- die eigene Website strukturiert auf die häufigsten Rechtsfehler prüfen
- Prioritäten setzen: was sofort, was später
- technische Prüfungen ohne Vorkenntnisse durchführen
- die Prüfung als wiederkehrende Routine einrichten
Die vorangegangenen Lektionen haben die einzelnen Themen ausführlich behandelt: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookies, Bilder, KI-Inhalte, eingebundene Dienste und den Umgang mit Abmahnungen. Diese letzte Lektion führt alles zusammen. Sie ist bewusst praktisch gehalten: eine Checkliste, mit der Sie Ihre eigene Website in etwa einer Stunde durchgehen können, und eine Anleitung, wie Sie aus dem Ergebnis eine Reihenfolge machen.
Der Anspruch ist nicht Perfektion. Keine Website ist frei von jedem denkbaren Risiko, und nicht jede Abweichung ist gleich gefährlich. Ziel ist, die typischen Fehler zu finden, die am häufigsten abgemahnt werden oder die am meisten Vertrauen kosten – und sie in einer sinnvollen Reihenfolge zu beheben.
1. Vorbereitung
Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und öffnen Sie Ihre Website in einem privaten Browserfenster, damit keine früheren Einstellungen das Ergebnis verfälschen. Halten Sie die Entwicklerwerkzeuge bereit – in den meisten Browsern öffnen sie sich mit der Taste F12 – und wechseln Sie in den Reiter „Netzwerk“. Dort sehen Sie jede Verbindung, die die Seite aufbaut. Laden Sie die Seite neu, ohne im Cookie-Banner etwas anzuklicken. Was jetzt schon an fremde Server geht, verdient besondere Aufmerksamkeit.
2. Die Checkliste
Gehen Sie die Punkte der Reihe nach durch und haken Sie ab, was bereits erfüllt ist. Die offenen Punkte bilden Ihre Aufgabenliste.
Impressum
Datenschutz
Cookies & eingebundene Dienste
Inhalte
Offene Punkte? Beginnen Sie mit Impressum und Cookies – dort passieren die meisten Abmahnungen.
3. Prioritäten setzen
Nicht alle offenen Punkte sind gleich dringend. Bewährt hat sich eine Einteilung in vier Stufen. Sofort zu beheben sind Fehler, die häufig abgemahnt werden oder klar rechtswidrig sind: ein unvollständiges Impressum, Tracking, das vor der Einwilligung lädt, und Bilder ohne nachweisbare Lizenz. Innerhalb einer Woche sollten Datenschutzerklärung und eingebundene Dienste abgeglichen werden. Innerhalb eines Monats folgen die Punkte, die nicht auf der Website sichtbar sind, aber im Ernstfall zählen: Auftragsverarbeitungsverträge, Bildnachweise, eine Regel zur Kennzeichnung von KI-Inhalten.
| Fehler | Behebung | Aufwand |
|---|---|---|
| Impressum unvollständig oder veraltet | Angaben ergänzen, § 5 DDG, OS-Link entfernen | 15 Minuten |
| Tracking lädt vor Einwilligung | Banner-Konfiguration korrigieren oder Dienst entfernen | 1–2 Stunden |
| Schriften von fremden Servern | lokal einbinden | 30–60 Minuten |
| Datenschutzerklärung passt nicht | mit tatsächlichen Diensten abgleichen | 1 Stunde |
| Bilder ohne Lizenznachweis | Nachweise suchen oder Bilder ersetzen | je nach Umfang |
| Kein Auftragsverarbeitungsvertrag | im Kundenkonto des Anbieters abschließen | wenige Minuten je Anbieter |
Richtwerte für eine typische Unternehmenswebsite. Onlineshops haben zusätzliche Pflichten, etwa Widerrufsbelehrung und Preisangaben.
4. Die Prüfung zur Routine machen
Eine einmalige Prüfung ist gut, eine regelmäßige ist besser. Websites verändern sich: Neue Seiten kommen hinzu, Plugins werden aktualisiert, ein Kollege bindet ein Video ein, die Geschäftsführung wechselt. Jede dieser Änderungen kann einen der Punkte auf der Checkliste berühren. Planen Sie deshalb eine feste jährliche Prüfung ein, etwa zu Jahresbeginn, und zusätzlich eine kurze Prüfung nach jeder größeren Änderung. Wer die Website von einer Agentur betreuen lässt, sollte diese Prüfung vertraglich vereinbaren.
