Website-Recht: Impressum, Cookies & Abmahnfallen

Lektion 4 von 8Übung 14 Min.

Bilder, Texte und Urheberrecht

Lernziele
  • verstehen, wie urheberrechtlicher Schutz für Bilder und Texte entsteht
  • die Risiken typischer Bildquellen einschätzen
  • Urheberrecht, Recht am eigenen Bild und Markenrecht auseinanderhalten
  • eine einfache Bild-Dokumentation für die eigene Website anlegen

Bilder sind der Klassiker unter den Abmahnungen. Ein schnell von einer anderen Website kopiertes Foto, ein Produktbild aus dem Katalog des Herstellers, ein Kartenausschnitt auf der Anfahrtsseite – was im Alltag harmlos wirkt, kann teuer werden. Anders als bei vielen Formfehlern geht es hier nicht um Abmahnungen durch Mitbewerber, sondern um die Ansprüche derer, die das Bild geschaffen haben. Und die sind in den letzten Jahren deutlich systematischer geworden: Spezialisierte Dienste durchsuchen das Internet automatisch nach unlizenzierten Verwendungen.

Diese Lektion erklärt, wie der Schutz entsteht, welche Quellen welche Risiken bergen und wie Sie mit wenig Aufwand nachweisen können, dass Ihre Bilder rechtmäßig verwendet werden.

1. Schutz entsteht automatisch

Urheberrechtlicher Schutz muss nirgends angemeldet werden. Er entsteht mit der Erstellung. Selbst einfache Fotos ohne künstlerischen Anspruch sind als Lichtbilder nach § 72 UrhG geschützt, und zwar für fünfzig Jahre. Für künstlerisch gestaltete Werke gilt der Schutz sogar bis siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Faustregel lautet deshalb: Was Sie nicht selbst erstellt oder ausdrücklich lizenziert haben, dürfen Sie nicht verwenden.

Definition 4.1
Nutzungsrecht (§ 31 UrhG)
Das Recht, ein Werk auf eine bestimmte Art zu nutzen – etwa auf einer Website, in sozialen Medien oder im Druck. Der Urheber kann es einfach oder ausschließlich einräumen und räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränken. Wer ein Bild kauft, erwirbt in der Regel nicht das Bild selbst, sondern ein solches Nutzungsrecht.

Wird ein Bild ohne Erlaubnis verwendet, hat der Rechteinhaber Anspruch auf Unterlassung und auf Schadensersatz. Letzterer wird meist nach der sogenannten Lizenzanalogie berechnet: Was hätte eine ordentliche Lizenz gekostet? Fehlt zusätzlich die Urhebernennung, setzen Gerichte häufig einen Aufschlag an. Hinzu kommen die Anwaltskosten. So wird aus einem unscheinbaren Symbolbild schnell ein Betrag im mittleren dreistelligen oder vierstelligen Bereich.

2. Ein Bild, drei Rechte

Bei Bildern kommen oft mehrere Rechte zusammen, die unabhängig voneinander geklärt werden müssen. Das Urheberrecht liegt beim Fotografen. Zeigt das Foto Menschen, haben diese ein Recht am eigenen Bild. Und sind Logos oder geschützte Zeichen zu sehen, kann das Markenrecht eine Rolle spielen.

Abb. 4.1Drei Rechte an einem Bild
Urheberrechtam Foto, am TextInhaber: Fotograf, AutorRecht am eigenen Bildder abgebildeten PersonInhaber: Mitarbeiter, KundeMarkenrechtan Logos und ZeichenInhaber: MarkeninhaberEin Bild kann alle drei Rechte gleichzeitig berühren
Abb. 4.1 – Eine gekaufte Lizenz klärt nur das Urheberrecht. Ob die abgebildeten Personen einverstanden sind oder Marken betroffen sind, ist eine eigene Frage.

Für Fotos von Beschäftigten sollten Sie eine schriftliche Einwilligung einholen, die klar sagt, wo die Bilder erscheinen – Website, soziale Medien, Druck. Scheidet jemand aus, sollte geprüft werden, ob das Foto entfernt werden muss, spätestens wenn die Person es verlangt. Details dazu behandelt die Lektion Fotos, Videos, Bewerberdaten im Kurs zur DSGVO.

3. Die typischen Quellen – und ihre Fallstricke

Tab. 4.1Bildquellen und worauf zu achten ist
QuelleWorauf achten
Stockfoto-PortaleLizenzbedingungen lesen: Ist Werbung erlaubt? Ist eine Urhebernennung Pflicht? Lizenznachweis aufbewahren.
Kostenlose BildportaleAuch hier gelten Bedingungen. Screenshot der Lizenz zum Zeitpunkt des Downloads speichern.
Fotograf oder AgenturNutzungsrechte schriftlich festhalten: Website, Social Media, Druck, zeitlich unbegrenzt?
HerstellerfotosNur mit Erlaubnis des Herstellers – nicht automatisch erlaubt, weil man das Produkt verkauft.
KartenausschnitteScreenshots von Kartendiensten sind meist nicht erlaubt. Offene Karten verlangen eine Quellenangabe.
KI-generierte BilderMeist nicht geschützt, aber Ähnlichkeit zu fremden Werken und Marken prüfen – siehe nächste Lektion.
ÜbungDarf das Bild auf die Website?
  1. Foto aus der Bildersuche, ohne Wasserzeichen und ohne Urheberangabe

