- Felder auf das Nötige begrenzen
- Formulare verständlich beschriften
- Fehler hilfreich statt anklagend melden
- die rechtlichen Pflichten beim Formular kennen
Das Formular ist bei den meisten Websites die Stelle, an der sich entscheidet, ob aus Interesse eine Anfrage wird. Es ist zugleich die Stelle, an der am häufigsten gegen das Interesse des Besuchers entschieden wird – meist mit guten Absichten, weil jede Abteilung noch ein Feld braucht.
1. Jedes Feld kostet
Geschätzte Abschlussquote
70 %
3 Felder
Anliegen (Freitext): Das wertvollste Feld überhaupt – hier steht, was der Mensch wirklich will. Kostet Zeit und ist jede Sekunde wert.
Der Zusammenhang ist gut belegt: Mit jedem zusätzlichen Pflichtfeld sinkt die Zahl der Abschlüsse, und zwar überproportional. Entscheidend ist dabei nicht die reine Zahl, sondern der empfundene Aufwand – ein Freitextfeld mit einer Frage, die den Menschen interessiert, wird ausgefüllt, während eine vollständige Anschrift bei einer unverbindlichen Erstanfrage abschreckt.
2. Beschriftung und Aufbau
| Regel | Warum | Häufiger Verstoß |
|---|---|---|
| Beschriftung über dem Feld | Bleibt beim Tippen sichtbar, funktioniert auf schmalen Bildschirmen | Beschriftung nur im Feld, die beim Tippen verschwindet |
| Eine Spalte | Das Auge folgt einer Linie nach unten, Felder werden nicht übersehen | Zwei Spalten nebeneinander, weil es kompakter aussieht |
| Pflichtfelder kennzeichnen, nicht die freiwilligen | Wenn fast alles Pflicht ist, stimmt etwas mit dem Formular nicht | Alle Felder mit Sternchen |
| Erklären, wozu | Ein Satz neben heiklen Feldern senkt die Hemmschwelle spürbar | Telefonnummer ohne Angabe, wofür sie gebraucht wird |
| Knopf beschriftet die Handlung | „Anfrage senden“ statt „Absenden“ oder „Weiter“ | Ein Knopf, dessen Beschriftung nichts über die Folge sagt |
Die vierte Regel wirkt am stärksten und kostet am wenigsten. „Damit wir Ihnen Rückfragen schnell beantworten können – wir rufen nur an, wenn Sie das möchten“ neben dem Telefonfeld verändert die Ausfüllquote spürbar, weil es die Sorge dahinter ausräumt.
3. Fehler richtig melden
Drei Dinge entscheiden darüber, ob jemand nach einem Fehler weitermacht. Die Meldung muss beim betroffenen Feld stehen, nicht gesammelt oben. Sie muss sagen, was zu tun ist, nicht was falsch war – „Bitte geben Sie eine E-Mail-Adresse mit @ an“ statt „Ungültige Eingabe“. Und sie darf niemals bereits Eingegebenes löschen; das ist der sicherste Weg, eine Anfrage endgültig zu verlieren.
Prüfen Sie außerdem erst, wenn ein Feld verlassen wird, nicht bei jedem Tastendruck. Wer beim dritten Buchstaben seiner E-Mail-Adresse rot angestrichen wird, fühlt sich gemaßregelt.
4. Nach dem Absenden
Der Moment nach dem Klick wird regelmäßig vernachlässigt. Drei Dinge gehören dorthin: eine sichtbare Bestätigung auf der Seite, eine Angabe, wann eine Antwort kommt, und eine automatische E-Mail an den Absender. Die mittlere ist die wichtigste – „Wir melden uns innerhalb eines Werktags“ verhindert die Unsicherheit, die sonst zu einem zusätzlichen Anruf oder zu einer zweiten Anfrage beim Wettbewerb führt.
Denken Sie den Weg auch intern zu Ende: Wer liest das Postfach, was passiert am Wochenende, und wird der Eingang irgendwo festgehalten? Ein Formular, das technisch funktioniert und in einem ungelesenen Postfach endet, ist schlimmer als keines.
5. Rechtliches
Vier Punkte sind Pflicht und schnell erledigt. Zum Formular gehört ein Hinweis auf die Datenschutzerklärung mit Verlinkung. Es dürfen nur Daten erhoben werden, die für den Zweck nötig sind – die Datensparsamkeit ist hier nicht nur guter Stil, sondern Vorgabe. Eine Einwilligung in Werbung muss getrennt und freiwillig sein; sie darf nicht Bedingung für das Absenden der Anfrage sein. Und das Formular muss ohne Maus bedienbar und mit einem Screenreader verständlich sein, was in der Praxis vor allem heißt: verknüpfte Beschriftungen und sichtbare Fokusmarkierung.
Der letzte Punkt ist ab 2025 für viele Anbieter verpflichtend und wird trotzdem oft übersehen. Er ist zugleich der einfachste, weil ein sauber gebautes Formular ihn fast automatisch erfüllt.
6. Häufige Fragen
Wie viele Felder sind zu viele? Für eine Erstanfrage sind drei bis fünf die Regel. Alles darüber braucht eine Begründung, die dem Besucher nützt – etwa bei einer Bewerbung oder einer Terminbuchung, wo mehr Angaben den Vorgang für beide Seiten abkürzen.
Was ist mit Spam? Ein verstecktes Feld, das Menschen nicht sehen und Maschinen ausfüllen, hält den größten Teil ab. Sichtbare Rätsel sind ein Hindernis für Menschen mit Behinderung und sollten die letzte Wahl sein.
Formular über mehrere Schritte? Ab etwa sieben Feldern sinnvoll, mit sichtbarem Fortschritt. Wichtig ist, dass der erste Schritt der leichteste ist – wer einmal begonnen hat, bringt es deutlich häufiger zu Ende.
7. Übung zum Selbermachen
Nehmen Sie das Anfrageformular einer Website, die Sie betreuen, und schreiben Sie zu jedem Feld einen Satz: Wofür brauchen wir diese Angabe beim allerersten Kontakt? Streichen Sie jedes Feld, bei dem der Satz „für später“ enthält. Füllen Sie das Formular danach selbst auf dem Handy aus, ohne Hilfsmittel, und stoppen Sie die Zeit. Alles über neunzig Sekunden ist ein Grund, weiter zu kürzen.
- [1]Jarrett, C. / Gaffney, G. (2008): Forms that Work. Morgan Kaufmann.
- [2]Nielsen Norman Group (2025): Web Form Design Guidelines.
- [3]BITV 2.0 / EN 301 549 – Anforderungen an barrierefreie Formulare.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.