Wenn Sie Unterstützung möchten, prüfen unsere Werkzeuge einzelne Punkte automatisch: der Website-Check für Technik und Ladezeit, der Barrierefreiheits-Check für die Zugänglichkeit, der Impressum-Generator und der Datenschutz-Generator für die Pflichttexte. Und wenn die Liste länger geworden ist als erhofft, übernehmen wir die Umsetzung gern.
5. Besonderheiten für Onlineshops
Diese Checkliste deckt die Pflichten einer typischen Unternehmenswebsite ab. Wer einen Onlineshop betreibt, hat zusätzliche Pflichten, die hier nur angerissen werden können. Dazu gehören eine korrekte Widerrufsbelehrung mit Muster-Widerrufsformular, vollständige Preisangaben einschließlich Umsatzsteuer und Versandkosten nach der Preisangabenverordnung, ein rechtssicherer Bestellablauf mit eindeutig beschriftetem Bestellknopf, Informationen zu Zahlungsarten und Lieferzeiten sowie gegebenenfalls Grundpreisangaben. Hinzu kommen seit Juni 2025 für viele Shops die Anforderungen an die Barrierefreiheit nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz.
Für Shops lohnt sich deshalb eine gesonderte Prüfung, idealerweise durch einen spezialisierten Dienstleister oder einen Rechtstext-Service, der die Texte bei Gesetzesänderungen automatisch aktualisiert. Die Barrierefreiheit prüfen Sie mit unserem Barrierefreiheits-Check zumindest in einer ersten Einschätzung.
Auch für Websites ohne Shop gilt: Diese Checkliste ist ein Werkzeug zur Selbstprüfung, keine Rechtsberatung. Sie erfasst die häufigsten Fehler, aber nicht jede Besonderheit einer Branche. Regulierte Berufe wie Ärzte, Anwälte oder Finanzdienstleister haben eigene Informations- und Werbevorschriften, die zusätzlich zu beachten sind.
Ein letzter Rat zum Abschluss des Kurses: Dokumentieren Sie Ihre Prüfung. Ein kurzes Protokoll mit Datum, geprüften Punkten und erledigten Maßnahmen zeigt im Ernstfall, dass Sie sorgfältig gehandelt haben. Und es erleichtert die nächste Prüfung, weil Sie sehen, wo Sie im vergangenen Jahr standen und was sich seitdem verändert hat. Wer so vorgeht, macht aus einem lästigen Pflichtthema eine überschaubare, planbare Aufgabe.
Häufige Fragen aus der Praxis
Wer sollte die Prüfung durchführen? Idealerweise jemand, der die Website gut kennt, zusammen mit der Person, die für Datenschutz zuständig ist. Die technischen Tests schafft auch ein Laie mit dieser Anleitung.
Was, wenn wir viele offene Punkte finden? Nicht entmutigen lassen. Mit der Einteilung in Prioritäten wird aus einer langen Liste ein Plan für wenige Wochen, und die wichtigsten Punkte sind oft in einer Stunde erledigt.
Wie oft ändern sich die Regeln? Häufiger, als man denkt: In den letzten Jahren kamen das DDG, das TDDDG, der AI Act und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hinzu. Die jährliche Prüfung fängt solche Änderungen auf.
Brauchen wir für die Prüfung spezielle Software? Nein. Ein aktueller Browser mit Entwicklerwerkzeugen genügt für die meisten Punkte. Für Ladezeit und Barrierefreiheit helfen kostenlose Prüfwerkzeuge wie unsere Checks.
Mit dieser Lektion ist der Kurs abgeschlossen. Sie kennen jetzt die wichtigsten Pflichten einer Unternehmenswebsite, die typischen Fehler und die Wege, sie zu vermeiden. Die Kernideen aller Lektionen finden Sie als Karteikarten im Trainer, der sie in wachsenden Abständen wiederholt. So bleibt das Wissen auch dann präsent, wenn die nächste Prüfung in einem Jahr ansteht und sich die Rechtslage bis dahin weiterentwickelt hat.
Und falls Sie beim Durchgehen der Checkliste merken, dass die Website insgesamt in die Jahre gekommen ist, kann ein Relaunch die bessere Lösung sein als viele einzelne Reparaturen. Eine neue Website lässt sich von Anfang an datensparsam, barrierearm und rechtssicher aufbauen – das spart langfristig Aufwand.
Planen Sie den nächsten Termin für die Prüfung am besten gleich jetzt fest ein.
- [1]Digitale-Dienste-Gesetz (DDG), § 5.
- [2]Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 13, 28.
- [3]Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG), § 25.
- [4]Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), §§ 5, 13.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.