UX-Konzeption · Modul 7: KI im UX-Prozess

Lektion 1 von 7Übung 14 Min.

Wo KI im Entwurf wirklich hilft

Lernziele
  • Einsatzmöglichkeiten nach Nutzen und Risiko einordnen
  • die Grenze zwischen Material und Entscheidung ziehen
  • KI in den bestehenden Ablauf einordnen
  • den eigenen Anteil an der Arbeit benennen

KI verändert die Entwurfsarbeit an bestimmten Stellen erheblich und an anderen überhaupt nicht. Dieses Modul behandelt beides – zuerst die Übersicht, danach die einzelnen Anwendungen in eigenen Lektionen. Der Grundgedanke durchzieht alle: KI erzeugt Material, Menschen treffen Entscheidungen.

1. Die Einordnung

ErkundenSieben Einsatzmöglichkeiten im Vergleich
Risiko →Nutzen →Varianten erzeugenInterface-Texte entwerfenPrototypen bauenRückmeldungen auswertenEntwürfe gegenprüfenNutzerforschung ersetzenEntscheidungen treffen

Varianten erzeugen: Der stärkste Einsatz. In Minuten entstehen Ansätze, für die früher Tage nötig waren – und mehr Ansätze bedeuten eine echte Wahl statt einer Überzeugung.

Nutzen und Risiko sind Einschätzungen aus der Praxis, Stand September 2026. Die beiden untersten Zeilen ändern sich absehbar nicht – sie betreffen Verantwortung, nicht Technik.

Auffällig ist der obere linke Bereich: Dort liegen die Anwendungen, bei denen viel Material entsteht und niemand zu Schaden kommt, wenn etwas davon unbrauchbar ist. Das ist der natürliche Ort für KI im Entwurf – überall dort, wo Menge hilft und die Auswahl beim Menschen bleibt.

2. Warum Varianten der beste Einsatz sind

Im Ideenmodul war die Kernaussage: Wer nur eine Idee hat, hat keine Wahl, sondern eine Überzeugung. Der Grund, warum trotzdem so oft mit einer einzigen Idee weitergearbeitet wird, ist schlicht der Aufwand – drei ausgearbeitete Varianten kosteten früher Tage. Genau diese Hürde fällt weg.

Dass die Entwürfe einzeln betrachtet nicht besser sind als die eines erfahrenen Gestalters, spielt dabei keine Rolle. Der Gewinn liegt nicht in der Qualität des einzelnen Vorschlags, sondern darin, dass überhaupt verglichen werden kann.

Der Nutzen von KI im Entwurf steckt in der Menge und der Geschwindigkeit, nicht in der Qualität einzelner Ergebnisse. Wer sie als besseren Gestalter einsetzt, wird enttäuscht; wer sie als schnelleren Zeichner einsetzt, gewinnt Zeit für die Entscheidungen.

3. Was gleich bleibt

Tab. 1.1Was KI nicht verändert
AufgabeWarum sie beim Menschen bleibt
Das Problem richtig stellenEin Modell kennt den Betrieb nicht und übernimmt die Formulierung, die es bekommt – auch die falsche
Mit Nutzern sprechenErfundene Antworten bestätigen Annahmen, statt sie zu prüfen
Ziele festlegenZiele sind unternehmerische Entscheidungen mit Folgen
Zwischen Varianten entscheidenSetzt Kenntnis der Zwänge und der Kosten eines Irrtums voraus
Verantwortung tragenLässt sich nicht delegieren – weder an ein Werkzeug noch an einen Dienstleister

Diese Tabelle ist keine Warnung vor der Technik, sondern eine Arbeitsteilung. Sie beschreibt zugleich, worin der Wert von Konzeptionsarbeit künftig liegt: nicht im Zeichnen, sondern im Fragen, Auswählen und Begründen.

4. Wo KI in den Ablauf gehört

Der Kurs hat acht Module, und KI ist in fünf davon nützlich. In der Zielklärung hilft sie beim Formulieren und Schärfen, nicht beim Festlegen. In der Ideenarbeit erzeugt sie Varianten. In der Informationsarchitektur schlägt sie Gruppierungen und Benennungen vor, die mit echten Menschen zu prüfen sind. Bei Wireframes und Oberflächen beschleunigt sie das Zeichnen. Und beim Testen hilft sie, Rückmeldungen zu ordnen.

In drei Modulen ist ihr Beitrag gering: bei der Nutzerforschung, bei Entscheidungen und bei der Abstimmung im Team. Das sind genau die Stellen, an denen es um Menschen und Verantwortung geht.

5. Häufige Fragen

Ersetzt das den Gestalter? Es ersetzt einen Teil der Ausführung. Was bleibt, ist die Arbeit, die den Ausschlag gibt: das Problem klären, Varianten beurteilen, mit Menschen prüfen, Entscheidungen begründen. Wer nur ausführt, spürt die Veränderung; wer konzipiert, gewinnt Zeit.

Muss man Entwürfe kennzeichnen, die mit KI entstanden sind? Gegenüber Kunden ist Offenheit ratsam, gesetzlich vorgeschrieben ist es bei Entwürfen nicht. Anders liegt es bei täuschend echten Bildern und Videos – dazu mehr in der letzten Lektion dieses Moduls.

Welche Werkzeuge? Die Lektionen nennen bewusst Verfahren statt Produktnamen. Anbieter wechseln, das Vorgehen bleibt – und ein Verfahren, das nur mit einem bestimmten Produkt funktioniert, taugt nicht für die Praxis.

6. Übung zum Selbermachen

Nehmen Sie Ihr letztes Website-Projekt und gehen Sie die acht Module dieses Kurses durch. Notieren Sie je Modul, wie viele Stunden Sie damit verbracht haben und wie viele davon reine Ausführung waren – zeichnen, tippen, anordnen. Diese Zahl ist Ihr realistisches Einsparpotenzial. Bei den meisten liegt sie zwischen einem Viertel und einem Drittel, nicht bei der Hälfte.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Nielsen Norman Group (2026): Generative AI in the UX Workflow.
  2. [2]Dow, S. et al. (2010): Parallel Prototyping Leads to Better Design Results. ACM ToCHI.
  3. [3]Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung) – Transparenzpflichten.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Worin liegt der Nutzen von KI im Entwurf?