- verstehen, wie urheberrechtlicher Schutz für Bilder und Texte entsteht
- die Risiken typischer Bildquellen einschätzen
- Urheberrecht, Recht am eigenen Bild und Markenrecht auseinanderhalten
- eine einfache Bild-Dokumentation für die eigene Website anlegen
Bilder sind der Klassiker unter den Abmahnungen. Ein schnell von einer anderen Website kopiertes Foto, ein Produktbild aus dem Katalog des Herstellers, ein Kartenausschnitt auf der Anfahrtsseite – was im Alltag harmlos wirkt, kann teuer werden. Anders als bei vielen Formfehlern geht es hier nicht um Abmahnungen durch Mitbewerber, sondern um die Ansprüche derer, die das Bild geschaffen haben. Und die sind in den letzten Jahren deutlich systematischer geworden: Spezialisierte Dienste durchsuchen das Internet automatisch nach unlizenzierten Verwendungen.
Diese Lektion erklärt, wie der Schutz entsteht, welche Quellen welche Risiken bergen und wie Sie mit wenig Aufwand nachweisen können, dass Ihre Bilder rechtmäßig verwendet werden.
1. Schutz entsteht automatisch
Urheberrechtlicher Schutz muss nirgends angemeldet werden. Er entsteht mit der Erstellung. Selbst einfache Fotos ohne künstlerischen Anspruch sind als Lichtbilder nach § 72 UrhG geschützt, und zwar für fünfzig Jahre. Für künstlerisch gestaltete Werke gilt der Schutz sogar bis siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Faustregel lautet deshalb: Was Sie nicht selbst erstellt oder ausdrücklich lizenziert haben, dürfen Sie nicht verwenden.
Wird ein Bild ohne Erlaubnis verwendet, hat der Rechteinhaber Anspruch auf Unterlassung und auf Schadensersatz. Letzterer wird meist nach der sogenannten Lizenzanalogie berechnet: Was hätte eine ordentliche Lizenz gekostet? Fehlt zusätzlich die Urhebernennung, setzen Gerichte häufig einen Aufschlag an. Hinzu kommen die Anwaltskosten. So wird aus einem unscheinbaren Symbolbild schnell ein Betrag im mittleren dreistelligen oder vierstelligen Bereich.
2. Ein Bild, drei Rechte
Bei Bildern kommen oft mehrere Rechte zusammen, die unabhängig voneinander geklärt werden müssen. Das Urheberrecht liegt beim Fotografen. Zeigt das Foto Menschen, haben diese ein Recht am eigenen Bild. Und sind Logos oder geschützte Zeichen zu sehen, kann das Markenrecht eine Rolle spielen.
Für Fotos von Beschäftigten sollten Sie eine schriftliche Einwilligung einholen, die klar sagt, wo die Bilder erscheinen – Website, soziale Medien, Druck. Scheidet jemand aus, sollte geprüft werden, ob das Foto entfernt werden muss, spätestens wenn die Person es verlangt. Details dazu behandelt die Lektion Fotos, Videos, Bewerberdaten im Kurs zur DSGVO.
3. Die typischen Quellen – und ihre Fallstricke
| Quelle | Worauf achten |
|---|---|
| Stockfoto-Portale | Lizenzbedingungen lesen: Ist Werbung erlaubt? Ist eine Urhebernennung Pflicht? Lizenznachweis aufbewahren. |
| Kostenlose Bildportale | Auch hier gelten Bedingungen. Screenshot der Lizenz zum Zeitpunkt des Downloads speichern. |
| Fotograf oder Agentur | Nutzungsrechte schriftlich festhalten: Website, Social Media, Druck, zeitlich unbegrenzt? |
| Herstellerfotos | Nur mit Erlaubnis des Herstellers – nicht automatisch erlaubt, weil man das Produkt verkauft. |
| Kartenausschnitte | Screenshots von Kartendiensten sind meist nicht erlaubt. Offene Karten verlangen eine Quellenangabe. |
| KI-generierte Bilder | Meist nicht geschützt, aber Ähnlichkeit zu fremden Werken und Marken prüfen – siehe nächste Lektion. |
Foto aus der Bildersuche, ohne Wasserzeichen und ohne Urheberangabe
Stockfoto mit Lizenz, Nachweis im Kundenkonto gespeichert
Herstellerfoto eines Produkts, das der Shop verkauft
Screenshot eines Kartendienstes auf der Anfahrtsseite
Eigenes Foto vom Firmengebäude
Kostenloses Bild von einem Gratis-Portal, Lizenz nicht dokumentiert
4. Auch Texte sind geschützt
Nicht nur Bilder, auch Texte können geschützt sein, etwa ausführliche Produktbeschreibungen, Fachartikel oder individuell formulierte Datenschutzerklärungen. Kurze, rein sachliche Angaben sind es meist nicht. Zitate sind nur in engen Grenzen erlaubt: Sie müssen einem eigenen Inhalt dienen, als Zitat erkennbar sein und die Quelle nennen. Ganze Absätze zu übernehmen, fällt nicht darunter. Wer einen fremden Text „umschreiben“ lässt, auch mit KI, bewegt sich in einer Grauzone: Bleiben die prägenden Formulierungen und der Aufbau erhalten, kann das weiterhin eine Verletzung sein.
