Content & Social Media · Modul 4: KI in der Content-Produktion

Lektion 5 von 6Übung 16 Min.

Ein eigener Content-Assistent

Lernziele
  • einen wiederverwendbaren Assistenten zusammenstellen
  • Pflichtbausteine von optionalen unterscheiden
  • Grenzen gegen erfundene Angaben setzen
  • den Assistenten im Alltag pflegen

Wer bei jedem Beitrag neu erklärt, wer er ist und wie er schreibt, verschenkt Zeit und bekommt schwankende Ergebnisse. Ein eigener Assistent löst beides: Sie beschreiben sich einmal gründlich und rufen das Ergebnis danach ab.

1. Die Bausteine

BaukastenDen Assistenten zusammensetzen
## Rolle und Aufgabe
Du unterstützt mich beim Schreiben von Fachbeiträgen für [Branche]. Du schreibst keine fertigen Texte, sondern lieferst Gliederungen, kürzt und schlägst Formulierungen vor.

## Stilvorgabe
Siezen, sachlich, keine Ausrufezeichen. Satzlänge wechselnd, im Schnitt unter 18 Wörtern. Verbotene Wörter: essenziell, ganzheitlich, innovativ, Synergie. Keine Dreierlisten.

## Wissen über den Betrieb
Wir sind ein Betrieb mit 40 Mitarbeitern in [Region]. Unsere Kunden sind [Zielgruppe]. Typische Anlässe: [aus Modul 1]. Themen, über die wir nicht sprechen: Preise, laufende Projekte, Kundennamen.

## Grenzen
Erfinde nie Zahlen, Normen, Studien oder Zitate. Wenn dir eine Angabe fehlt, schreibe [BELEG FEHLT] statt einer Schätzung.
Speichern Sie das Ergebnis als eigenen Assistenten oder als Textdatei, die Sie jedem Auftrag voranstellen. Einmal gebaut, spart es bei jedem Beitrag die Erklärung.

2. Wo ein solcher Assistent lebt

Drei Möglichkeiten, von einfach nach aufwendig. Eine Textdatei, die Sie jedem Auftrag voranstellen – funktioniert überall und kostet nichts. Ein eigener Assistent in der Oberfläche Ihres Anbieters, der die Vorgaben dauerhaft speichert. Oder eine eigene Anwendung über die Schnittstelle, wenn mehrere Personen im Betrieb damit arbeiten sollen.

Für die meisten Betriebe genügt die zweite Variante. Die dritte lohnt erst, wenn der Assistent auf eigene Dokumente zugreifen soll – der Kurs KI-Entwicklung behandelt das unter dem Stichwort RAG.

3. Der wichtigste Baustein: die Grenzen

Die Anweisung, bei fehlenden Angaben [BELEG FEHLT] zu schreiben statt zu schätzen, verändert die Arbeit erheblich. Statt plausibler Zahlen, die Sie mühsam prüfen müssen, sehen Sie sofort, wo etwas fehlt.

Ergänzen Sie zwei weitere Grenzen: keine Kundennamen, keine Preise. Beides rutscht sonst in Entwürfe hinein und wird beim schnellen Durchsehen übersehen.

Ein Assistent ist kein Autor. Er liefert Gliederungen, kürzt und schlägt Formulierungen vor. Sobald Sie ihn fertige Beiträge schreiben lassen, sind Sie zurück bei dem Problem aus Lektion 1 – austauschbare Texte ohne eigenen Inhalt.

4. Pflegen statt einmal bauen

Tab. 5.1Wartung des Assistenten
WannWas
Nach jedem missglückten ErgebnisEine Zeile zur Vorgabe ergänzen, die genau diesen Fehler ausschließt
MonatlichDie Liste verbotener Wörter erweitern – sie wächst mit der Erfahrung
QuartalsweiseTextproben austauschen gegen neuere eigene Beiträge
Bei ModellwechselVorgabe einmal komplett gegenlesen, Formulierungen wirken unterschiedlich

5. Datenschutz

In die Vorgabe gehören keine personenbezogenen Daten: keine Kundennamen, keine Mitarbeiterdaten, keine internen Zahlen, die niemanden etwas angehen. Die Beschreibung Ihres Betriebs darf allgemein bleiben – für den Stil genügt es.

Wenn mehrere Personen mit dem Assistenten arbeiten, halten Sie schriftlich fest, was nicht hineingegeben werden darf. Das ist derselbe Punkt wie in der KI-Richtlinie aus dem Kurs zur KI-Verordnung.

6. Häufige Fragen

Wie lang darf die Vorgabe sein? Ein bis zwei Seiten sind unproblematisch und führen zu deutlich besseren Ergebnissen als drei Sätze. Deutlich längere Vorgaben werden teilweise ungenau befolgt.

Braucht jeder Mitarbeiter einen eigenen? Nein – eine gemeinsame Stil- und Grenzvorgabe, ergänzt um persönliche Textproben je Person. So bleibt die Betriebsstimme einheitlich und die persönliche erkennbar.

Was, wenn die Ergebnisse trotzdem schwanken? Meist fehlt das Beispiel. Fügen Sie der Vorgabe einen Beitrag bei, der genau so aussieht, wie Sie es wollen – ein gutes Beispiel wirkt stärker als zehn Regeln.

7. Übung zum Selbermachen

Bauen Sie Ihren Assistenten aus allen sechs Bausteinen und testen Sie ihn an einem Thema, das Sie bereits geschrieben haben. Vergleichen Sie die Gliederung mit Ihrer eigenen. Wo sie abweicht, prüfen Sie, ob die Vorgabe unklar war – und ergänzen Sie eine Zeile. Nach drei solchen Durchgängen ist der Assistent brauchbar.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Anthropic (2026): Prompt Engineering Guide – System Prompts.
  2. [2]Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 4 – KI-Kompetenz.

Stand: September 2026. Plattformregeln und Reichweitenmechanik ändern sich laufend – prüfen Sie Zahlenangaben an Ihren eigenen Werten.

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