Website-Recht: Impressum, Cookies & Abmahnfallen

Lektion 1 von 8Übung 14 Min.

Impressum: wer, was und wo

Lernziele
  • erkennen, wer nach § 5 DDG ein Impressum braucht
  • die Pflichtangaben je nach Rechtsform zusammenstellen
  • wissen, wo und wie das Impressum stehen muss
  • veraltete Angaben wie den Link zur EU-Streitschlichtung entfernen

Das Impressum ist die unscheinbarste Seite jeder Website und zugleich eine der am häufigsten abgemahnten. Das liegt nicht daran, dass die Regeln kompliziert wären. Es liegt daran, dass das Impressum einmal angelegt und dann jahrelang nicht mehr angesehen wird – während sich Geschäftsführer, Adressen, Registernummern und Gesetze ändern. Ein Impressum aus dem Jahr 2019 nennt heute fast immer ein Gesetz, das es so nicht mehr gibt, und verlinkt auf eine Plattform, die abgeschaltet ist.

Diese Lektion geht das Impressum systematisch durch: wer es braucht, was hineingehört, wo es stehen muss und was heute nicht mehr hineingehört. Am Ende können Sie Ihr eigenes Impressum in wenigen Minuten prüfen.

1. Wer ein Impressum braucht

Die Impressumspflicht steht seit dem 14. Mai 2024 in § 5 Digitale-Dienste-Gesetz (DDG), das das frühere Telemediengesetz abgelöst hat. Inhaltlich hat sich dabei wenig geändert, formal aber einiges: Wer in seinem Impressum noch „Angaben gemäß § 5 TMG“ schreibt, verweist auf ein Gesetz, das nicht mehr gilt. Das ist für sich genommen kein großer Fehler, zeigt aber, dass das Impressum lange nicht gepflegt wurde.

Die Pflicht gilt für digitale Dienste, die geschäftsmäßig und in der Regel gegen Entgelt angeboten werden. Für eine Unternehmenswebsite bedeutet das in der Praxis: Ja, sie braucht ein Impressum, auch wenn darüber nichts verkauft wird. Dasselbe gilt für geschäftlich genutzte Profile in sozialen Netzwerken, für Shops auf Plattformen und für Newsletter. Nur rein private Seiten ohne jeden geschäftlichen Bezug sind ausgenommen.

Definition 1.1
Impressumspflicht (§ 5 DDG)
Die Pflicht von Diensteanbietern, bestimmte Informationen über sich leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten – insbesondere Name, Anschrift, Kontaktmöglichkeiten sowie je nach Rechtsform und Tätigkeit Register-, Steuer- und Berufsangaben.

2. Was hineingehört

Welche Angaben Pflicht sind, hängt von Rechtsform und Tätigkeit ab. Für alle gilt: vollständiger Name bzw. Firma, eine ladungsfähige Anschrift (kein Postfach), eine E-Mail-Adresse und ein weiterer Weg zur schnellen, unmittelbaren Kontaktaufnahme. Bei Gesellschaften kommen die vertretungsberechtigten Personen und der Registereintrag hinzu, bei vorhandener Umsatzsteuer-Identifikationsnummer diese. Stellen Sie die Angaben für Ihr Unternehmen zusammen:

Übung: Welche Angaben braucht Ihr Impressum?

1 · Rechtsform

2 · Was trifft zu?

5 Pflichtangaben

  1. 1Firma mit Rechtsform und ladungsfähige AnschriftMuster GmbH, Musterstraße 1, 12345 Musterstadt
  2. 2Vertretungsberechtigte Person(en)Geschäftsführer: Max Muster
  3. 3E-Mail-Adresse und ein weiterer schneller Kontaktweginfo@muster.de und Telefon – ein Kontaktformular kann reichen, Telefon ist üblich und sicherer
  4. 4Registergericht und RegisternummerAmtsgericht Musterstadt, HRB 12345
  5. 5Umsatzsteuer-IdentifikationsnummerUSt-IdNr.: DE123456789 – nicht die Steuernummer

Vereinfachte Übersicht nach § 5 DDG und § 18 MStV. Sonderfälle (z. B. Genossenschaften, Liquidation, Aktiengesellschaften) sind nicht abgebildet.

