- Entwürfe in Runden erzeugen statt einzeln
- eine Auswahl so begründen, dass die nächste Runde besser wird
- festlegen, was zwischen den Runden eingefroren wird
- erkennen, wann weiteres Verzweigen nichts mehr bringt
Wer ein Sprachmodell um einen Entwurf bittet, bekommt einen Entwurf – und steht dann vor der Frage, ob der gut ist. Ohne Vergleich lässt sich das nicht beantworten. Die wirksamste Arbeitsweise mit KI im Entwurf ist deshalb eine andere: In jeder Runde entstehen mehrere Vorschläge, Sie wählen einen aus und begründen die Wahl, und auf dieser Grundlage entsteht die nächste Runde. Diese Lektion zeigt das Verfahren im Detail.
1. Das Grundmuster
Das Verfahren heißt in der Gestaltungsarbeit Verzweigen und Verdichten: erst die Möglichkeiten auffächern, dann zusammenführen. Neu ist daran nichts – Gestalter arbeiten seit jeher so. Neu ist, dass das Auffächern nun Minuten statt Tage kostet, und dass es sich deshalb mehrmals hintereinander lohnt.
2. Der Ablauf zum Ausprobieren
Spielen Sie die drei Runden einmal durch. Achten Sie darauf, wie sich die Art der Entscheidung ändert: In Runde 1 wählen Sie eine Richtung, in Runde 2 eine Ausprägung, in Runde 3 nur noch ein Detail.
Runde 1 · breit auffächern
Runde 1 von 3
Drei grundsätzlich verschiedene Ansätze. Noch keine Details – die drei müssen sich in der Annahme unterscheiden, nicht in der Gestaltung.
Neun Entwürfe in drei Runden – aber nie mehr als drei gleichzeitig zu beurteilen. Genau das ist der Grund, warum dieses Verfahren funktioniert und „Gib mir zwanzig Vorschläge“ nicht: Menschen vergleichen drei Dinge zuverlässig, zwanzig nicht.
3. Die Anweisungen
Die Qualität der Vorschläge hängt fast vollständig an der Formulierung. Vier Beispiele, drei davon gut:
Entwirf mir eine schöne Startseite für einen Hallenbauer.
Ein einzelner Vorschlag, kein Vergleich möglich, kein Kriterium. Das Ergebnis sieht gefällig aus und lässt sich weder beurteilen noch begründen. Außerdem fehlt jede Angabe darüber, wer die Seite besucht und was er erreichen will.
4. Was eingefroren wird
Der häufigste Frust bei der Arbeit mit KI im Entwurf: Man verbessert eine Stelle, und drei andere verändern sich ungefragt mit. Das liegt nicht am Modell, sondern an der fehlenden Angabe darüber, was bleiben soll. Benennen Sie in jeder Runde ausdrücklich, was unverändert bleibt – und zwar bevor Sie sagen, was sich ändern soll.
| Runde | Wird entschieden | Wird eingefroren | Bleibt offen |
|---|---|---|---|
| 1 | Der grundsätzliche Ansatz | Zielgruppe und Ziel | Aufbau, Reihenfolge, Gestaltung |
| 2 | Die Ausprägung des Ansatzes | Ansatz aus Runde 1 | Anordnung, Darstellung, Details |
| 3 | Eine einzelne Darstellungsfrage | Aufbau und Logik aus Runde 2 | nur das eine variierte Element |
| danach | nichts mehr – es wird gebaut und getestet | das gesamte Konzept | was der Test ergibt |
5. Wann man aufhört
Drei Runden sind in der Praxis der Regelfall. Ab der vierten passieren fast immer zwei Dinge: Die Unterschiede zwischen den Vorschlägen werden so klein, dass die Wahl zur Geschmacksfrage wird, und die Begründungen werden beliebig. Beides sind Zeichen, dass die Grenze erreicht ist – nicht Anlass für eine fünfte Runde.
Hören Sie außerdem auf, sobald sich die offene Frage nur noch mit echten Menschen klären lässt. „Verstehen Besucher die Kategorie Umbau?“ ist keine Frage an ein Modell, sondern an fünf Personen. Zu dieser Stelle kommen Sie mit diesem Verfahren schneller als mit jeder anderen Arbeitsweise – das ist sein eigentlicher Gewinn.
