- Substantivierungen auflösen
- Weichmacher erkennen und streichen
- konkret statt behauptend schreiben
- Texte im Feed lesbar gliedern
Am Bildschirm wird anders gelesen als auf Papier: überflogen, in Sprüngen, meist nebenbei. Texte, die im Geschäftsbrief funktionieren, scheitern hier zuverlässig. Diese Lektion behandelt fünf Regeln, die in der Praxis den größten Unterschied machen.
1. Fünf Sätze umschreiben
So steht es da · 17 Wörter
Im Rahmen der Durchführung der Sanierungsmaßnahme erfolgt eine Erneuerung der Dacheindeckung unter Berücksichtigung der aktuellen energetischen Anforderungen.
Besser
2. Warum Verben so viel ausmachen
Die deutsche Amtssprache verwandelt Tätigkeiten in Hauptwörter: „durchführen“ wird zur „Durchführung“, „prüfen“ zur „Überprüfung“. Jede dieser Verwandlungen macht den Satz länger, blasser und schwerer.
Die Gegenprobe ist einfach: Suchen Sie in Ihrem Text nach Wörtern auf -ung. Bei jedem prüfen Sie, ob das zugehörige Verb passt. Meist ja – und der Satz wird um ein Drittel kürzer.
3. Konkret schlägt groß
„Höchste Qualität“, „langjährige Erfahrung“, „individuelle Lösungen“ – diese Wendungen stehen auf nahezu jeder Unternehmenswebsite. Genau deshalb sagen sie nichts: Wenn alle dasselbe behaupten, unterscheidet es niemanden.
Konkretes kann nicht jeder behaupten. „Seit 1974“, „die älteste Halle steht noch“, „in 8 von 10 Fällen ohne Stillstand“ – solche Angaben sind überprüfbar und deshalb glaubwürdig. Sie haben zudem einen Nebeneffekt: Wer konkret wird, merkt beim Schreiben, ob die Behauptung überhaupt stimmt.
4. Gliederung im Feed
Vier praktische Regeln. Absätze nach ein bis zwei Sätzen, nicht nach fünf. Höchstens ein Gedanke je Absatz. Kein Fettdruck mitten im Satz – auf den meisten Plattformen ist er ohnehin nicht möglich und wirkt mit Unicode-Tricks unsauber. Und: Aufzählungen mit klaren Zeichen, nicht mit wechselnden Emojis.
Der wichtigste Punkt ist der erste. Ein Absatz aus sechs Zeilen sieht im Feed aus wie eine Wand und wird übersprungen – derselbe Text in drei Absätzen wird gelesen.
5. Der Vorlesetest
Lesen Sie den fertigen Text laut. Überall, wo Sie stocken, stolpert auch der Leser. Wo Ihnen die Luft ausgeht, ist der Satz zu lang. Und wo Sie sich fremd anhören, steht ein Wort, das nicht Ihres ist.
Dieser Test dauert zwei Minuten und findet mehr als jede Prüfung am Bildschirm. Er ist besonders wirksam bei Texten, die mit KI entstanden sind – dort klingt es oft glatt und trotzdem nicht nach Ihnen.
6. Häufige Fragen
Duzen oder siezen? Entscheiden Sie einmal und bleiben Sie dabei. Im B2B-Mittelstand ist Siezen weiterhin üblich; entscheidend ist die Einheitlichkeit über alle Kanäle.
Fachbegriffe verwenden? Wenn Fachleute mitlesen: ja, sie zeigen Kompetenz. Bei gemischtem Publikum den Begriff mit drei Wörtern erklären – das stört Fachleute nicht und rettet alle anderen.
Wie lang ist zu lang? Nicht die Gesamtlänge entscheidet, sondern ob jeder Absatz etwas Eigenes sagt. Ein Beitrag mit 2.000 Zeichen ohne Füllsätze liest sich schneller als einer mit 800 voller Floskeln.
7. Übung zum Selbermachen
Nehmen Sie einen bestehenden Text von Ihrer Website – am besten einen Absatz „Über uns“. Streichen Sie jedes Wort auf -ung, jeden Weichmacher und jedes Adjektiv ohne Beleg. Zählen Sie die Wörter vorher und nachher. Bei den meisten Texten bleibt weniger als die Hälfte übrig, und der Inhalt ist vollständig erhalten.
- [1]Schneider, W. (2019): Deutsch für Kenner. Piper.
- [2]Nielsen Norman Group (2025): Writing for the Web – Scannability.
- [3]Redish, J. (2012): Letting Go of the Words. Morgan Kaufmann.
Stand: September 2026. Plattformregeln und Reichweitenmechanik ändern sich laufend – prüfen Sie Zahlenangaben an Ihren eigenen Werten.