- eine Seitenstruktur (Sitemap) aus den Aufgaben der Besucher ableiten
- Inhalte mit Card Sorting nutzergerecht gruppieren
- Menüs verständlich benennen und überschaubar halten
- Navigation für das Handy mitdenken
Die Seitenstruktur ist das Gerüst einer Website. Sie legt fest, welche Seiten es gibt, wie sie zusammenhängen und wie Besucher von einer zur anderen finden. Eine gute Struktur bemerkt niemand – man findet einfach, was man sucht. Eine schlechte Struktur fällt sofort auf: Besucher klicken sich durch Menüs, landen auf falschen Seiten und geben schließlich auf. Die Struktur entsteht deshalb nicht aus dem Organigramm des Unternehmens, sondern aus den Aufgaben der Besucher, die in der vorigen Lektion beschrieben wurden. Diese Lektion zeigt, wie Sie eine Struktur planen, Inhalte sinnvoll gruppieren und eine Navigation entwerfen, die auf dem Rechner und auf dem Handy funktioniert.
1. Von Aufgaben zu Seiten
Der Ausgangspunkt ist eine Liste aller Inhalte, die Besucher brauchen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Für einen Fahrradladen sind das etwa Werkstattleistungen, Preise, Terminbuchung, das Sortiment an E-Bikes, Leasingangebote, Öffnungszeiten, Anfahrt und das Team. Diese Inhalte werden anschließend zu Seiten zusammengefasst und in Bereiche gruppiert. Die zentrale Frage dabei lautet nicht „Wie ist unser Betrieb organisiert?“, sondern „Wo würde ein Kunde diese Information suchen?“.
2. Card Sorting
Wie Kunden Inhalte gruppieren, lässt sich mit einer einfachen Methode herausfinden: dem Card Sorting. Dabei werden die Inhalte auf Karten geschrieben, und einige Kunden oder Außenstehende sortieren sie in Gruppen, die ihnen logisch erscheinen. Probieren Sie es selbst:
Card Sorting funktioniert mit Papierkarten am Tisch ebenso wie mit Online-Werkzeugen. Große Gruppen braucht es nicht: Drei bis fünf Kunden, die das Unternehmen nicht von innen kennen, reichen für kleine Websites meist aus. Die Ergebnisse zeigen, welche Gruppen sich natürlich ergeben und welche Begriffe missverständlich sind. Wenn die Hälfte der Kunden „Leasing“ unter „Werkstatt“ sucht, ist das ein wichtiger Hinweis für die Navigation.
3. Die Sitemap
Aus den Gruppen entsteht die Sitemap, ein Baum aller Seiten. Für kleine und mittlere Websites gilt: lieber flach als tief. Wichtige Seiten sollten höchstens zwei Klicks von der Startseite entfernt sein, und die Hauptnavigation sollte nicht mehr als fünf bis sieben Punkte haben.

4. Menüs benennen
Die Beschriftung der Navigation entscheidet, ob Besucher den richtigen Weg finden. Gute Menüpunkte sind kurz, eindeutig und in der Sprache der Kunden. Fachbegriffe, Markennamen für Leistungen und abstrakte Wörter wie „Lösungen“, „Portfolio“ oder „Kompetenzen“ zwingen Besucher zum Raten. Beurteilen Sie typische Entscheidungen:
Menüpunkt „Lösungen“ für die Werkstattleistungen
Fünf Hauptpunkte: Werkstatt, Fahrräder, Leasing, Über uns, Kontakt
Zwölf Hauptpunkte, damit alles sofort sichtbar ist
„Termin buchen“ als hervorgehobener Knopf rechts im Menü
Jede Seite ist nur über drei Menüebenen erreichbar
5. Navigation auf dem Handy
Die meisten Besuche kommen heute vom Handy. Dort ist die Navigation meist hinter einem Menüsymbol versteckt, und Besucher sehen zunächst nur den oberen Teil der Seite. Das verändert die Planung. Die wichtigste Handlung – anrufen, Termin buchen, Anfrage senden – gehört als gut erreichbarer Knopf sichtbar auf jede Seite, oft auch als feste Leiste am unteren Bildschirmrand. Wichtige Seiten sollten zusätzlich direkt im Inhalt verlinkt sein, damit niemand das Menü öffnen muss. Und lange Seiten brauchen Zwischenüberschriften und Sprunglinks, damit Besucher schnell zum gesuchten Abschnitt kommen.
6. Ein Beispiel
Die alte Website eines Fahrradladens hatte neun Menüpunkte, darunter „Service“, „Leistungen“ und „Angebote“ – Kunden konnten nicht erkennen, wo sie die Inspektion finden. Ein Card Sorting mit vier Stammkunden zeigte, dass alle Werkstattthemen unter „Werkstatt“ erwartet wurden und „Leasing“ eine eigene Rolle spielt, weil viele Kunden über den Arbeitgeber ein Dienstrad beziehen. Die neue Struktur hat fünf Hauptpunkte, einen hervorgehobenen Knopf „Termin buchen“ und auf dem Handy eine feste Leiste mit „Anrufen“ und „Termin“. Nach dem Relaunch sanken die Anrufe mit Fragen nach Preisen und Öffnungszeiten spürbar, und mehr Termine wurden online gebucht – ohne dass ein einziges neues Designelement hinzugekommen wäre.
7. Struktur für wachsende Websites
Websites wachsen. Neue Leistungen kommen hinzu, Ratgeber entstehen, ein Shop wird ergänzt. Eine gute Struktur ist deshalb nicht nur für heute gedacht, sondern lässt Platz für morgen. Das gelingt, wenn Hauptbereiche nach dauerhaften Aufgaben der Kunden benannt sind und nicht nach einzelnen Produkten oder Aktionen. Ein Bereich „Werkstatt“ kann neue Leistungen aufnehmen, ein Bereich „Frühjahrsaktion 2026“ nicht. Ebenso wichtig sind stabile Adressen: Wer Seiten später umbenennt oder verschiebt, braucht Weiterleitungen, damit Links von außen und Einträge in Suchmaschinen erhalten bleiben.
Bei größeren Websites hilft eine zweite Ordnung neben dem Menü: Themen oder Schlagworte, über die sich Inhalte querverbinden lassen. Ein Ratgeber zu E-Bike-Akkus kann so gleichzeitig beim Thema „Pflege“ und bei der Leistung „Akku-Check“ erscheinen. Auch eine gut gemachte Übersichtsseite je Bereich – mit kurzer Einleitung und Links zu allen Unterseiten – erleichtert die Orientierung und hilft Suchmaschinen, die Zusammenhänge zu verstehen. Wer diese Grundsätze früh beachtet, muss beim nächsten Ausbau nicht die gesamte Navigation umbauen.
- [1]Rosenfeld, L.; Morville, P.; Arango, J. (2015): Information Architecture. 4. Aufl. Sebastopol: O'Reilly.
- [2]Spencer, D. (2009): Card Sorting – Designing Usable Categories. Brooklyn: Rosenfeld Media.
- [3]Nielsen Norman Group (2026): Menu Design – Checklist of 15 UX Guidelines. nngroup.com.
- [4]Krug, S. (2014): Don't Make Me Think, Revisited. 3. Aufl. Berkeley: New Riders.
Stand: September 2026. Kursmaterial der Klarwerk Akademie. Methoden und Werkzeuge der Konzeption entwickeln sich weiter – die Grundprinzipien nutzerzentrierter Gestaltung bleiben.