- verstehen, was eine Abmahnung ist und wer abmahnen darf
- in den ersten Tagen nach einer Abmahnung richtig handeln
- die Schutzregeln des UWG gegen Abmahnmissbrauch kennen
- die modifizierte Unterlassungserklärung als Werkzeug einordnen
Eine Abmahnung im Briefkasten sorgt für Puls. Der Ton ist förmlich, die Forderungen sind klar formuliert, die Frist ist kurz, und am Ende steht eine Kostennote. Viele Unternehmer reagieren darauf mit einem von zwei Fehlern: Sie ignorieren das Schreiben in der Hoffnung, es erledige sich von selbst, oder sie unterschreiben alles schnell, um die Sache vom Tisch zu haben. Beides kann teuer werden.
Wer die Abläufe kennt, reagiert besonnen und fristgerecht und unterschreibt nichts, was er später bereut. Diese Lektion zeigt, wie.
1. Was eine Abmahnung ist
Eine Abmahnung ist kein Bußgeld und keine Behördenentscheidung. Sie kommt von Mitbewerbern, von Verbänden und Verbraucherzentralen oder von Rechteinhabern wie Fotografen und Bildagenturen. Rechtlich ist sie ein Angebot, den Streit ohne Gericht beizulegen. Wer die geforderte Unterlassungserklärung abgibt, verpflichtet sich, den Verstoß nicht zu wiederholen, und verspricht für jeden künftigen Verstoß eine Vertragsstrafe. Wer sie nicht abgibt, riskiert, dass der Abmahnende vor Gericht eine einstweilige Verfügung beantragt.
2. Die ersten Schritte
Nicht ignorieren. Fristen sind oft kurz, häufig ein bis zwei Wochen. Notieren Sie das Datum sofort. Echtheit prüfen. Es kursieren gefälschte Abmahnungen per E-Mail, teils mit Schadsoftware im Anhang. Absender, Kanzlei und Kontaktdaten sollten unabhängig geprüft werden, etwa über das Anwaltsverzeichnis der Rechtsanwaltskammer. Verstoß prüfen. Stimmt der Vorwurf überhaupt? Ist das Bild wirklich unlizenziert, fehlt die Angabe tatsächlich? Ein Screenshot der Website zum aktuellen Stand hilft später.
Nicht blind unterschreiben. Die beigefügte Unterlassungserklärung ist oft weiter formuliert als nötig und bindet in der Regel dauerhaft. Prüfen lassen. Ist der Abmahnende berechtigt? Sind die Kosten angemessen? Ist die Vertragsstrafe verhältnismäßig? Hier lohnt anwaltliche Unterstützung, die bei einfachen Fällen oft überschaubar kostet. Verstoß beheben. Unabhängig vom Ausgang: den Fehler sofort korrigieren – und zwar überall, auch auf Unterseiten, in Profilen, auf Verkaufsplattformen und im Archiv.
Abmahnung per E-Mail mit ZIP-Anhang von einer unbekannten Kanzlei
Mitbewerber mahnt fehlendes Impressum ab und verlangt Anwaltskosten
Fotograf verlangt Schadensersatz für ein ungenehmigt genutztes Bild
Die beigefügte Unterlassungserklärung wird unverändert unterschrieben
Abmahnung wird ignoriert, weil sie „bestimmt nicht ernst gemeint“ ist
3. Schutz vor Abmahnmissbrauch
Seit Dezember 2020 enthält das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb Regeln gegen missbräuchliche Abmahnungen. Mitbewerber dürfen nur abmahnen, wenn sie in nicht unerheblichem Maße ähnliche Waren oder Dienstleistungen vertreiben. Zwei Regeln sind für Websites besonders wichtig.
| Regel | Inhalt | Gilt für |
|---|---|---|
| Kein Kostenersatz bei Informationspflichten | Verstöße gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im Internet, etwa ein fehlerhaftes Impressum | Abmahnungen durch Mitbewerber (§ 13 Abs. 4 Nr. 1 UWG) |
| Kein Kostenersatz bei Datenschutz | Datenschutzverstöße von Unternehmen mit in der Regel weniger als 250 Beschäftigten | Abmahnungen durch Mitbewerber (§ 13 Abs. 4 Nr. 2 UWG) |
| Grenzen bei der Vertragsstrafe | Bei erstmaligen Abmahnungen zu solchen Verstößen darf von kleineren Unternehmen keine Vertragsstrafe verlangt werden; bei einfachen Fällen sind Vertragsstrafen gedeckelt | § 13a UWG |
Vereinfachte Darstellung. Die Einschränkungen betreffen Mitbewerber – nicht Verbände, Verbraucherzentralen oder Rechteinhaber.
