Ein Sideboard in 180 statt 160 Zentimetern, die Front in Eiche statt Weiß, die Griffe in Messing: Maßanfertigung ist das stärkste Argument von Schreinereien und Möbelherstellern – und zugleich das schwierigste online. Denn ein Möbel, das es in tausend Varianten gibt, lässt sich nicht in tausend Fotos zeigen. Ein Möbelkonfigurator löst das. Kunden stellen ihr Möbel selbst zusammen, sehen es sofort in 3D und schicken eine Anfrage, in der jedes Maß schon steht. Dieser Beitrag zeigt, was ein Möbelkonfigurator leisten sollte, wie aus der Konfiguration Fertigungsdaten werden und wie Sie klein anfangen.
Warum Maßmöbel online so schwer zu verkaufen sind
Wer ein Möbel nach Maß sucht, hat meist eine Nische, eine Wand oder einen Raum im Kopf. Die Frage ist nicht „gefällt mir das?“, sondern „passt das bei mir, und wie sieht es in meiner Farbe aus?“. Ein Katalog mit Beispielbildern beantwortet das nicht. Also beginnt das Hin und Her: Maße per Mail, ein Foto der Wand, eine Skizze vom Betrieb, eine zweite Skizze mit anderer Front. Bis ein Angebot steht, vergehen Tage, und viele Interessenten springen in dieser Zeit ab oder kaufen ein Möbel von der Stange, das sie sofort sehen konnten.
Dazu kommt die schiere Zahl der Varianten. Schon wenige Breiten, Höhen und Oberflächen ergeben Tausende Kombinationen. Fotografieren kann man sie nicht, beschreiben kaum. Probieren Sie es selbst aus:
Maße sind im 3D-Modell keine eigenen Bausteine, sondern Regeln: Das Möbel wird für jede Breite neu berechnet.
Ein 3D-Modell arbeitet anders als ein Fotoarchiv. Es besteht aus Bausteinen – Oberflächen, Fronten, Griffe – und aus Regeln, die das Möbel für jedes Maß neu berechnen. Neue Varianten kosten deshalb kein neues Foto, sondern einen neuen Baustein.
Was ein Möbelkonfigurator können sollte
Maße mit Grenzen
Kunden geben Breite, Höhe und Tiefe ein – aber nur innerhalb dessen, was Sie fertigen. Liegt ein Maß außerhalb, sagt der Konfigurator das sofort, statt eine unmögliche Anfrage durchzulassen. Wie solche Regeln aufgebaut sind, beschreibt der Beitrag Regeln im Produktkonfigurator.
Material und Oberfläche im echten Bild
Eiche ist nicht gleich Eiche. Ein guter Konfigurator zeigt Maserung, Glanzgrad und Farbe so, dass Kunden einen Eindruck bekommen, der der Wirklichkeit nahekommt. Musterplatten im Laden ersetzt er nicht, aber er sorgt dafür, dass Kunden mit einer klaren Vorstellung kommen.
Regeln, die mitdenken
Ab einer bestimmten Breite braucht ein Sideboard eine dritte Tür, ab einer bestimmten Höhe eine Mittelwand, bestimmte Griffe passen nicht zu grifflosen Fronten. Diese Regeln stecken heute im Kopf Ihrer Mitarbeiter. Im Konfigurator arbeiten sie automatisch – der Kunde sieht nur Kombinationen, die Sie auch bauen.
Eine Anfrage, die alles enthält
Am Ende steht keine Nachricht „Bitte um Angebot“, sondern eine vollständige Beschreibung: Maße, Oberflächen, Ausstattung, Ansichten. Welche Angaben dazugehören, zeigt der Beitrag Die perfekte Konfigurator-Anfrage.
Wie sich das anfühlt, zeigt ein Sideboard im Kleinen. Breite, Oberfläche und Griffe lassen sich wählen, die Zahl der Türen folgt der Breite:
Von der Konfiguration zur Fertigung
Für Schreinereien liegt der größte Hebel oft gar nicht im Verkauf, sondern dahinter. Wenn der Konfigurator die Maße und Regeln kennt, kann er auch berechnen, welche Teile das Möbel braucht: Seitenwände, Böden, Rückwand, Fachböden – jeweils mit Maß und Stückzahl. Aus dieser Liste entstehen Zuschnitt, Kalkulation und bei Bedarf Daten für die CNC-Fertigung. Was heute jemand aus einer Skizze abliest, liegt dann schon vor, bevor das erste Gespräch beginnt.
