Website-Recht: Impressum, Cookies & Abmahnfallen

Lektion 3 von 8Übung 15 Min.

Cookies und Einwilligung richtig umsetzen

Lernziele
  • das Zusammenspiel von § 25 TDDDG und DSGVO erklären
  • unterscheiden, wann eine Einwilligung nötig ist und wann nicht
  • die Anforderungen an ein wirksames Cookie-Banner kennen
  • prüfen, ob Dienste tatsächlich erst nach der Einwilligung laden

Cookie-Banner gehören zu den unbeliebtesten Elementen des Internets. Besucher klicken sie weg, Unternehmen halten sie für eine lästige Formalie. Dabei haben sie einen nachvollziehbaren Grund: Viele Websites laden beim Aufruf Dienste, die das Verhalten der Besucher über Seiten und Tage hinweg verfolgen. Das Gesetz verlangt, dass Menschen darüber selbst entscheiden können – und zwar bevor es passiert, nicht danach.

Diese Lektion zeigt, wann eine Einwilligung nötig ist, woran man ein Banner erkennt, das rechtlich trägt, und warum der eleganteste Weg oft darin besteht, weniger Dienste einzusetzen.

1. Zwei Gesetze greifen ineinander

Die rechtliche Prüfung hat zwei Stufen, die oft verwechselt werden. Die erste Stufe regelt § 25 Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG), früher TTDSG. Er betrifft jeden Zugriff auf das Endgerät der Besucher: das Speichern und Auslesen von Cookies, aber auch Local Storage, Fingerprinting und ähnliche Techniken. Dafür braucht es grundsätzlich eine Einwilligung – es sei denn, der Zugriff ist unbedingt erforderlich, um einen Dienst bereitzustellen, den der Nutzer ausdrücklich wünscht.

Die zweite Stufe regelt die DSGVO. Werden bei diesem Zugriff personenbezogene Daten verarbeitet, etwa eine IP-Adresse oder eine Nutzerkennung, braucht es zusätzlich eine Rechtsgrundlage nach Art. 6. Bei Tracking und Marketing ist das in aller Regel ebenfalls die Einwilligung.

Abb. 3.1Zwei Prüfschritte für Cookies und ähnliche Techniken
SCHRITT 1 · § 25 TDDDGZugriff auf das EndgerätCookies, Local Storage, Fingerprinting→ Einwilligung, außer „unbedingt erforderlich“SCHRITT 2 · DSGVOVerarbeitung der DatenIP-Adresse, Nutzungsprofil, Kennungen→ Rechtsgrundlage nach Art. 6, bei Tracking meist Einwilligung
Abb. 3.1 – Das TDDDG fragt nach dem Zugriff auf das Gerät, die DSGVO nach der Verarbeitung der Daten. Beide Prüfungen müssen bestanden sein.
Definition 3.1
Unbedingt erforderlich (§ 25 Abs. 2 Nr. 2 TDDDG)
Ein Zugriff auf das Endgerät, ohne den ein vom Nutzer ausdrücklich gewünschter Dienst nicht erbracht werden kann – etwa der Warenkorb im Shop, das Login oder die Speicherung der Cookie-Entscheidung selbst. Nicht darunter fallen Reichweitenmessung, Werbung und Marketing.

2. Einwilligung nötig oder nicht?

Die Abgrenzung ist im Alltag entscheidend. Testen Sie Ihr Gespür an typischen Diensten:

Übung: Einwilligung nötig oder nicht?0 / 0 richtig
  1. 01Ein Cookie merkt sich den Inhalt des Warenkorbs im Online-Shop.

  2. 02Google Analytics wird in der Standard-Einstellung geladen.

  3. 03Der Meta-Pixel misst, ob Werbeanzeigen zu Käufen führen.

  4. 04Ein Cookie speichert, dass der Nutzer im Banner „Ablehnen“ geklickt hat.

  5. 05Ein YouTube-Video ist direkt in die Seite eingebettet und lädt sofort.

  6. 06Ein Session-Cookie hält Nutzer im Kundenportal angemeldet.

