Worum es geht: Die letzte Lektion dieses Kurses beantwortet die Frage, mit der alles beginnt: Wo fängt man an? Die Antwort ist selten der Fall, den man zuerst nennt – und fast immer einer, den heute jemand von Hand erledigt.
1. Sieben Fälle im Vergleich
Der häufigste erste Fall überhaupt: Betrag, Datum, Lieferant aus PDF oder Foto. Kommt täglich vor, wird heute von Hand gemacht, Ergebnis ist sofort prüfbar. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen – hier.
Häufigkeit 5/5 · Aufwand 2/5 · Wert 5/5 · Punktzahl 8
Auffällig ist der Chatbot: Er wird am häufigsten zuerst genannt und liegt unten rechts – hoher Aufwand, geringer Wert, direkte Außenwirkung. Währenddessen liegt das Auslesen von Belegen oben links und wird fast nie zuerst genannt, obwohl es täglich Zeit kostet.
2. Die vier Fragen 🔍
Für jeden Kandidaten vier Fragen, in dieser Reihenfolge:
- Wie oft kommt das vor? Täglich ist gut, monatlich selten lohnend. Der Nutzen skaliert mit der Häufigkeit.
- Macht es heute ein Mensch von Hand? Wenn ja, gibt es eine Vergleichsgröße – und jemanden, der beurteilen kann, ob das Ergebnis stimmt.
- Lässt sich das Ergebnis prüfen? Ein ausgelesener Rechnungsbetrag ist in Sekunden verifiziert. Eine Markteinschätzung nicht.
- Was kostet ein Fehler? Intern ärgerlich oder beim Kunden sichtbar? Fangen Sie intern an.
3. Wie man vorgeht 🪜
Woche 1: Sammeln. Fragen Sie im Team: Welche Tätigkeit ist wiederkehrend und lästig? Zehn Nennungen genügen. Wichtig ist, dass die Menschen gefragt werden, die es tun – nicht nur die Leitung.
Woche 2: Einordnen. Die zehn Kandidaten nach den vier Fragen bewerten und in die Matrix eintragen. Meist bleiben zwei bis drei oben links übrig.
Woche 3: Versuch. Den besten Fall mit dreißig echten Beispielen ausprobieren – von Hand im Chatfenster, ohne etwas zu bauen. Das kostet einen Vormittag und beantwortet die Machbarkeitsfrage vollständig.
Woche 4: Entscheiden. Hat der Versuch getragen, wird gebaut. Hat er nicht getragen, ist das ein gutes Ergebnis – Sie haben einen Vormittag investiert statt ein Projekt.
Der Vormittag, der alles entscheidet
4. Woran Projekte scheitern ⚠️
| Ursache | Woran man sie früh erkennt |
|---|---|
| Zu groß angefangen | Der erste Fall soll gleich drei Abteilungen betreffen |
| Niemand zuständig | Auf die Frage „wer betreut das?“ folgt Schweigen |
| Daten nicht vorhanden | Die Unterlagen liegen auf Papier oder in Köpfen |
| Ergebnis nicht prüfbar | Niemand kann sagen, ob die Antwort stimmt |
| Kein Vergleichswert | Es ist unklar, wie gut der heutige Zustand ist |
Die dritte Zeile ist die häufigste und die unangenehmste: Sehr viele KI-Vorhaben scheitern nicht an der KI, sondern daran, dass die Grundlage nicht digital vorliegt. Dann ist der erste Schritt nicht KI, sondern Digitalisierung.
5. Den Erfolg messbar machen 📏
Bevor Sie bauen, legen Sie fest, woran Sie den Erfolg erkennen – mit Ausgangswert. „Die Bearbeitung einer Anfrage dauert heute im Schnitt zwölf Minuten, Ziel sind fünf.“ Ohne den Ausgangswert lässt sich hinterher nichts belegen, und das Vorhaben endet in einer Diskussion über Gefühle.
Messen Sie dabei das, worum es geht: gesparte Zeit, weniger Rückfragen, schnellere Antworten an Kunden. Nicht: Zahl der Modellaufrufe.
6. Der Abschluss dieses Kurses 🎓
Sie haben jetzt die Grundlagen – wie Modelle arbeiten, welche Mathematik dahintersteckt, wie man Daten aufbereitet, ein Modell baut und bewertet, und wie man Sprachmodelle anbindet, mit eigenem Wissen versorgt und im Betrieb absichert.
Der nächste Schritt ist kein weiterer Kurs, sondern der Vormittag aus Abschnitt 3: dreißig echte Fälle, von Hand durchgespielt. Alles Weitere ergibt sich daraus.
7. Was Sie mitnehmen sollten
- Der beste erste Fall ist häufig, Handarbeit, prüfbar und intern.
- Der Chatbot ist fast nie der richtige Anfang.
- Ein Vormittag von Hand ersetzt jede Machbarkeitsstudie.
- Ausgangswert festhalten, bevor gebaut wird – sonst ist der Erfolg nicht belegbar.