Prozessautomatisierung · Modul 5: Agenten im Unternehmen

Lektion 5 von 7Text 14 Min.

Mehrere Agenten und Übergaben

Lernziele
  • Muster für den Aufbau mehrerer Agenten kennen
  • Übergaben sauber gestalten
  • den Aufwand mehrstufiger Systeme realistisch einschätzen
  • erkennen, wann ein Agent genügt

Sobald ein Agent funktioniert, kommt die Idee auf, weitere hinzuzufügen – einer für den Einkauf, einer für den Vertrieb, einer, der die anderen steuert. Das klingt nach Organisation und ist oft das Gegenteil: Mit jedem zusätzlichen Agenten steigen Kosten, Fehlerquellen und der Aufwand für Überwachung, während der Nutzen selten proportional wächst. Diese Lektion zeigt die sinnvollen Muster, die Regeln für Übergaben – und den häufigsten Rat, den ich geben kann: Bleiben Sie bei einem Agenten, solange es geht.

1. Die drei Muster

VergleichDrei Muster für den Aufbau
Agent6 Werkzeuge
Ein Agent mit allen Werkzeugen. Einfach zu bauen und zu überwachen, solange die Werkzeuge überschaubar bleiben. Für die allermeisten Aufgaben im Mittelstand die richtige Wahl – und der empfohlene Start.

Das mittlere Muster verdient besondere Aufmerksamkeit, weil es die Vorteile beider Welten verbindet. Die Reihenfolge steht fest – das ist ein Ablauf. Die einzelnen Stationen sind Agenten, die innerhalb ihres Abschnitts frei entscheiden. Dazwischen liegen Prüfschritte aus festen Regeln. So bleibt das Gesamtverhalten vorhersehbar, obwohl einzelne Teile flexibel sind. Für die meisten anspruchsvolleren Aufgaben im Mittelstand ist das der beste Aufbau.

2. Übergaben gestalten

Wenn ein Agent an den nächsten übergibt, entsteht dieselbe Frage wie bei Menschen: Was wird weitergereicht? Der komplette Verlauf ist teuer und verwirrend, zu wenig führt zu Rückfragen und Doppelarbeit. Bewährt hat sich eine strukturierte Übergabe: das Ergebnis in festen Feldern, eine kurze Begründung, und offene Punkte als Liste. Der nächste Agent bekommt diese Struktur, nicht das Gespräch. Das ist nebenbei auch für Menschen lesbar – und genau das brauchen Sie bei der Fehlersuche.

Tab. 5.1Was eine Übergabe enthalten sollte
AngabeZweck
Ergebnis in festen Feldernmaschinell weiterverarbeitbar
Kurze BegründungNachvollziehbarkeit für Menschen
Offene Punkteverhindert stillschweigende Lücken
Sicherheitseinschätzungsteuert, ob geprüft werden muss
Verwendete Quellenerlaubt die Kontrolle ohne Nachfrage

3. Was mehrere Agenten wirklich kosten

Die Kosten steigen nicht nur durch mehr Modellaufrufe. Jeder zusätzliche Agent braucht eigene Werkzeuge, eigene Rechte, eigene Anweisungen mit Testfällen und eine eigene Überwachung. Bei einem Fehler wird die Suche aufwendiger, weil zuerst geklärt werden muss, welche Station ihn verursacht hat. Und bei jedem Modellwechsel steht die Prüfung für jeden Agenten einzeln an. Als Faustregel: Der Aufwand für Betrieb und Pflege verdoppelt sich etwa mit jedem zusätzlichen Agenten, der Nutzen selten.

ErkundenWann ein zweiter Agent gerechtfertigt ist
Getrennte Rechte nötigZu viele WerkzeugePrüfung durch eine zweite InstanzKein guter Grund: OrdnungKein guter Grund: TrendKein guter Grund: Geschwindigkeit
Getrennte Rechte nötig: Der eine darf Personaldaten sehen, der andere nicht. Mit einem Agenten ließe sich das nicht sauber trennen – das ist ein guter Grund. (1/6 erkundet)
Ein Agent, bis es nicht mehr geht. Der zweite nur bei getrennten Rechten, zu vielen Werkzeugen oder einer echten Prüfinstanz – und dann als feste Kette mit Prüfschritten, nicht als freies Zusammenspiel.

4. Ein Beispiel

Ein mittelständischer Maschinenbauer baute zunächst ein System aus vier Agenten: einer für Angebote, einer für Technik, einer für Termine und ein Verteiler. Nach drei Monaten wurde zurückgebaut. Die Gründe: Die Zuordnung durch den Verteiler lag in etwa jedem sechsten Fall daneben, die Fehlersuche war mühsam, und die Kosten lagen dreimal höher als erwartet, weil bei jeder Übergabe der Kontext erneut übertragen wurde. Heute läuft ein Agent mit neun Werkzeugen, der alle drei Gebiete abdeckt, plus ein fester Prüfschritt vor jeder Ausgabe an Kunden. Die Trefferquote stieg, die Kosten sanken, und die Fehlersuche dauert Minuten statt Stunden.

5. Häufige Fragen

Was ist mit Systemen, die sich selbst organisieren? Agenten, die frei untereinander aushandeln, wer was tut, sind ein spannendes Forschungsfeld und für den betrieblichen Einsatz derzeit ungeeignet: Das Verhalten ist kaum vorhersehbar, die Kosten schwer zu begrenzen und die Nachvollziehbarkeit gering.

Wie überwacht man mehrere Agenten? Mit einer gemeinsamen Vorgangskennung, die jede Station mitführt. So lässt sich ein Fall über alle Stationen hinweg nachvollziehen – ohne diese Kennung ist die Fehlersuche in mehrstufigen Systemen praktisch aussichtslos.

Können Agenten sich gegenseitig prüfen? Ja, und bei unstrukturierten Ergebnissen kann das helfen. Beachten Sie aber: Zwei Modelle machen teilweise dieselben Fehler. Eine Prüfung gegen feste Regeln oder durch einen Menschen ist verlässlicher.

6. Übung zum Selbermachen

Zeichnen Sie für Ihren geplanten Anwendungsfall zuerst die Lösung mit genau einem Agenten: welche Werkzeuge, welche Rechte, welcher Prüfschritt. Prüfen Sie dann ehrlich, ob einer der drei guten Gründe für einen zweiten vorliegt. Falls ja, skizzieren Sie die Übergabe mit den fünf Angaben aus der Tabelle. Falls nein – und das ist der häufigere Fall – haben Sie sich gerade viel Aufwand erspart.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Anthropic (2024/2026): Building Effective Agents – Workflows und Muster.
  2. [2]Mittelstand-Digital Zentren (2026): Mehrstufige KI-Systeme in der Praxis.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Preise und Funktionsumfang der genannten Werkzeuge ändern sich laufend – maßgeblich sind die Angaben der Anbieter.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Was ist der Regelfall?