Content & Social Media · Modul 4: KI in der Content-Produktion

Lektion 6 von 6Übung 13 Min.

Content mit KI erstellen – und kennzeichnen

Lernziele
  • KI-Werkzeuge sinnvoll im Content-Prozess einsetzen
  • gute Aufträge (Prompts) mit Kontext und eigenen Fakten formulieren
  • die Qualität KI-erstellter Inhalte sichern
  • einschätzen, wann KI-Inhalte gekennzeichnet werden müssen

KI-Werkzeuge haben die Content-Arbeit verändert. Ideen sammeln, Gliederungen entwerfen, Texte kürzen, Varianten für verschiedene Kanäle erstellen, Bilder oder Untertitel erzeugen – vieles geht heute in einem Bruchteil der Zeit. Gleichzeitig ist das Netz voller austauschbarer KI-Texte, die niemand lesen möchte. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in der Art, wie es eingesetzt wird: mit gutem Kontext, eigenen Fakten und einer sorgfältigen menschlichen Überarbeitung. Diese Lektion zeigt einen bewährten Ablauf, wie Sie gute Aufträge formulieren und wann KI-Inhalte gekennzeichnet werden müssen. Die rechtlichen Grundlagen vertieft der Kurs zum EU AI Act.

1. Wo KI hilft – und wo nicht

KI ist besonders stark bei Aufgaben, die viel Routine enthalten: Rohentwürfe schreiben, Texte kürzen oder umformulieren, Überschriften-Varianten vorschlagen, Untertitel für Videos erzeugen, einen langen Ratgeber in kurze Social-Media-Beiträge zerlegen. Schwach ist sie bei allem, was eigene Erfahrung, aktuelles Wissen über das Unternehmen und echte Einblicke verlangt. Genau diese Zutaten machen Content aber wertvoll. Die beste Arbeitsteilung lautet deshalb: Der Mensch liefert Thema, Fakten, Erfahrung und Urteil, die KI hilft beim Formulieren und Variieren.

Klick-GrafikEin Beitrag mit KI – in fünf Schritten
Thema & FaktenAuftragEntwurfÜberarbeitenFreigabe
Schritt 1/5 · Thema und Fakten: Der Mensch wählt das Thema aus dem Themenspeicher und notiert die eigenen Fakten: Preise, Erfahrungswerte, Beispiele aus dem Alltag.

2. Gute Aufträge

Definition 4.1
Prompt
Die Anweisung an ein KI-Werkzeug. Ein guter Prompt enthält Kontext (wer schreibt, für wen), Ziel und Kanal, relevante Fakten, Stilvorgaben und das gewünschte Format.

Die Qualität eines KI-Entwurfs hängt vor allem vom Auftrag ab. Ein Satz wie „Schreib einen Beitrag über Akkus“ führt zu einem generischen Text, der auf jede Website passt. Ein Auftrag mit Kontext und eigenen Fakten führt zu einem Entwurf, der fast schon nach dem Unternehmen klingt. Stellen Sie selbst einen Auftrag zusammen:

BaukastenEin guter Auftrag an die KI

Du schreibst für einen Fahrradladen mit Werkstatt in Osnabrück.

Ziel: Ein Instagram-Karussell mit 5 Folien, das erklärt, wie man einen E-Bike-Akku im Winter richtig lagert, und zum kostenlosen Akku-Check einlädt.

Fakten aus unserer Werkstatt: Lagerung bei 10–20 °C, Ladestand 30–60 %, alle 2–3 Monate nachladen, Akku-Check bis 31.12. kostenlos.

Brauchbar, aber ohne Stil- oder Formatvorgaben klingt das Ergebnis generisch.

Viele Werkzeuge erlauben, Stilvorgaben und Hintergrundwissen dauerhaft zu hinterlegen – etwa eine kurze Beschreibung des Unternehmens, der Zielgruppe und der gewünschten Ansprache. Das spart Zeit und sorgt dafür, dass alle Entwürfe einheitlich klingen. Wichtig ist dabei der Datenschutz: Kundendaten, interne Zahlen und vertrauliche Informationen gehören nicht in Werkzeuge, deren Datenverarbeitung nicht geklärt ist. Für Unternehmen empfehlen sich Geschäftskonten mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung.

3. Qualität sichern

KI-Entwürfe haben typische Schwächen. Sie klingen oft glatt und austauschbar, verwenden Floskeln wie „in der heutigen schnelllebigen Zeit“, übertreiben gern und erfinden gelegentlich Fakten, die überzeugend klingen, aber falsch sind. Deshalb gilt: Jede Zahl, jeder Preis und jede Aussage wird geprüft. Die eigene Stimme wird eingebracht – ein persönliches Beispiel, eine Beobachtung aus der Werkstatt, ein Satz, den nur dieses Unternehmen sagen würde. Und im Zweifel wird gekürzt: Die meisten KI-Texte werden besser, wenn ein Drittel gestrichen wird.

KI liefert den Entwurf, der Mensch liefert Erfahrung, Fakten und Urteil. Kein KI-Text geht ohne Prüfung und Überarbeitung raus – und keine Zahl ohne Quelle.