5. Wenn es doch passiert ist
Findet sich ein Bild ohne Lizenz auf der Website, sollte es sofort entfernt werden, und zwar vollständig – auch aus der Mediathek des Content-Management-Systems, denn dort bleibt es oft über eine direkte Adresse erreichbar. Kommt eine Zahlungsaufforderung oder Abmahnung, gilt das in der Lektion zur Abmahnung beschriebene Vorgehen: nicht ignorieren, nicht blind unterschreiben, prüfen lassen. Die Höhe der geforderten Beträge lässt sich häufig verhandeln, besonders wenn die Nutzung kurz und der Verstoß nicht vorsätzlich war.
6. Rechte bei beauftragten Fotos und Texten
Viele Unternehmen lassen Fotos und Texte von Dienstleistern erstellen und gehen davon aus, dass sie damit alle Rechte erworben haben. Das ist nicht automatisch so. Ohne ausdrückliche Vereinbarung erhält der Auftraggeber nur die Rechte, die für den vertraglich vorausgesetzten Zweck nötig sind. Wurde ein Fotograf für die Website beauftragt, ist die Nutzung auf Social Media oder in einer Broschüre womöglich nicht erfasst.
Legen Sie deshalb im Auftrag fest, wofür die Ergebnisse genutzt werden dürfen: auf welchen Kanälen, in welchen Medien, wie lange und ob exklusiv. Bei Fotos sollten auch die Einwilligungen der abgebildeten Personen geklärt sein, am besten durch den Fotografen selbst. Und bei Texten lohnt die Frage, ob KI im Spiel war – denn dann gibt es möglicherweise gar kein Urheberrecht, das übertragen werden könnte.
Ein weiterer Punkt betrifft die Namensnennung. Fotografen haben nach § 13 UrhG das Recht, als Urheber genannt zu werden. Viele Lizenzen verlangen deshalb eine Urheberangabe am Bild oder in einem Bildnachweis. Wer darauf verzichten möchte, sollte das ausdrücklich vereinbaren. Fehlt eine geschuldete Nennung, kann das einen eigenen Anspruch begründen, auch wenn die Lizenz ansonsten bezahlt wurde.
Ein letzter Tipp: Bewahren Sie nicht nur die Lizenz, sondern auch die Originaldatei mit ihren Metadaten auf. Sie enthält oft Angaben zum Urheber und zum Aufnahmedatum, die im Streitfall hilfreich sind.
Häufige Fragen aus der Praxis
Dürfen wir Bilder von Kunden auf Social Media teilen, die uns markiert haben? Das Teilen innerhalb der Plattform über deren Funktionen ist meist unproblematisch. Das Herunterladen und erneute Hochladen auf die eigene Website braucht dagegen die Erlaubnis des Urhebers.
Sind Logos von Kunden auf der Referenzseite erlaubt? In der Regel ja, wenn tatsächlich eine Geschäftsbeziehung besteht und keine falsche Nähe suggeriert wird. Eine kurze Zustimmung des Kunden schafft Klarheit.
Die wichtigste Gewohnheit bleibt einfach: Jedes neue Bild bekommt beim Hochladen einen Eintrag in der Bildliste – Quelle, Lizenz, Datum. Das kostet eine Minute und erspart im Ernstfall Tage der Suche und oft auch viel Geld.
Bei Unsicherheit gilt: lieber ein eigenes Foto oder ein sauber lizenziertes Bild verwenden.
- [1]Urheberrechtsgesetz (UrhG), §§ 2, 13, 31, 51, 72, 97.
- [2]Kunsturhebergesetz (KUG), §§ 22, 23.
- [3]Markengesetz (MarkenG), § 14.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.