Wichtig ist die Grenze dieser Regeln. Sie betreffen Mitbewerber. Verbände, Verbraucherzentralen und Rechteinhaber – etwa bei Bilderklau – sind davon nicht erfasst. Und den Unterlassungsanspruch selbst beseitigen sie ebenfalls nicht: Auch wenn keine Kosten erstattet werden müssen, muss der Verstoß abgestellt werden. Wer das ignoriert, riskiert eine gerichtliche Auseinandersetzung, bei der die Kosten dann wieder eine Rolle spielen.
4. Die beste Abmahnung ist die, die nicht kommt
Die meisten Abmahnungen betreffen dieselben wenigen Themen: fehlerhaftes Impressum, veraltete Datenschutzerklärung, Tracking ohne Einwilligung, unlizenzierte Bilder, fehlerhafte Preisangaben im Shop. Wer diese Punkte einmal sorgfältig prüft und bei jeder Änderung der Website im Blick behält, senkt das Risiko erheblich. Genau dafür ist die abschließende Lektion dieses Kurses gedacht: eine Checkliste, mit der Sie Ihre Website in einer Stunde durchgehen können.
Hilfreich ist zudem, alle Nachweise griffbereit zu haben: Bildlizenzen, Auftragsverarbeitungsverträge, Einwilligungen von Beschäftigten für Fotos. Im Ernstfall entscheidet oft nicht die Rechtslage, sondern die Frage, ob man sie belegen kann.
5. Was eine Abmahnung kostet – und was nicht
Die Kosten einer Abmahnung bestehen aus mehreren Teilen, die man auseinanderhalten sollte. Die Abmahnkosten sind die Anwaltsgebühren des Abmahnenden, berechnet nach einem Gegenstandswert. Bei berechtigten Abmahnungen, etwa durch Verbände oder Rechteinhaber, muss sie der Abgemahnte in der Regel erstatten. Der Schadensersatz kommt bei Urheberrechtsverletzungen hinzu, etwa die entgangene Lizenzgebühr für ein Foto. Die Vertragsstrafe fällt nur an, wenn nach Abgabe einer Unterlassungserklärung erneut gegen sie verstoßen wird – dann aber oft in erheblicher Höhe.
Gerade die Vertragsstrafe wird unterschätzt. Wer sich verpflichtet, ein bestimmtes Bild nie wieder zu verwenden, muss sicherstellen, dass es wirklich überall verschwunden ist: auf der Website, in der Mediathek, in alten Newslettern, auf Social-Media-Profilen und in Verkaufsportalen. Ein vergessenes Vorkommen kann eine Vertragsstrafe auslösen, die höher ist als die ursprüngliche Forderung.
Häufig lassen sich Forderungen verhandeln. Das gilt besonders bei Bildrechten, wo die geforderten Beträge oft auf der oberen Seite üblicher Lizenzsätze liegen. Eine sachliche Antwort, die den Verstoß einräumt, die Beseitigung belegt und einen angemessenen Betrag anbietet, führt nicht selten zu einer Einigung ohne Gericht.
Häufige Fragen aus der Praxis
Können wir uns gegen Abmahnungen versichern? Einige Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherungen decken Teile ab, oft aber nicht Urheberrechtsverletzungen oder Vertragsstrafen. Die Bedingungen genau prüfen.
Was, wenn dieselbe Abmahnung von mehreren Stellen kommt? Hat man gegenüber einem Abmahnenden bereits eine ausreichende Unterlassungserklärung abgegeben, entfällt meist die Wiederholungsgefahr auch gegenüber anderen. Das sollte ein Anwalt prüfen.
Hilft es, den Fehler vor der Antwort zu beheben? Ja, unbedingt – das verhindert weitere Verstöße. Die Wiederholungsgefahr beseitigt es rechtlich aber meist erst die Unterlassungserklärung.
Ein letzter Gedanke: Eine Abmahnung ist ärgerlich, aber selten existenzbedrohend. Wer ruhig bleibt, den Verstoß behebt, sich beraten lässt und nichts vorschnell unterschreibt, kommt in den allermeisten Fällen mit überschaubaren Kosten davon. Und oft ist die Abmahnung der Anlass, die Website einmal gründlich in Ordnung zu bringen – mit der Checkliste aus der nächsten Lektion. Wer danach eine jährliche Prüfung einplant, hat gute Chancen, dass es bei dieser einen Abmahnung bleibt.
Hilfreich ist zudem eine feste Ansprechperson im Unternehmen, an die solche Schreiben sofort weitergeleitet werden. So geht keine Frist verloren, und die Reaktion bleibt ruhig und überlegt statt hektisch.
Legen Sie außerdem alle Abmahnungen und Ihre Antworten geordnet ab – sie sind bei späteren Fragen wichtig.
- [1]Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), §§ 8, 8c, 13, 13a.
- [2]Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs vom 26.11.2020 (BGBl. I S. 2568).
- [3]Urheberrechtsgesetz (UrhG), §§ 97, 97a.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.