UX-Konzeption · Modul 3: Informationsarchitektur

Lektion 3 von 7Übung 15 Min.

Ordnungsprinzipien und Card Sorting

Lernziele
  • das passende Ordnungsprinzip wählen
  • eine Card-Sorting-Übung durchführen
  • Ergebnisse richtig auswerten
  • Streitfälle erkennen und auflösen

Sobald der Bestand bekannt ist, stellt sich die Frage, wonach geordnet wird. Die Antwort ist selten eindeutig, und genau deshalb sollte sie nicht im Team geraten, sondern mit Menschen geprüft werden. Card Sorting ist dafür das einfachste und wirksamste Verfahren – und es braucht nichts als Zettel.

1. Sechs Ordnungsprinzipien

ErkundenSechs Ordnungsprinzipien
DachFassadeInnenausbaueindeutig

Passt, wenn

Der Klassiker und meist richtig, wenn Besucher die Themen kennen.

Scheitert, wenn

Versagt, wenn ein Anliegen mehrere Themen berührt.

Eindeutige Prinzipien (alphabetisch, chronologisch, örtlich) sind unstrittig, aber selten hilfreich beim Entdecken. Unscharfe Prinzipien (Anlass, Zielgruppe) helfen beim Entdecken und müssen sorgfältig geprüft werden.

Die Unterscheidung zwischen eindeutigen und unscharfen Prinzipien ist entscheidend. Eindeutige Ordnungen lassen keinen Streit zu – ein Wort steht alphabetisch an genau einer Stelle. Unscharfe Ordnungen helfen dagegen beim Entdecken, müssen aber geprüft werden, weil niemand vorhersagen kann, wie Menschen sie verstehen. In der Praxis werden beide kombiniert: eine unscharfe Ordnung für den Einstieg, eine eindeutige innerhalb der Bereiche.

2. Was Card Sorting ist

Definition 3.1
Card Sorting
Ein Verfahren, bei dem Testpersonen Karten mit Inhaltsbezeichnungen selbst zu Gruppen ordnen und diese benennen. Es zeigt, welche Zusammengehörigkeit Menschen erwarten – unabhängig davon, wie die Organisation denkt.

Es gibt zwei Formen. Beim offenen Sortieren bilden die Teilnehmer die Gruppen selbst und geben ihnen Namen – das liefert Vorschläge für Kategorien und deren Benennung. Beim geschlossenen Sortieren sind die Gruppen vorgegeben, und es wird geprüft, ob die Zuordnung so funktioniert wie gedacht. Üblich ist die Reihenfolge: erst offen, um Kategorien zu finden, dann geschlossen, um sie zu prüfen.

3. Selbst sortieren

ÜbungCard Sorting zum Mitmachen

Karte anklicken, dann eine Gruppe wählen. Danach sehen Sie, wie einig sich zwölf Testpersonen bei dieser Karte waren.

Die Vergleichszahlen stammen aus einer beispielhaften Runde mit zwölf Teilnehmern. In echten Sortierungen ist der Streit um einzelne Karten wertvoller als das Ergebnis selbst.

Probieren Sie besonders die Karten „Preisliste“ und „Referenzen“. Bei ihnen gehen die Meinungen auseinander – und das ist kein Mangel der Methode, sondern ihre wichtigste Leistung: Sie zeigt, wo eine Zuordnung nicht selbstverständlich ist und deshalb eine bewusste Entscheidung braucht, meist verbunden mit einem zusätzlichen Weg über eine Querverlinkung.

4. Wie man es durchführt

Tab. 3.1Card Sorting in sechs Schritten
SchrittWas zu tun istHinweis
Karten vorbereiten30 bis 60 Karten mit InhaltsbezeichnungenFormulierungen der Nutzer verwenden, keine internen Begriffe
Teilnehmer gewinnen8 bis 15 Personen aus der ZielgruppeKeine Mitarbeiter – sie kennen die interne Ordnung bereits
Aufgabe erklären„Ordnen Sie so, wie es für Sie sinnvoll ist“Keine Hinweise geben, auch nicht bei Zögern
Sortieren lassen15 bis 25 Minuten, allein, nicht in GruppenLaut denken lassen – die Begründungen sind wertvoller als das Ergebnis
Gruppen benennen lassenTeilnehmer geben jeder Gruppe einen NamenDiese Namen sind Kandidaten für die spätere Navigation
AuswertenJe Karte zählen, wo sie gelandet istUnter 60 Prozent Einigkeit ist ein Streitfall

Acht bis fünfzehn Teilnehmer klingen wenig und genügen. Ab etwa zehn Personen stabilisieren sich die Muster; weitere Teilnehmer verschieben die Verhältnisse kaum noch. Wichtig ist die Mischung: Wer nur Stammkunden fragt, bekommt die Ordnung derer, die sich ohnehin auskennen.

5. Die Auswertung

Drei Befunde ergeben sich aus jeder Auswertung. Karten mit hoher Einigkeit sind entschieden – sie gehören dorthin, wohin die Mehrheit sie gelegt hat, auch wenn intern anders gedacht wurde. Karten mit geteilter Meinung brauchen entweder einen zweiten Zugang oder eine klarere Bezeichnung; oft steckt hinter der Uneinigkeit ein mehrdeutiges Wort. Und Karten, die häufig allein liegen bleiben, gehören meist gar nicht in die Hauptnavigation.

Die Gruppennamen der Teilnehmer sind gesondert auszuwerten. Wenn sieben von zwölf Personen eine Gruppe „Was kostet das“ nennen, ist das ein stärkeres Argument für diese Beschriftung als jede interne Diskussion über „Leistungen und Konditionen“.

Das Ergebnis eines Card Sortings ist keine fertige Navigation, sondern eine Landkarte der Erwartungen. Die Entscheidung bleibt Ihre – aber Sie treffen sie jetzt im Wissen darüber, wo Sie vom Erwarteten abweichen.

6. Häufige Fragen

Geht das auch online? Ja, mit Werkzeugen für verteiltes Sortieren. Der Nachteil: Die Begründungen fehlen, und gerade die erklären die Streitfälle. Eine Mischung aus vier Sitzungen vor Ort und zehn online hat sich bewährt.

Wie viele Karten sind zu viele? Ab etwa 60 Karten ermüden Teilnehmer und sortieren nachlässig. Bei großen Beständen sortiert man eine repräsentative Auswahl statt alles.

Was, wenn das Ergebnis der Geschäftsführung nicht gefällt? Zeigen Sie die Zahlen und die Zitate. Ein Satz wie „Ich hätte Preise nie unter Über uns gesucht“ wirkt in einer Besprechung stärker als jede Methodendiskussion.

7. Übung zum Selbermachen

Schreiben Sie 20 Inhalte einer Website, die Sie kennen, auf einzelne Zettel – ohne Kategorien. Bitten Sie drei Personen aus Ihrem Umfeld, die das Unternehmen nicht kennen, die Zettel zu ordnen und die Gruppen zu benennen. Notieren Sie die Gruppennamen wörtlich und die Karten, bei denen gezögert wurde. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der bestehenden Navigation. Drei Personen sind keine belastbare Untersuchung und reichen völlig, um den Wert der Methode zu erleben.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Spencer, D. (2009): Card Sorting – Designing Usable Categories. Rosenfeld Media.
  2. [2]Nielsen Norman Group (2025): Card Sorting: Uses, Methods and Analysis.
  3. [3]Tullis, T. / Wood, L. (2004): How Many Users Are Enough for a Card-Sorting Study?

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Was ist der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Sortieren?