| Teil | Stück | Maß (mm) |
|---|---|---|
| Seitenwand | 2 | 800 × 400 × 19 |
| Ober- und Unterboden | 2 | 1.162 × 400 × 19 |
| Mittelwand | 1 | 762 × 392 × 19 |
| Fachboden | 4 | 570 × 382 × 19 |
| Rückwand | 1 | 1.196 × 796 × 8 |
Plattenfläche gesamt: 3,69 m²
Wichtig ist dabei: Die Regeln im Konfigurator müssen dieselben sein wie in Ihrer Werkstatt. Plattenstärken, Kantenzugaben, Mindestmaße für Fachböden – das sind Ihre Werte, nicht die einer Software. Genau deshalb lohnt sich bei Maßmöbeln oft eine individuelle Lösung statt eines Standardprodukts. Den ehrlichen Vergleich finden Sie im Beitrag Konfigurator-Software oder individuelle Entwicklung.
Preis zeigen oder nicht?
Bei Möbeln fragen Kunden früh nach dem Preis. Ein Richtpreis, der sich mit jeder Auswahl ändert, kann Erwartungen klären und unpassende Anfragen herausfiltern. Gleichzeitig hängt der endgültige Preis oft von Details ab, die erst im Gespräch klar werden. Beides lässt sich umsetzen: mit Richtpreis, mit einer Preisspanne oder ganz ohne. Was für Sie passt, beschreibt der Beitrag Richtpreis im Konfigurator.
Im Laden und auf dem Sofa
Ein Möbelkonfigurator ist nicht nur für die Website. In der Ausstellung läuft derselbe Konfigurator auf einem Tablet oder großen Bildschirm. Im Beratungsgespräch stellen Sie das Möbel gemeinsam mit dem Kunden zusammen, und er nimmt einen Link mit nach Hause, über den er die Konfiguration wieder öffnen und mit der Familie besprechen kann. So geht keine Beratung verloren, und die Anfrage kommt später mit genau den Angaben zurück, die im Laden besprochen wurden.
Klein anfangen
Sie müssen nicht Ihr ganzes Sortiment auf einmal in 3D bringen. Beginnen Sie mit der Produktlinie, die am häufigsten nachgefragt wird und die meisten Varianten hat – ein Sideboard, ein Regal, eine Garderobe. An ihr zeigt sich, welche Regeln wichtig sind, welche Optionen Kunden wirklich nutzen und wie die Anfragen ankommen. Danach folgen weitere Möbel mit denselben Bausteinen.
Für das 3D-Modell reichen in der Regel die Daten aus Ihrer Möbel-CAD oder Konstruktionszeichnungen. Fehlen sie, entsteht das Modell nach Fotos und Maßen. Wie Konstruktionsdaten für den Browser aufbereitet werden, erklärt die Anleitung CAD-Daten fürs Web aufbereiten. Wenn Sie in WooCommerce verkaufen, zeigt WooCommerce mit 3D-Konfigurator, wie das technisch zusammenspielt. Wie wir ein Konfigurator-Projekt angehen, beschreibt die Seite Produktkonfigurator entwickeln lassen.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Möbelkonfigurator auch für eine kleine Schreinerei?
Wenn ein Großteil Ihrer Aufträge Maßanfertigungen nach ähnlichem Muster sind, oft ja. Schon eine Produktlinie im Konfigurator spart Rückfragen und bringt Anfragen mit vollständigen Maßen. Für reine Einzelstücke ohne wiederkehrende Bauweise lohnt es sich weniger.
Wie realistisch sehen Holzoberflächen in 3D aus?
Mit guten Texturen und Licht sehr nah an der Wirklichkeit, vor allem bei Maserung und Glanz. Farben weichen je nach Bildschirm etwas ab. Ein kurzer Hinweis darauf und die Möglichkeit, Muster anzufordern, gehören deshalb dazu.
Kann der Konfigurator Daten für unsere CNC liefern?
Grundsätzlich ja, wenn die Regeln Ihrer Werkstatt im Konfigurator abgebildet sind. Ob direkt Maschinendaten entstehen oder zunächst eine Stückliste, hängt von Ihrer Software ab und wird im Projekt geklärt.
Läuft der Konfigurator auch auf dem Handy?
Ja. Er läuft im Browser ohne App, wird für das Handy zuerst gebaut und auf echten Geräten getestet.
Wie lange dauert ein Möbelkonfigurator?
Für eine Produktlinie rechnen Sie mit einigen Wochen bis wenigen Monaten, je nach Zahl der Varianten, Regeln und Schnittstellen. Früh im Projekt sehen Sie einen Prototyp und entscheiden am Modell.