Tab. 1.1Pflichtangaben nach Rechtsform
RechtsformZusätzlich zu Name, Anschrift, Kontakt
Einzelunternehmen, Freiberuflervollständiger Vor- und Nachname; bei Kammerberufen Berufsbezeichnung, Kammer, Berufsregeln
GbRalle Gesellschafter; bei eingetragener GbR das Gesellschaftsregister
e.K., OHG, KGvertretungsberechtigte Personen, Registergericht, Handelsregisternummer
GmbH, UG, AGGeschäftsführung bzw. Vorstand, Registergericht, Handelsregisternummer
e.V.vertretungsberechtigter Vorstand, Registergericht, Vereinsregisternummer

Weitere Angaben je nach Tätigkeit: USt-IdNr., Aufsichtsbehörde bei genehmigungspflichtigen Tätigkeiten, verantwortliche Person nach § 18 Abs. 2 MStV bei redaktionellen Inhalten.

Zwei Punkte sorgen besonders oft für Unklarheit. Die Telefonnummer ist nicht ausdrücklich vorgeschrieben, aber neben der E-Mail muss ein zweiter, schneller Kontaktweg bestehen. In der Praxis ist die Telefonnummer die sichere Lösung. Und wer einen Blog oder News betreibt, veröffentlicht journalistisch-redaktionelle Inhalte und muss zusätzlich eine verantwortliche Person nach § 18 Abs. 2 Medienstaatsvertrag nennen. Den kompletten Text erzeugen Sie mit unserem Impressum-Generator.

3. Wo es stehen muss

Das Gesetz verlangt, dass die Angaben leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sind. Die Rechtsprechung hat daraus eine einfache Regel abgeleitet: Das Impressum soll von jeder Seite aus mit höchstens zwei Klicks erreichbar sein, über einen Link mit verständlicher Bezeichnung. Bewährt hat sich ein Link „Impressum“ im Footer jeder Seite.

Abb. 1.1Wo das Impressum stehen muss
✓Website-Footerauf jeder Seite✓Social-Media-ProfiSocial-Media-ProfilLink im Profil✓Onlineshop,Plattformeigene Angabe✕Nur auf KontaktseitNur auf Kontaktseitezu versteckt✕Nur als Bildnicht auslesbar
Abb. 1.1 – Gut sind Links, die überall sichtbar sind. Kritisch sind Impressen, die nur auf einer Unterseite oder nur als Bild vorliegen – als Bild sind sie zudem für Screenreader nicht lesbar.

Auch in sozialen Netzwerken braucht ein geschäftliches Profil ein Impressum. Dort genügt ein klar bezeichneter Link auf das Impressum der Website, etwa im Profiltext oder im dafür vorgesehenen Feld. Ein Link, der nur „Website“ heißt, reicht nicht – der Nutzer muss erkennen können, dass er dort das Impressum findet.

4. Was raus muss: die EU-Streitschlichtungsplattform

Viele Impressen enthalten noch einen Hinweis auf die europäische Plattform zur Online-Streitbeilegung. Diese Plattform wurde am 20. Juli 2025 abgeschaltet, die zugrunde liegende Verordnung aufgehoben. Der Hinweis sollte entfernt werden – aus dem Impressum ebenso wie aus AGB und Bestellbestätigungen. Weiter gilt dagegen die Informationspflicht nach § 36 Verbraucherstreitbeilegungsgesetz: Unternehmen, die eine Website oder AGB haben und mehr als zehn Personen beschäftigen, müssen angeben, ob sie bereit oder verpflichtet sind, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen.