4. Wann gekennzeichnet werden muss

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act (Art. 50). Für Content bedeutet das vereinfacht: Deepfakes – also KI-erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, die echten Personen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlich echt wirken – müssen offengelegt werden. KI-erzeugte Texte, die über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren, müssen gekennzeichnet werden, es sei denn, sie wurden von Menschen geprüft und jemand trägt die redaktionelle Verantwortung. Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben. Für gewöhnliche Werbetexte, die ein Team überarbeitet und freigibt, sieht Art. 50 keine Kennzeichnungspflicht vor. Zusätzlich haben die Plattformen eigene Regeln: Meta, TikTok und YouTube verlangen Labels für realistische KI-Inhalte. Üben Sie die Einschätzung:

ÜbungKennzeichnen?
  1. Ein KI-erzeugtes, täuschend echtes Video, in dem der Inhaber etwas sagt, das er nie gesagt hat

  2. Ein Instagram-Text, den die KI entworfen und das Team überarbeitet und freigegeben hat

  3. Ein fotorealistisches KI-Bild einer Werkstatt, die es so nicht gibt, als „unsere Werkstatt“ gezeigt

  4. Eine klar erkennbare Illustration im Comicstil, mit KI erstellt

  5. Ein Chatbot auf der Website, der Kundenfragen beantwortet

0 von 5 eingeschätzt

Unabhängig von der Pflicht lohnt sich ein ehrlicher Umgang. Wer realistische KI-Bilder als echte Fotos ausgibt, riskiert Vertrauen, wenn es auffällt. Für Einblicke in das Unternehmen sind echte Fotos ohnehin wirkungsvoller. Diese Lektion ersetzt keine Rechtsberatung; die Einzelheiten und Ausnahmen behandelt der Kurs zum EU AI Act.

5. Werkzeuge im Überblick

Tab. 4.1Typische KI-Einsätze im Content
AufgabeNutzenWorauf achten
Ideen und Gliederungenschneller Startmit eigenen Kundenfragen abgleichen
Rohentwürfe und VariantenZeitersparnis beim SchreibenFakten prüfen, eigene Stimme ergänzen
Texte kürzen und umformulierenpassende Fassungen je KanalKernaussage erhalten
Untertitel für VideosBarrierefreiheit, Reichweite ohne TonNamen und Fachbegriffe korrigieren
Bilder und GrafikenIllustrationen ohne Fotoshootingkeine realistischen Fälschungen, Rechte und Labels prüfen

6. Ein Beispiel

Eine Zahnarztpraxis nutzt ein KI-Werkzeug mit Geschäftskonto für ihre Inhalte. Hinterlegt sind eine kurze Beschreibung der Praxis, der Zielgruppe und der Ansprache: ruhig, erklärend, ohne Fachbegriffe, Sie-Form. Für jeden Beitrag notiert die Praxismanagerin Thema und Fakten, lässt einen Entwurf erstellen und überarbeitet ihn gemeinsam mit einer Zahnärztin, die alle medizinischen Aussagen prüft. Patientendaten werden nie eingegeben. Bilder sind echte Fotos aus der Praxis; lediglich Illustrationen zu Zahnaufbau und Putztechnik entstehen mit KI und sind klar als Grafik erkennbar. So spart die Praxis pro Beitrag etwa die Hälfte der Zeit, ohne dass die Inhalte an Qualität oder Glaubwürdigkeit verlieren.

7. Eine KI-Richtlinie für das Team

Sobald mehrere Personen mit KI-Werkzeugen arbeiten, lohnt sich eine kurze gemeinsame Richtlinie. Sie legt fest, welche Werkzeuge mit welchem Konto genutzt werden, welche Daten niemals eingegeben werden, wer Entwürfe prüft und freigibt, wann gekennzeichnet wird und wie mit Bildern von Personen umgegangen wird. Eine Seite genügt. Die Richtlinie schafft Sicherheit für alle Beteiligten, verhindert, dass vertrauliche Informationen in private Konten wandern, und unterstützt zugleich die Pflicht aus dem AI Act, Maßnahmen zur KI-Kompetenz im Unternehmen zu ergreifen. Wer sie mit einer kurzen Schulung verbindet, macht aus einzelnen Experimenten einen verlässlichen Arbeitsablauf.

8. Grenzen und Verantwortung

So hilfreich KI ist, sie ersetzt keine Verantwortung. Für jeden veröffentlichten Inhalt haftet das Unternehmen, unabhängig davon, wie er entstanden ist. Falsche Gesundheitsversprechen, unzutreffende Preisangaben oder fremde Markenzeichen in KI-Bildern können rechtliche Folgen haben. Deshalb gehören sensible Aussagen – etwa zu Gesundheit, Finanzen oder rechtlichen Fragen – immer in die Prüfung durch eine fachkundige Person. Auch das Urheberrecht verdient Aufmerksamkeit: KI-Bilder sollten keine erkennbaren Werke anderer, echte Personen oder geschützte Logos nachahmen. Wer diese Grenzen kennt und respektiert, kann KI mit gutem Gewissen einsetzen und profitiert von der gewonnenen Zeit, ohne neue Risiken einzugehen.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 4 und Art. 50; geändert durch Verordnung (EU) 2026/1744 (AI Omnibus).
  2. [2]Europäische Kommission (2026): Leitlinien und Verhaltenskodex zu den Transparenzpflichten nach Art. 50 KI-Verordnung.
  3. [3]Meta (2026): Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten auf Facebook und Instagram. about.fb.com.
  4. [4]TikTok (2026): Richtlinien zu KI-generierten Inhalten. support.tiktok.com.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Plattformen ändern Funktionen, Formate und Algorithmen häufig – maßgeblich sind die aktuellen Angaben der Anbieter.

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