muster nicht – es ist unterangepasst. Ist es zu komplex, lernt es die Trainingsdaten samt Zufallsrauschen auswendig – es ist überangepasst und versagt bei neuen Daten.

Abb. 2.2Unter- und Überanpassung
Abb. 2.2: Unter- und Überanpassung. Fehler in Abhängigkeit der Modellkomplexität: Der Trainingsfehler sinkt stetig, der Validierungsfehler sinkt zunächst und steigt dann wieder – dort beginnt die Überanpassung.
Abb. 2.2Solange beide Fehler sinken, lernt das Modell echte Muster. Steigt der Validierungsfehler wieder, während der Trainingsfehler weiter fällt, lernt es Zufälle auswendig.Quelle: nach Goodfellow, Bengio, Courville (2016), Kap. 5
Ein Modell, das im Training glänzt und im Einsatz schwächelt, ist das häufigste Muster gescheiterter KI-Projekte. Fragen Sie deshalb immer: Wurde mit Daten getestet, die das Modell nie gesehen hat?

Übung

  1. Ein Modell erreicht 99 % Genauigkeit auf den Trainingsdaten, aber nur 61 % auf den Testdaten. Was ist passiert?
  2. Welches Paradigma passt: Ein System soll ohne Vorgaben Gruppen ähnlicher Supportanfragen finden?
Lösungshinweise
  1. Überanpassung: Das Modell hat die Trainingsdaten auswendig gelernt und generalisiert schlecht.
  2. Unüberwachtes Lernen, genauer: Clustering.
Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Goodfellow, I., Bengio, Y., Courville, A. (2016): Deep Learning. MIT Press, Kapitel 5.
  2. [2]Sutton, R. S., Barto, A. G. (2018): Reinforcement Learning – An Introduction. 2. Auflage, MIT Press.
  3. [3]Hastie, T., Tibshirani, R., Friedman, J. (2009): The Elements of Statistical Learning. 2. Auflage, Springer.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – Abbildungen sind vereinfachte, schematische Darstellungen.

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