Das Impressum ist kein Dokument für die Ewigkeit. Prüfen Sie es bei jeder Änderung von Adresse, Geschäftsführung oder Rechtsform – und sonst mindestens einmal im Jahr.

5. Üben Sie das Urteil

ÜbungImpressum in Ordnung?
  1. Impressum im Footer jeder Seite, Link heißt „Impressum“

  2. Impressum mit Postfach statt Straße

  3. Link „Rechtliches“ führt zu einer Seite mit Impressum und AGB

  4. Im Impressum steht noch der Link zur EU-Streitschlichtungsplattform

  5. GmbH ohne Angabe der Geschäftsführung

  6. Impressum nennt Telefon, E-Mail und Kontaktformular

0 von 6 eingeschätzt

Die gute Nachricht: Die meisten Fehler im Impressum lassen sich in einer Viertelstunde beheben. Und seit 2020 können Mitbewerber für Verstöße gegen solche Informationspflichten im Internet keine Abmahnkosten mehr verlangen. Das senkt das Risiko erheblich, beseitigt es aber nicht – Verbände können weiterhin abmahnen. Mehr dazu in der Lektion zur Abmahnung.

6. Sonderfälle aus der Praxis

Mehrere Websites, ein Unternehmen. Betreibt ein Unternehmen neben der Hauptseite eine Karriereseite, einen Shop oder eine Landingpage für eine Kampagne, braucht jede davon ein erreichbares Impressum. Ein Link auf das zentrale Impressum genügt, solange er klar bezeichnet ist und von jeder Seite aus funktioniert. Gerade Kampagnenseiten, die schnell von einer Agentur gebaut werden, vergessen das häufig.

Die Website der Agentur. Wer seine Website von einer Agentur betreiben lässt, bleibt selbst Anbieter und ist für das Impressum verantwortlich. Die Agentur kann es einpflegen, aber die Angaben muss das Unternehmen liefern und aktuell halten. Ein kurzer Hinweis an die Agentur bei jeder Änderung der Firmendaten gehört deshalb in die interne Routine.

Die private Anschrift. Einzelunternehmer, die von zu Hause arbeiten, stehen oft vor der unangenehmen Frage, ob ihre Privatadresse ins Impressum muss. Die Antwort lautet in der Regel ja, denn verlangt ist eine ladungsfähige Anschrift. Eine Alternative kann eine Geschäftsadresse sein, unter der tatsächlich Post zugestellt und angenommen wird – etwa in einem Coworking-Büro mit Postservice. Ein reines Postfach genügt nicht.

Englischsprachige Websites. Auch eine Website in englischer Sprache braucht ein Impressum, wenn sie sich an den deutschen Markt richtet. Es kann auf Englisch verfasst sein, sollte aber alle Pflichtangaben enthalten. Die Bezeichnung „Legal Notice“ oder „Imprint“ ist dabei üblich, „Impressum“ ist für deutsche Besucher am eindeutigsten.

Häufige Fragen aus der Praxis

Muss die Handynummer rein, wenn wir keine Festnetznummer haben? Nein, eine Mobilnummer ist als schneller Kontaktweg ebenso geeignet. Wichtig ist, dass sie tatsächlich erreichbar ist.

Wer unsicher ist, ob sein Impressum vollständig ist, kann es mit wenig Aufwand gegen den Impressum-Generator prüfen: Rechtsform wählen, Angaben eintragen und die Hinweise auf fehlende Pflichtangaben durchgehen.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Digitale-Dienste-Gesetz (DDG), § 5.
  2. [2]Medienstaatsvertrag (MStV), § 18 Abs. 2.
  3. [3]Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG), § 36.
  4. [4]Verordnung (EU) 2024/3228 zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 524/2013 (OS-Plattform).
  5. [5]BGH, Urteil vom 20.07.2006, I ZR 228/03 (Anbieterkennzeichnung im Internet).

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Was fehlt häufig im Impressum einer GmbH?