  7. 07Ein Chat-Widget eines Drittanbieters wird beim Seitenaufruf automatisch geladen.

3. Woran man ein ordentliches Banner erkennt

Eine Einwilligung ist nur wirksam, wenn sie freiwillig, für den bestimmten Fall, informiert und unmissverständlich abgegeben wird. Für Cookie-Banner haben Gerichte und Aufsichtsbehörden daraus konkrete Anforderungen abgeleitet.

Tab. 3.1Anforderungen an ein Cookie-Banner
AnforderungWas das praktisch heißt
Vorher, nicht nachherNicht erforderliche Dienste laden erst nach dem Klick auf „Zustimmen“.
Aktive HandlungKeine vorab angekreuzten Kästchen. Weitersurfen ist keine Einwilligung.
Echte Wahl„Ablehnen“ ist so einfach wie „Zustimmen“ – idealerweise auf derselben Ebene und gleich gut sichtbar.
InformiertErkennbar, welche Dienste zu welchem Zweck eingesetzt werden.
WiderrufbarDie Entscheidung lässt sich jederzeit ändern, etwa über „Cookie-Einstellungen“ im Footer.
NachweisbarDie Einwilligung wird so gespeichert, dass sie belegt werden kann.

Der Europäische Gerichtshof hat 2019 im Fall Planet49 klargestellt, dass vorab angekreuzte Kästchen keine wirksame Einwilligung sind. Die deutschen Aufsichtsbehörden haben in ihrer Orientierungshilfe für Telemedien zudem betont, dass eine Ablehnung ohne größeren Aufwand möglich sein muss als die Zustimmung. Banner, die nur einen auffälligen Zustimmungsknopf und einen versteckten Weg zur Ablehnung bieten, stehen deshalb regelmäßig in der Kritik.

ÜbungBanner-Check: rechtlich tragfähig?
  1. „Alle akzeptieren“ und „Alle ablehnen“ gleich groß auf der ersten Ebene, dazu „Einstellungen“

  2. Großer blauer Knopf „Akzeptieren“, grauer Textlink „Einstellungen“, kein „Ablehnen“

  3. Checkboxen für Statistik und Marketing sind vorab angekreuzt

  4. Banner erscheint, aber das Analyse-Skript lädt schon vor dem Klick

  5. Footer-Link „Cookie-Einstellungen“ öffnet das Banner erneut

  6. Banner nennt nur „Wir nutzen Cookies für ein besseres Erlebnis“

0 von 6 eingeschätzt
Der häufigste technische Fehler: Das Banner ist da, aber Analyse-Skripte laden trotzdem sofort. Prüfen Sie das in den Entwicklerwerkzeugen im Reiter „Netzwerk“ – vor dem ersten Klick dürfen keine Anfragen an Tracking-Dienste auftauchen.

4. Weniger Banner durch weniger Tracking

Die eleganteste Lösung ist oft nicht das bessere Banner, sondern der Verzicht auf Dienste, die eines brauchen. Schriften lassen sich lokal einbinden, Videos erst nach Klick laden, Karten durch ein statisches Bild mit Link ersetzen. Für die Reichweitenmessung gibt es datensparsame Werkzeuge, die ohne Cookies und ohne personenbezogene Profile auskommen. Ob ein bestimmtes Werkzeug tatsächlich ohne Einwilligung eingesetzt werden darf, hängt von seiner technischen Umsetzung ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Wer auf diese Weise alle nicht erforderlichen Dienste entfernt, braucht im besten Fall gar kein Einwilligungsbanner mehr. Das ist nicht nur rechtlich sauberer, sondern verbessert auch die Ladezeit und den ersten Eindruck der Website. Ein Besucher, der ohne Banner direkt zum Inhalt kommt, bleibt eher.

Seit 2025 gibt es in Deutschland außerdem die Möglichkeit, Einwilligungen über anerkannte Dienste zur Einwilligungsverwaltung zu steuern, bei denen Nutzer ihre Präferenzen zentral festlegen. Ob sich diese Dienste in der Praxis durchsetzen, bleibt abzuwarten. Für die meisten Websites ändert sich zunächst nichts: Das eigene Banner muss die Anforderungen weiterhin erfüllen.

