- Anweisungen aus fünf Bestandteilen aufbauen
- Vorschläge vergleichbar machen
- typische Schwächen erzeugter Ideen erkennen
- eigenes Material als Vorgabe einsetzen
Die häufigste Enttäuschung im Umgang mit KI lautet: Die Ergebnisse sind beliebig. Fast immer liegt das an der Anweisung, nicht am Modell. Diese Lektion zeigt, woraus eine brauchbare Anweisung besteht – und warum die üblichen Ratschläge zur Rollenzuweisung deutlich weniger bringen als gedacht.
1. Fünf Bestandteile
Ziel: mehr qualifizierte Anfragen mit Maßangabe. Für Betriebe, die zum ersten Mal bauen und die Kosten nicht einschätzen können.
Es fehlen noch: Zwänge, Form der Antwort, Menge
Ziel: Ohne Ziel entstehen Vorschläge, die gut aussehen und nichts bewirken sollen. Der wichtigste einzelne Bestandteil.
Die Formvorgabe wird am häufigsten weggelassen und ist der wirksamste Hebel. „Je Ansatz fünf Zeilen: Aufbau, Annahme, Risiko“ zwingt zu Vergleichbarkeit – ohne diese Vorgabe bekommen Sie drei unterschiedlich aufgebaute Texte, die sich nicht nebeneinanderlegen lassen.
2. Warum die Rolle überschätzt wird
Der Ratschlag, dem Modell eine Rolle zuzuweisen, stammt aus einer früheren Generation von Sprachmodellen. Bei heutigen Modellen ist die Wirkung gering, während Ziel, Zielgruppe und Zwänge messbar den Unterschied machen. Wer die Zeit lieber in eine genaue Beschreibung der Ausgangslage steckt, bekommt bessere Ergebnisse als mit jeder Rollenformel.
Wirksam ist dagegen etwas anderes: eigenes Material mitgeben. Zwei echte Kundenanfragen, ein Auszug aus den Suchbegriffen, die tatsächlichen Leistungsbeschreibungen – das verankert die Vorschläge in Ihrer Wirklichkeit statt in allgemeinen Mustern.
3. Typische Schwächen erzeugter Ideen
| Schwäche | Woran erkennbar | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Gefälligkeit | Alle Vorschläge sind unauffällig und vertretbar | Ausdrücklich nach einem Ansatz fragen, der eine Gruppe bewusst ausschließt |
| Mittelwert | Die Ideen wirken wie der Durchschnitt aller Branchenseiten | Eigene Besonderheiten und Zwänge in die Anweisung geben |
| Scheingenauigkeit | Zahlen und Fachbegriffe wirken belegt, sind es aber nicht | Jede Zahl prüfen; erfundene Belege kommen häufig und unauffällig |
| Zu viel auf einmal | Jeder Vorschlag enthält fünf Funktionen | Begrenzung vorgeben: „Ein Ansatz darf genau eine Neuerung enthalten“ |
Die erste Schwäche ist die schwerwiegendste, weil sie unsichtbar bleibt. Modelle bevorzugen Antworten, die breit zustimmungsfähig sind – und gute Konzepte sind das selten. Wer Schärfe will, muss sie ausdrücklich verlangen.
4. Ein Arbeitsablauf
Bewährt hat sich eine Reihenfolge in vier Schritten. Zuerst geben Sie Ausgangslage und Ziel mit und lassen sich die Aufgabenstellung zurückformulieren – Abweichungen zeigen Missverständnisse, bevor Arbeit entsteht. Dann verlangen Sie drei Ansätze nach Formvorgabe. Anschließend wählen Sie einen aus und begründen die Wahl, wie in der Lektion zum Verzweigen beschrieben. Zum Schluss lassen Sie den gewählten Ansatz gegen Ihre Ziele prüfen: „Welche unserer drei Ziele bedient dieser Ansatz nicht?“
Der letzte Schritt ist ungewöhnlich und lohnt sich, weil das Modell dabei gegen den eigenen Vorschlag argumentiert – etwas, das Menschen deutlich schwerer fällt.
5. Häufige Fragen
Darf man vertrauliche Unterlagen mitgeben? Nur nach Prüfung. Bei Geschäftsgeheimnissen und personenbezogenen Daten kommt es auf den Anbieter und den Vertrag an. Der einfache Weg: anonymisieren und Beispieldaten verwenden.
Sind mehrere Modelle besser als eines? Für Varianten ja. Verschiedene Modelle haben verschiedene Vorlieben, und zwei Ansätze aus zwei Quellen unterscheiden sich meist stärker als zwei aus derselben.
Wie lang darf eine Anweisung sein? So lang wie nötig. Zehn Zeilen Ausgangslage sind kein Problem – sie sind der Unterschied zwischen beliebigen und brauchbaren Vorschlägen.
6. Übung zum Selbermachen
Schreiben Sie dieselbe Anfrage zweimal: einmal in einem Satz, einmal mit allen fünf Pflichtbestandteilen und einem Absatz echter Ausgangslage. Vergleichen Sie die Ergebnisse nebeneinander. Markieren Sie im zweiten Ergebnis jede Aussage, die konkret auf Ihren Fall passt – im ersten werden es kaum welche sein. Diese Gegenüberstellung überzeugt zuverlässiger als jede Anleitung.
- [1]Nielsen Norman Group (2026): Prompting Techniques for Design Work.
- [2]Anthropic (2026): Prompt Engineering – Guidelines for Claude.
- [3]Dow, S. et al. (2010): Parallel Prototyping Leads to Better Design Results. ACM ToCHI.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.