UX-Konzeption · Modul 3: Informationsarchitektur

Lektion 6 von 7Text 14 Min.

Sitemap, URLs und Suche

Lernziele
  • eine Sitemap lesbar aufbauen
  • Adressen dauerhaft und verständlich vergeben
  • Querverbindungen bewusst setzen
  • die interne Suche richtig einordnen

Am Ende der Strukturarbeit steht ein Dokument, mit dem alle weiterarbeiten: die Sitemap. Sie hält fest, welche Seiten es gibt, wie sie zusammenhängen und unter welcher Adresse sie erreichbar sind. Diese Lektion zeigt, worauf es dabei ankommt – und warum Adressen länger halten als alles andere an einer Website.

1. Was eine Sitemap leistet

Sie ist das gemeinsame Bild, auf das sich Geschäftsführung, Redaktion und Umsetzung beziehen. Eine gute Sitemap beantwortet vier Fragen auf einen Blick: Wie viele Seiten gibt es, wie tief ist die Struktur, was gehört zusammen und wo gibt es Verbindungen quer zur Ordnung.

Abb. 6.1Sitemap mit drei Ebenen
StartseiteLeistungenProjekteÜber unsKontaktWartungNeubauPreiseReferenzlisteTeamQuerverbindung: Preise werden auch aus den Referenzen heraus verlinkt
Abb. 6.1Die gestrichelte Linie ist wichtig: Sie hält fest, dass die Preisseite auch aus den Referenzen erreichbar ist. Solche Querverbindungen fehlen in den meisten Sitemaps und entscheiden über den Erfolg der Wege.

Halten Sie die Sitemap flach. Drei Ebenen unter der Startseite reichen für nahezu jede mittelständische Website. Jede weitere Ebene verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Inhalt nie gefunden wird – und ist meist ein Zeichen dafür, dass nach Zuständigkeiten statt nach Anliegen geordnet wurde.

2. Adressen, die halten

VergleichVier Adressen und was an ihnen stört

/index.php?id=4711&cat=7

/leistungen/wartung

Zahlen und Parameter sagen weder Menschen noch Suchmaschinen etwas. Eine lesbare Adresse verrät den Inhalt, bevor die Seite geladen ist.

Eine Adresse ist ein Versprechen: Sie soll in fünf Jahren noch funktionieren und auch vorgelesen am Telefon verständlich sein.

Adressen sind der langlebigste Teil einer Website. Sie werden verlinkt, in E-Mails verschickt, auf Fahrzeugen gedruckt und von Suchmaschinen über Jahre gespeichert. Wer sie ändert, verliert – deshalb lohnt es sich, einmal gründlich nachzudenken.

Tab. 6.1Regeln für Adressen
RegelWarum
Kleinschreibung, Bindestriche statt UnterstricheVerhindert Verwechslungen und doppelte Adressen für dieselbe Seite
Keine Zahlen, Parameter oder KürzelDie Adresse soll den Inhalt verraten, auch vorgelesen am Telefon
Keine Jahreszahlen und kein „neu“Alles, was einen Zeitbezug hat, veraltet und erzwingt eine Weiterleitung
Höchstens drei EbenenTiefe Adressen bilden meist das Organigramm ab, nicht den Bedarf
Beim Umzug immer weiterleitenEine Fehlerseite kostet Besucher und die Platzierung der alten Adresse
Legen Sie das Adressschema fest, bevor die erste Seite gebaut wird. Nachträgliche Änderungen sind technisch einfach und kosten trotzdem Platzierungen, weil jede Weiterleitung eine Kette erzeugt, die irgendwann niemand mehr versteht.

3. Querverbindungen

Jede Ordnung zwingt zu einer Entscheidung, die für manche Besucher falsch ist. Die Preisseite gehört zu den Leistungen – aber jemand, der gerade eine Referenz ansieht, denkt genau dort über Kosten nach. Querverbindungen lösen das, ohne die Ordnung aufzuweichen: Der Inhalt hat einen festen Platz und zusätzliche Wege dorthin.

Setzen Sie sie bewusst und sparsam. Gute Querverbindungen entstehen aus den Streitfällen des Card Sortings – überall dort, wo die Einigkeit unter 60 Prozent lag, braucht es vermutlich einen zweiten Weg. Schlechte Querverbindungen entstehen aus dem Wunsch, alles überall zu verlinken; sie erzeugen Rauschen und schwächen die Ordnung.

4. Die interne Suche

Die Suche ist ein Angebot, kein Ersatz für Struktur. Bei kleinen Websites bis etwa 40 Seiten ist sie verzichtbar; ab etwa 100 Seiten wird sie wichtig, weil niemand mehr die gesamte Ordnung überblickt. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass Sie auswerten, wonach gesucht wird.

Diese Auswertung ist die wertvollste einzelne Datenquelle für die Strukturarbeit. Sie enthält die Wörter, die Besucher verwenden, und die Inhalte, die sie nicht gefunden haben. Suchanfragen ohne Treffer sind eine Liste von Aufgaben: entweder fehlt der Inhalt, oder er heißt anders, als gesucht wird. Beides lässt sich beheben.

5. Die technische Sitemap

Von der konzeptionellen Sitemap zu unterscheiden ist die XML-Sitemap – eine Datei, die Suchmaschinen alle Adressen mitteilt. Sie ersetzt keine gute Struktur, sondern beschleunigt nur das Auffinden. Wichtig ist, dass sie automatisch erzeugt wird und nur Adressen enthält, die tatsächlich gefunden werden sollen; veraltete Einträge dort sind ein häufiger und unnötiger Fehler.

6. Häufige Fragen

Womit zeichnet man eine Sitemap? Anfangs mit Zetteln an der Wand, danach mit einem beliebigen Diagrammwerkzeug. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass alle Beteiligten dasselbe Bild vor sich haben.

Wie viele Punkte darf die Hauptnavigation haben? Fünf bis sieben. Mehr bedeutet fast immer, dass eine Entscheidung vermieden wurde – meist, weil eine Abteilung sonst nicht vorkäme.

Was passiert mit Seiten, die nirgends hinpassen? Prüfen Sie zuerst, ob sie gebraucht werden. Wenn ja, gehören sie meist in den Fußbereich – dort erwarten Menschen Rechtstexte, Stellenangebote und Randthemen, und genau das entlastet die Hauptnavigation.

7. Übung zum Selbermachen

Zeichnen Sie die Sitemap einer Website, die Sie kennen, aus dem Gedächtnis – nur die Hauptbereiche und deren Unterseiten. Vergleichen Sie danach mit der tatsächlichen Seite. Die Abweichungen zeigen, welche Teile der Struktur sich einprägen und welche nicht. Notieren Sie zum Schluss drei Querverbindungen, die fehlen: Stellen, an denen Sie beim Betrachten einer Seite an einen Inhalt gedacht haben, der dort nicht verlinkt ist.

Quellen und weiterführende Literatur
  1. [1]Rosenfeld, L. / Morville, P. / Arango, J. (2015): Information Architecture for the Web and Beyond. O'Reilly.
  2. [2]Google Search Central (2026): URL-Struktur und Sitemaps – Richtlinien für Websites.
  3. [3]Nielsen Norman Group (2025): Site Search and Findability.

Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.

Abschlussquiz

Drei Fragen – dann ist die Lektion geschafft.

Frage 1 von 3

Wie viele Ebenen sollte eine Struktur höchstens haben?