  2. Stockfoto mit Lizenz, Nachweis im Kundenkonto gespeichert

  3. Herstellerfoto eines Produkts, das der Shop verkauft

  4. Screenshot eines Kartendienstes auf der Anfahrtsseite

  5. Eigenes Foto vom Firmengebäude

  6. Kostenloses Bild von einem Gratis-Portal, Lizenz nicht dokumentiert

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4. Auch Texte sind geschützt

Nicht nur Bilder, auch Texte können geschützt sein, etwa ausführliche Produktbeschreibungen, Fachartikel oder individuell formulierte Datenschutzerklärungen. Kurze, rein sachliche Angaben sind es meist nicht. Zitate sind nur in engen Grenzen erlaubt: Sie müssen einem eigenen Inhalt dienen, als Zitat erkennbar sein und die Quelle nennen. Ganze Absätze zu übernehmen, fällt nicht darunter. Wer einen fremden Text „umschreiben“ lässt, auch mit KI, bewegt sich in einer Grauzone: Bleiben die prägenden Formulierungen und der Aufbau erhalten, kann das weiterhin eine Verletzung sein.

Legen Sie für jede Website eine einfache Tabelle an: Bild, Quelle, Lizenz, Datum. Kommt eine Abmahnung, haben Sie den Nachweis in Minuten – statt tagelang zu suchen.

5. Wenn es doch passiert ist

Findet sich ein Bild ohne Lizenz auf der Website, sollte es sofort entfernt werden, und zwar vollständig – auch aus der Mediathek des Content-Management-Systems, denn dort bleibt es oft über eine direkte Adresse erreichbar. Kommt eine Zahlungsaufforderung oder Abmahnung, gilt das in der Lektion zur Abmahnung beschriebene Vorgehen: nicht ignorieren, nicht blind unterschreiben, prüfen lassen. Die Höhe der geforderten Beträge lässt sich häufig verhandeln, besonders wenn die Nutzung kurz und der Verstoß nicht vorsätzlich war.

6. Rechte bei beauftragten Fotos und Texten

Viele Unternehmen lassen Fotos und Texte von Dienstleistern erstellen und gehen davon aus, dass sie damit alle Rechte erworben haben. Das ist nicht automatisch so. Ohne ausdrückliche Vereinbarung erhält der Auftraggeber nur die Rechte, die für den vertraglich vorausgesetzten Zweck nötig sind. Wurde ein Fotograf für die Website beauftragt, ist die Nutzung auf Social Media oder in einer Broschüre womöglich nicht erfasst.

Legen Sie deshalb im Auftrag fest, wofür die Ergebnisse genutzt werden dürfen: auf welchen Kanälen, in welchen Medien, wie lange und ob exklusiv. Bei Fotos sollten auch die Einwilligungen der abgebildeten Personen geklärt sein, am besten durch den Fotografen selbst. Und bei Texten lohnt die Frage, ob KI im Spiel war – denn dann gibt es möglicherweise gar kein Urheberrecht, das übertragen werden könnte.

Ein weiterer Punkt betrifft die Namensnennung. Fotografen haben nach § 13 UrhG das Recht, als Urheber genannt zu werden. Viele Lizenzen verlangen deshalb eine Urheberangabe am Bild oder in einem Bildnachweis. Wer darauf verzichten möchte, sollte das ausdrücklich vereinbaren. Fehlt eine geschuldete Nennung, kann das einen eigenen Anspruch begründen, auch wenn die Lizenz ansonsten bezahlt wurde.

Ein letzter Tipp: Bewahren Sie nicht nur die Lizenz, sondern auch die Originaldatei mit ihren Metadaten auf. Sie enthält oft Angaben zum Urheber und zum Aufnahmedatum, die im Streitfall hilfreich sind.

Häufige Fragen aus der Praxis

Dürfen wir Bilder von Kunden auf Social Media teilen, die uns markiert haben? Das Teilen innerhalb der Plattform über deren Funktionen ist meist unproblematisch. Das Herunterladen und erneute Hochladen auf die eigene Website braucht dagegen die Erlaubnis des Urhebers.

Sind Logos von Kunden auf der Referenzseite erlaubt? In der Regel ja, wenn tatsächlich eine Geschäftsbeziehung besteht und keine falsche Nähe suggeriert wird. Eine kurze Zustimmung des Kunden schafft Klarheit.

Die wichtigste Gewohnheit bleibt einfach: Jedes neue Bild bekommt beim Hochladen einen Eintrag in der Bildliste – Quelle, Lizenz, Datum. Das kostet eine Minute und erspart im Ernstfall Tage der Suche und oft auch viel Geld.

Bei Unsicherheit gilt: lieber ein eigenes Foto oder ein sauber lizenziertes Bild verwenden.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Urheberrechtsgesetz (UrhG), §§ 2, 13, 31, 51, 72, 97.
  2. [2]Kunsturhebergesetz (KUG), §§ 22, 23.
  3. [3]Markengesetz (MarkenG), § 14.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie – vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Ein Foto aus der Bildersuche hat keinen Urheberhinweis. Darf es auf die Website?