5. Das Banner technisch prüfen

Ob ein Banner rechtlich trägt, entscheidet sich nicht an seiner Gestaltung allein, sondern an seiner Technik. Drei Prüfungen lassen sich ohne Vorkenntnisse durchführen. Erstens: Öffnen Sie die Seite in einem privaten Fenster, klicken Sie nichts an und sehen Sie im Netzwerk-Reiter der Entwicklerwerkzeuge nach, ob Anfragen an Analyse- oder Werbedienste auftauchen. Zweitens: Klicken Sie auf „Ablehnen“ und prüfen Sie, ob danach Cookies solcher Dienste im Speicher des Browsers landen – im Reiter „Anwendung“ oder „Speicher“ zu finden. Drittens: Öffnen Sie über den Link im Footer die Einstellungen erneut und widerrufen Sie eine Zustimmung. Die Dienste sollten danach nicht mehr laden.

Viele Fehler entstehen bei der Einrichtung, nicht beim Banner selbst. Ein Analyse-Skript, das direkt im Quelltext eingebunden ist statt über das Einwilligungswerkzeug, lädt unabhängig von jeder Entscheidung. Ein Plugin, das nach einem Update seine Einstellungen verliert, kann über Nacht wieder Daten senden. Deshalb lohnt sich die Prüfung nicht nur einmal, sondern nach jeder größeren Änderung.

Wer ein Einwilligungswerkzeug auswählt, sollte darauf achten, dass es Dienste tatsächlich blockiert, bis eine Einwilligung vorliegt, dass es Einwilligungen nachweisbar speichert und dass es sich ohne Umwege widerrufen lässt. Viele Werkzeuge bieten zudem eine automatische Suche nach Diensten auf der Website – eine nützliche Hilfe, aber kein Ersatz für die eigene Kontrolle.

Schließlich ein Wort zur Gestaltung. Ein Banner muss nicht hässlich sein, um rechtlich zu tragen. Klare Sprache, zwei gleichwertige Knöpfe und ein gut lesbarer Hinweis auf die Einstellungen lassen sich ansprechend umsetzen. Wer das Banner als Teil des Designs versteht und nicht als Fremdkörper, gewinnt Vertrauen statt es zu verlieren.

Häufige Fragen aus der Praxis

Brauchen wir ein Banner, wenn wir nur technisch notwendige Cookies setzen? Nein. Ein reiner Hinweis ist dann nicht erforderlich – die Cookies müssen aber in der Datenschutzerklärung beschrieben sein.

Wie lange gilt eine Einwilligung? Das Gesetz nennt keine feste Frist. Viele Aufsichtsbehörden halten es für angemessen, nach einigen Monaten erneut zu fragen, spätestens wenn neue Dienste hinzukommen.

Dürfen wir Inhalte hinter die Zustimmung sperren? Eine sogenannte Cookie-Wall ist nur in engen Grenzen zulässig, etwa wenn eine gleichwertige Alternative ohne Tracking angeboten wird. Für normale Unternehmenswebsites ist davon abzuraten.

Am Ende gilt eine einfache Regel: Je weniger nicht erforderliche Dienste eine Website lädt, desto weniger muss das Banner leisten – und desto weniger kann schiefgehen. Das ist der Kern einer datensparsamen Website.

Prüfen Sie Ihr Banner deshalb nicht nur einmal, sondern nach jedem Update.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG), § 25.
  2. [2]Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 4 Nr. 11, Art. 6, Art. 7.
  3. [3]EuGH, Urteil vom 01.10.2019, C-673/17 (Planet49).
  4. [4]BGH, Urteil vom 28.05.2020, I ZR 7/16 (Cookie-Einwilligung II).
  5. [5]Datenschutzkonferenz (2022): Orientierungshilfe für Anbieter von Telemedien.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

„Alle akzeptieren“ groß, „Einstellungen“ als grauer Link – wo liegt das Problem?