- das passende Ordnungsprinzip wählen
- eine Card-Sorting-Übung durchführen
- Ergebnisse richtig auswerten
- Streitfälle erkennen und auflösen
Sobald der Bestand bekannt ist, stellt sich die Frage, wonach geordnet wird. Die Antwort ist selten eindeutig, und genau deshalb sollte sie nicht im Team geraten, sondern mit Menschen geprüft werden. Card Sorting ist dafür das einfachste und wirksamste Verfahren – und es braucht nichts als Zettel.
1. Sechs Ordnungsprinzipien
Passt, wenn
Der Klassiker und meist richtig, wenn Besucher die Themen kennen.
Scheitert, wenn
Versagt, wenn ein Anliegen mehrere Themen berührt.
Die Unterscheidung zwischen eindeutigen und unscharfen Prinzipien ist entscheidend. Eindeutige Ordnungen lassen keinen Streit zu – ein Wort steht alphabetisch an genau einer Stelle. Unscharfe Ordnungen helfen dagegen beim Entdecken, müssen aber geprüft werden, weil niemand vorhersagen kann, wie Menschen sie verstehen. In der Praxis werden beide kombiniert: eine unscharfe Ordnung für den Einstieg, eine eindeutige innerhalb der Bereiche.
2. Was Card Sorting ist
Es gibt zwei Formen. Beim offenen Sortieren bilden die Teilnehmer die Gruppen selbst und geben ihnen Namen – das liefert Vorschläge für Kategorien und deren Benennung. Beim geschlossenen Sortieren sind die Gruppen vorgegeben, und es wird geprüft, ob die Zuordnung so funktioniert wie gedacht. Üblich ist die Reihenfolge: erst offen, um Kategorien zu finden, dann geschlossen, um sie zu prüfen.
3. Selbst sortieren
Karte anklicken, dann eine Gruppe wählen. Danach sehen Sie, wie einig sich zwölf Testpersonen bei dieser Karte waren.
Probieren Sie besonders die Karten „Preisliste“ und „Referenzen“. Bei ihnen gehen die Meinungen auseinander – und das ist kein Mangel der Methode, sondern ihre wichtigste Leistung: Sie zeigt, wo eine Zuordnung nicht selbstverständlich ist und deshalb eine bewusste Entscheidung braucht, meist verbunden mit einem zusätzlichen Weg über eine Querverlinkung.
4. Wie man es durchführt
| Schritt | Was zu tun ist | Hinweis |
|---|---|---|
| Karten vorbereiten | 30 bis 60 Karten mit Inhaltsbezeichnungen | Formulierungen der Nutzer verwenden, keine internen Begriffe |
| Teilnehmer gewinnen | 8 bis 15 Personen aus der Zielgruppe | Keine Mitarbeiter – sie kennen die interne Ordnung bereits |
| Aufgabe erklären | „Ordnen Sie so, wie es für Sie sinnvoll ist“ | Keine Hinweise geben, auch nicht bei Zögern |
| Sortieren lassen | 15 bis 25 Minuten, allein, nicht in Gruppen | Laut denken lassen – die Begründungen sind wertvoller als das Ergebnis |
| Gruppen benennen lassen | Teilnehmer geben jeder Gruppe einen Namen | Diese Namen sind Kandidaten für die spätere Navigation |
| Auswerten | Je Karte zählen, wo sie gelandet ist | Unter 60 Prozent Einigkeit ist ein Streitfall |
Acht bis fünfzehn Teilnehmer klingen wenig und genügen. Ab etwa zehn Personen stabilisieren sich die Muster; weitere Teilnehmer verschieben die Verhältnisse kaum noch. Wichtig ist die Mischung: Wer nur Stammkunden fragt, bekommt die Ordnung derer, die sich ohnehin auskennen.
5. Die Auswertung
Drei Befunde ergeben sich aus jeder Auswertung. Karten mit hoher Einigkeit sind entschieden – sie gehören dorthin, wohin die Mehrheit sie gelegt hat, auch wenn intern anders gedacht wurde. Karten mit geteilter Meinung brauchen entweder einen zweiten Zugang oder eine klarere Bezeichnung; oft steckt hinter der Uneinigkeit ein mehrdeutiges Wort. Und Karten, die häufig allein liegen bleiben, gehören meist gar nicht in die Hauptnavigation.
Die Gruppennamen der Teilnehmer sind gesondert auszuwerten. Wenn sieben von zwölf Personen eine Gruppe „Was kostet das“ nennen, ist das ein stärkeres Argument für diese Beschriftung als jede interne Diskussion über „Leistungen und Konditionen“.
6. Häufige Fragen
Geht das auch online? Ja, mit Werkzeugen für verteiltes Sortieren. Der Nachteil: Die Begründungen fehlen, und gerade die erklären die Streitfälle. Eine Mischung aus vier Sitzungen vor Ort und zehn online hat sich bewährt.
Wie viele Karten sind zu viele? Ab etwa 60 Karten ermüden Teilnehmer und sortieren nachlässig. Bei großen Beständen sortiert man eine repräsentative Auswahl statt alles.
Was, wenn das Ergebnis der Geschäftsführung nicht gefällt? Zeigen Sie die Zahlen und die Zitate. Ein Satz wie „Ich hätte Preise nie unter Über uns gesucht“ wirkt in einer Besprechung stärker als jede Methodendiskussion.
7. Übung zum Selbermachen
Schreiben Sie 20 Inhalte einer Website, die Sie kennen, auf einzelne Zettel – ohne Kategorien. Bitten Sie drei Personen aus Ihrem Umfeld, die das Unternehmen nicht kennen, die Zettel zu ordnen und die Gruppen zu benennen. Notieren Sie die Gruppennamen wörtlich und die Karten, bei denen gezögert wurde. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der bestehenden Navigation. Drei Personen sind keine belastbare Untersuchung und reichen völlig, um den Wert der Methode zu erleben.
- [1]Spencer, D. (2009): Card Sorting – Designing Usable Categories. Rosenfeld Media.
- [2]Nielsen Norman Group (2025): Card Sorting: Uses, Methods and Analysis.
- [3]Tullis, T. / Wood, L. (2004): How Many Users Are Enough for a Card-Sorting Study?
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.