- Mikrotexte als eigene Aufgabe erkennen
- KI für Textvarianten einsetzen
- Vorschläge auf Verständlichkeit prüfen
- eine einheitliche Tonalität festlegen
Jede Oberfläche spricht: auf Knöpfen, in Fehlermeldungen, in leeren Listen, in Bestätigungen. Diese Mikrotexte entstehen meist nebenbei und sind trotzdem der Ort, an dem ein Interface freundlich oder abweisend wirkt. Für genau diese Aufgabe ist KI ein gutes Werkzeug – viele kurze Texte in gleichbleibender Qualität.
1. Sechs Beispiele
So steht es meistens da
Absenden
Besser
Auffällig ist ein Muster: Die schlechte Fassung beschreibt den technischen Zustand, die gute beantwortet die Frage des Menschen. „Erfolgreich gesendet“ stimmt und hilft nicht; „Wir melden uns innerhalb eines Werktags“ beantwortet, was der Mensch tatsächlich wissen will.
2. Wie KI dabei hilft
Der Nutzen liegt in der Menge. Eine mittelgroße Website hat leicht fünfzig Mikrotexte, und für jeden einzeln nachzudenken ist mühsam – weshalb es in der Praxis nicht passiert. Mit einer guten Anweisung entstehen alle fünfzig in einem Durchgang, in einheitlichem Ton und in brauchbarer Qualität.
Eine bewährte Anweisung enthält vier Angaben: die Stelle im Ablauf, die Zielgruppe, den gewünschten Ton in zwei Adjektiven, und die Regel „so kurz wie möglich, ohne wichtige Information wegzulassen“. Verlangen Sie je Stelle drei Varianten – die Auswahl dauert Sekunden und ist fast immer besser als der erste Vorschlag.
3. Prüfen, nicht übernehmen
| Frage | Woran es scheitert |
|---|---|
| Sagt er, was als Nächstes passiert? | „Vorgang abgeschlossen“ sagt nichts über die Folge |
| Kommt er ohne Fachbegriff aus? | Erzeugte Texte greifen gern zu „validieren“, „Session“, „Synchronisierung“ |
| Beschuldigt er niemanden? | „Sie haben das Feld nicht ausgefüllt“ statt „Hier fehlt noch etwas“ |
| Passt er zur Länge des Platzes? | Vorschläge sind oft zu lang für Knöpfe und schmale Bildschirme |
Die zweite Zeile ist die häufigste. Modelle übernehmen den Ton der Fachliteratur, aus der sie gelernt haben – und der ist für Endkunden zu technisch. Geben Sie deshalb ausdrücklich vor: „Sprache wie ein freundlicher Mitarbeiter am Telefon, keine Fachbegriffe.“
4. Eine Tonalität festlegen
Bevor Texte entstehen, lohnt ein kurzer Satz zur Tonalität – drei bis fünf Zeilen genügen. Zum Beispiel: sachlich, freundlich, kein Wir-Gerede, keine Ausrufezeichen, Siezen, Verben statt Substantivierungen, keine Superlative. Diese Zeilen sind die wertvollste Vorarbeit, weil sie sich wiederverwenden lassen: für Mikrotexte, für Seitentexte, für automatische E-Mails.
Halten Sie die Tonalität dort fest, wo auch die Tokens liegen. Sie gehört ins Designsystem, nicht in ein separates Dokument, das niemand findet.
5. Häufige Fragen
Was ist mit Gendern? Das ist eine Festlegung, die in die Tonalität gehört und dort ausdrücklich benannt werden sollte – sonst entscheidet das Modell es je Text neu, und die Website ist uneinheitlich.
Kann KI auch die Seitentexte schreiben? Entwürfe ja, fertige Texte selten. Bei Mikrotexten ist das Ergebnis oft direkt verwendbar, weil die Aufgabe eng ist. Bei längeren Texten fehlt das, was nur Sie wissen: konkrete Beispiele, Zahlen, Erfahrungen.
Wie geht man mit Fachbegriffen der Branche um? Geben Sie eine kurze Wortliste mit: Diese Begriffe verwenden, jene vermeiden. Das ist dieselbe Liste, die aus der Lektion zu Benennungen entstanden ist.
6. Übung zum Selbermachen
Sammeln Sie von einer Website alle Mikrotexte in einer Liste – Knöpfe, Fehlermeldungen, Bestätigungen, Hinweise. Schreiben Sie fünf Zeilen Tonalität und lassen Sie zu jedem Eintrag drei Varianten erzeugen. Wählen Sie je Eintrag eine aus und prüfen Sie sie mit den vier Fragen aus Tabelle 6.1. Rechnen Sie mit zwei Stunden für eine Aufgabe, die sonst nie erledigt wird – und mit einem spürbar anderen Eindruck der Seite.
- [1]Podmajersky, T. (2019): Strategic Writing for UX. O'Reilly.
- [2]Nielsen Norman Group (2025): Microcopy and Error Message Guidelines.
- [3]Redish, J. (2012): Letting Go of the Words. Morgan Kaufmann.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.