Worum es geht: Die häufigste Enttäuschung im Umgang mit Sprachmodellen lautet: „Das Ergebnis ist zu allgemein.“ Fast immer liegt das an der Anweisung, nicht am Modell. Diese Lektion zeigt, aus welchen vier Teilen eine brauchbare Anweisung besteht.
1. Der Unterschied in einem Beispiel
So nicht: „Schreib mir einen Text über unsere Hallen.“ Was zurückkommt, ist Werbeprosa, die auf jede Firma passt – und damit auf keine.
Besser: „Schreibe einen Absatz für die Leistungsseite Sanierung. Zielgruppe: Betriebe, die im laufenden Betrieb sanieren wollen und Angst vor Produktionsausfall haben. Sprich diese Sorge direkt an. Vier bis fünf Sätze, sachlich, keine Superlative. Hier unsere bisherigen Projekte: [Liste].“
Derselbe Aufwand: zwanzig Sekunden Tippen. Der Unterschied im Ergebnis ist erheblich.
2. Die Bausteine zum Ausprobieren
Fasse diese Kundenanfrage in drei Sätzen zusammen.
Es fehlen noch: Kontext, Material, Form
Aufgabe: Was genau soll getan werden – als Verb, nicht als Thema. „Zusammenfassen“ ist eine Aufgabe, „Kundenanfrage“ ist keine.
3. Was mehr bringt als jede Formulierungskunst 🎯
Der wirksamste Hebel ist nicht, wie Sie fragen, sondern was Sie mitgeben. Ein Absatz echtes Material – zwei Kundenanfragen im Wortlaut, Ihre tatsächlichen Leistungsbeschreibungen, ein gelungener Text von früher – verändert die Antwort stärker als jede Rollenzuweisung.
Zur Rollenzuweisung
4. Fünf Fehler, die immer wieder vorkommen
| Fehler | Was passiert | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kein Empfänger genannt | Text für niemanden | „Das liest ein Meister ohne Bürotätigkeit.“ |
| Keine Formvorgabe | Antworten unterschiedlicher Länge, schlecht vergleichbar | „Drei Stichpunkte, höchstens 40 Wörter.“ |
| Material und Anweisung vermischt | Teile des Materials werden als Anweisung gelesen | Material klar abgrenzen, etwa mit einer Überschrift |
| Alles auf einmal verlangt | Jeder Teil wird mittelmäßig | In Schritte zerlegen, nacheinander |
| Nur negative Vorgaben | Modelle arbeiten damit schlechter | Sagen, was sein soll – nicht nur, was nicht |
5. In Schritten statt auf einmal 🪜
Bei umfangreicheren Aufgaben führt ein Durchgang selten zum Ziel. Bewährt hat sich, die Aufgabe zu zerlegen und nach jedem Schritt zu prüfen.
Für einen Blogbeitrag etwa: erst die Gliederung besprechen, dann Abschnitt für Abschnitt schreiben lassen, zum Schluss auf Widersprüche prüfen. Jeder Schritt ist überschaubar, und Sie merken sofort, wenn die Richtung nicht stimmt – statt nach zwei Seiten festzustellen, dass die Grundannahme falsch war.
6. Eine Vorlage zum Übernehmen
AUFGABE
Fasse die folgende Kundenanfrage zusammen.
KONTEXT
Wir bauen Gewerbehallen. Die Zusammenfassung liest der Vertrieb
direkt vor dem Rückruf – sie soll ihn in 20 Sekunden vorbereiten.
FORM
Drei Stichpunkte: Anliegen, Größenordnung, nächster Schritt.
Höchstens 40 Wörter. Keine Anrede, keine Floskeln.
GRENZEN
Nenne keine Preise. Fehlt eine Angabe, schreibe "unklar" –
schätze nicht.
ANFRAGE
---
[hier den Wortlaut einsetzen]
---7. Was Sie mitnehmen sollten
- Vier Teile: Aufgabe, Kontext, Material, Form.
- Eigenes Material wirkt stärker als jede Formulierungskunst.
- Unsicherheit ausdrücklich verlangen statt Erfindungen zu riskieren.
- Große Aufgaben in Schritte zerlegen und dazwischen prüfen.