6. Wo es schiefgeht
| Fehler | Woran man ihn merkt | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Drei Varianten derselben Idee | Die Vorschläge unterscheiden sich nur in Farbe und Anordnung | Ausdrücklich verlangen, dass sich die zugrunde liegende Annahme unterscheidet |
| Wahl ohne Begründung | Runde 2 liefert fast dasselbe wie Runde 1 | Immer benennen, was gefällt und was fehlt |
| Nichts eingefroren | Entschiedenes verändert sich in jeder Runde wieder | Vor jeder Runde aufzählen, was unverändert bleibt |
| Zu lange verzweigt | Ab Runde vier wird die Wahl zur Geschmacksfrage | Nach drei Runden bauen und testen |
7. Ein Beispiel
Ein Yogastudio wollte seine Kursbuchung überarbeiten. Runde 1 brachte drei Ansätze: Kalenderansicht, Auswahl nach Kursart, Auswahl nach freier Zeit im Tagesablauf. Die Wahl fiel auf den dritten mit der Begründung, dass Teilnehmer nach ihrem Feierabend suchen und nicht nach Kursnamen – eine Erkenntnis aus vier Gesprächen an der Rezeption. Runde 2 fächerte diesen Ansatz auf: nach Tageszeit, nach Wochentag, nach freien Plätzen in den nächsten 48 Stunden. Gewählt wurde die Tageszeit, weil sie ohne Vorwissen funktioniert. Runde 3 klärte nur noch, wie die Zeitfenster benannt werden – „früh, mittags, abends“ gegen Uhrzeiten gegen beides. Diese letzte Frage ging dann an sechs Teilnehmer und war in zwanzig Minuten entschieden. Gesamtdauer bis zum Testaufbau: ein halber Tag.
8. Häufige Fragen
Funktioniert das auch für Bilder und Oberflächen, nicht nur für Text? Ja, und dort besonders gut, weil der Vergleich noch schneller geht. Das Verfahren bleibt identisch; nur werden die Vorschläge angesehen statt gelesen.
Muss es immer drei Vorschläge sein? Drei ist der bewährte Wert. Zwei erzeugen ein Duell mit Bauchentscheidung, ab fünf sinkt die Sorgfalt je Vorschlag spürbar.
Was, wenn mir in Runde 1 keiner gefällt? Dann ist meist die Frage falsch gestellt – gehen Sie zurück zur Problemstellung. Eine weitere Runde mit derselben Anweisung bringt dieselbe Art von Vorschlägen.
Wem gehört das Ergebnis? An rein maschinell erzeugtem Material entsteht in Deutschland kein Urheberrecht, weil die menschliche Schöpfung fehlt. In diesem Verfahren treffen Sie jedoch die gestalterischen Entscheidungen – je nachvollziehbarer Sie sie dokumentieren, desto eher liegt eine eigene schöpferische Leistung vor. Ausführlich in der letzten Lektion dieses Moduls.
9. Übung zum Selbermachen
Nehmen Sie eine Seite, die Sie ohnehin überarbeiten wollen. Formulieren Sie die Anweisung für Runde 1 nach dem Muster aus Abschnitt 3 – mit Zielgruppe, Ziel und der ausdrücklichen Vorgabe, dass sich die Annahmen unterscheiden sollen. Wählen Sie einen Ansatz und schreiben Sie zwei Sätze: was Ihnen gefällt und was fehlt. Führen Sie Runde 2 und 3 durch und halten Sie dabei je Runde fest, was Sie eingefroren haben. Notieren Sie zum Schluss die eine Frage, die sich nur mit echten Menschen klären lässt – und klären Sie sie.
- [1]Dow, S. et al. (2010): Parallel Prototyping Leads to Better Design Results. ACM Transactions on Computer-Human Interaction.
- [2]Nielsen Norman Group (2026): Using Generative AI in the UX Design Process.
- [3]Buxton, B. (2007): Sketching User Experiences – Getting the Design Right and the Right Design. Morgan Kaufmann.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.